Warum macht es Sinn, PET-Getränkeflaschen zu recyceln?

Durch das PET-Recycling werden die natürlichen Ressourcen geschont und die Emission von Treibhausgasen reduziert: Gegenüber der Entsorgung im Abfall können dank dem PET-Recycling in der Schweiz jedes Jahr 126 000 Tonnen Treibhausgase (CO2-eq) eingespart werden. Dies entspricht 9500 Erdumrundungen mit einem Auto. Um die Emissionen des PET-Recyclings noch weiter zu reduzieren, hat PET-Recycling Schweiz im Januar 2022 beschlossen, das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens für die gesamte Wertschöpfungskette bis spätestens 2030 einzuhalten.

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Sind Glasflaschen nicht ökologischer?

Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) hat die Ökobilanz von Getränkeverpackungen untersucht. Danach sind PET-Getränkeflaschen für Mineralwasser und Süssgetränke die ökologisch sinnvollste Verpackung. Glasflaschen sind ökologisch sinnvoll, wenn es sich um Mehrwegflaschen handelt und die Transportwege kurz sind. Gegenüber Einwegflaschen aus Glas sind PET-Getränkeflaschen aus ökologischer Sicht vorteilhafter. Die Studie des Bafu hält fest, dass je nach Konsumort – unterwegs, zu Hause, im Restaurant – und je nach benötigter Schutzfunktion des Getränks oder Transportdistanzen unterschiedliche Verpackungen ökologisch sinnvoll sind. Es gibt nicht die eine Verpackungslösung, die für alle Getränke in allen Situationen ideal ist. Zudem ist festzuhalten, dass der ökologische Fussabdruck des Getränks mit Ausnahme von Wasser meistens deutlich höher ist als derjenige der Verpackung. Wenn die ökologischen Auswirkungen von abgefüllten Getränken beurteilt werden, greift die ausschliessliche Fokussierung auf die Verpackung zu kurz.

Was passiert mit den PET-Getränkeflaschen genau, nachdem sie im Sammelcontainer gelandet sind?

Die PET-Getränkeflaschen werden in eine Sortieranlage transportiert, wo falsch eingeworfene Gegenstände entfernt und die Flaschen nach Farbe sortiert werden. Anschliessend werden die PET-Getränkeflaschen in einer Recyclinganlage zu sogenannten Flakes zermahlen. Die PET-Flakes werden von den Deckeln und Etiketten getrennt, gereinigt und anschliessend in einem mehrstufigen Prozess zu neuem PET-Granulat verwertet. Dieses Granulat ist bezüglich Qualität gleichwertig wie Neumaterial und wird für die Produktion von neuen Flaschen eingesetzt.

Jean-Claude Würmli
Quelle: ZVG

Der Recycler

Name: Jean-Claude Würmli
Funktion: Geschäftsführer PET-Recycling

Das Unternehmen Die Non-Profit-Organisation PET-Recycling Schweiz hat sich dem Recycling von PET-Getränkeflaschen in der Schweiz verpflichtet. Mehr als 98 Prozent der Schweizer Getränkeproduzenten, Importeure, Abfüller und Detaillisten beteiligen sich heute am Sammelsystem der Branchenorganisation PET-Recycling Schweiz. Es gibt zurzeit rund 60 000 Sammelstellen. Das Logistiknetz besteht aus rund 40 Entsorgungspartnern.

Wird ein Teil der gesammelten PET-Getränkeflaschen ins Ausland exportiert?

Nein. Der gesamte PET-Kreislauf findet in der Schweiz statt. Damit das möglich ist, investiert die Privatwirtschaft regelmässig in neuste Sortier- und Recyclinganlagen.

Viele PET-Flaschen landen immer noch im Abfall. Wie könnte man die Recyclingquote erhöhen?

Die Rückgabe von leeren PET-Getränkeflaschen muss so komfortabel wie möglich sein. Deshalb arbeitet PET-Recycling Schweiz intensiv am Ausbau des Sammelstellennetzes. Im Fokus stehen Sammelstellen im öffentlichen Raum. Die steigende Anzahl an Konsumentinnen und Konsumenten, die sich unterwegs verpflegen, soll so die Möglichkeit erhalten, Wertstoffe auch unterwegs korrekt zu trennen. Weil PET-Recycling Schweiz im öffentlichen Raum keine Recyclingbehälter aufstellen darf, sind wir dabei auf die Unterstützung von Städten und Gemeinden angewiesen.

Bald müssen laut einer EU-Richtlinie die Deckel fest mit der Flasche verbunden sein. Was ist das Ziel?

Die Sammlung und das Recycling der PET-Getränkeflaschen ist von den nicht ablösbaren Deckeln, auch «Tethered Caps» genannt, nicht betroffen. Bereits heute werden die Getränkeflaschen aus PET und die Deckel aus PE gemeinsam gesammelt. «Luft raus, Deckel drauf» ist auch mit den neuen Deckeln möglich. Die PE-Deckel werden während des Recyclingprozesses aussortiert und ebenfalls rezykliert. Das eigentliche Ziel der neuen Deckel ist die Reduktion des Litterings. Ob dieses Ziel erreicht werden kann, wird sich erst zeigen, wenn die neuen Deckel grossflächig im Einsatz sind. Für ein Fazit ist es zu früh.

Welche Innovationen könnte es beim PET-Recycling künftig geben?

Ein grosses Thema ist das chemische Recycling. Die Möglichkeit, PET-Produkte zu rezyklieren, die bisher verbrannt werden mussten – beispielsweise Textilien oder PET-Folien –, ist eine Chance für die Verbesserung der Kreislaufwirtschaft. Stand heute betrachten wir das chemische Recycling als komplementäre Technologie zum heutigen mechanischen Recycling. Dies, weil die Technologie noch deutlich teurer und zudem weniger ökologisch ist. Der Vorteil des chemischen Recyclings ist hingegen, dass das Verfahren je nach Hersteller und Technologie auch auf andere Produkte aus PET und unterschiedliche Qualitäten (etwa Verbundstoffe) angewendet werden kann. Das chemische Recycling kann – sofern die Skalierung auf Industrieformat gelingt – einen Beitrag zur verbesserten Kreislaufschliessung und somit zu einer nachhaltigeren Wirtschaft leisten.

Gibt es andere Bereiche, die nach dem Vorbild von PET-Recycling funktionieren könnten?

Das PET-Recycling funktioniert nach dem Konzept der «Extended Producer Responsibility». Das bedeutet, die Inverkehrbringer – also Hersteller, Importeure und Handel – sind auch für die Sammlung und Verwertung ihrer Produkte verantwortlich. Damit nicht jedes Unternehmen eine eigene Lösung entwickeln muss, hat die Branche den Verein PET-Recycling Schweiz gegründet. Das Konzept liesse sich auf verschiedenste andere Wertstoffe, die in Haushalten anfallen, übertragen.

Florian Fels
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