Seit dem 1. Januar 2024 ist die neue Selbstregulierung der Schweizerischen Bankiervereinigung in Kraft getreten. Diese besagt, dass Banken verpflichtet sind, Privatanlegerinnen und -anleger nach ihren Nachhaltigkeitspräferenzen zu fragen. Damit macht die Schweiz in Sachen «Sustainable Finance» den nächsten Schritt. Gerade in den letzten Jahren wurde in diesem Bereich viel erreicht. Ende 2023 betrug das gesamte Anlagevolumen mit Nachhaltigkeitsbezug in der Schweiz laut der «Schweizer Marktstudie Nachhaltige Anlagen 2024» rund 1660 Milliarden Franken. Im Jahr 2018 waren es im Vergleich gerade einmal 717 Millionen Franken. Im Vergleich gesehen, betrugen laut der Schweizerischen Nationalbank die gesamten Wertschriftenbestände in Kundendepots der Banken Ende 2023 rund 7176 Milliarden Franken.

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Diese Zahlen unterscheiden sich je nach Erhebungsmethode. Fakt aber ist, dass nachhaltigkeitsbezogene Anlagen für alle Anlageklassen relevant sind. Es zeigt sich jedoch, dass vor allem Aktien (30,5 Prozent) und Unternehmensanleihen (20,9 Prozent) bevorzugt werden, die eben die Hälfte aller Investments ausmachen. Ebenso ist erkennbar, dass Anlegerinnen und Anleger besser darüber informiert werden möchten, wie «grün» das Unternehmen wirtschaftet, in das sie investieren. Die wichtigsten Aspekte dabei sind auf jeden Fall die bekannten ESG-Kriterien, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.

 

Nachhaltigkeit für alle

Menschen wollen zunehmend einen positiven Beitrag für Gesellschaft und Umwelt leisten, schlussendlich aber wollen sie – geht es um ihre Anlagen – auch eine attraktive Rendite. Aber eben mit einem guten Gewissen. In einer Studie der Universität Zürich gemeinsam mit der Universität St. Gallen und dem Massachusetts Institute of Technology (MIT) gingen die Forschenden der Frage nach, warum Schweizerinnen und Schweizer sich für nachhaltige Anlagen interessieren. Während die eine Gruppe der Teilnehmenden nur die Rendite als Entscheidungsgrundlage erhielt, gab es für die andere Gruppe den CO2-Fussabdruck als zusätzliches Kriterium. Das Ergebnis war eindeutig: Wer nur die Rendite kannte, entschied sich logischerweise für einen Fond mit der besten Performance. Von den Personen jedoch, die den ökologischen Aspekt als zusätzliche Information erhielten, verzichteten drei von vier auf mehr Rendite im Sinne der Nachhaltigkeit.

Einstellungen wie diese haben den Anlagemarkt in den letzten Jahren massgeblich verändert. Geschäftsmodelle und Investmentmöglichkeiten verändern sich konstant. War beispielsweise die Anlage in Gold immer eine sichere Bank, steht nun immer öfter die Frage im Raum, unter welchen Bedingungen das Gold gewonnen wurde. Gleiches gilt für Investitionen in erneuerbare Energien. Denn die benötigte Infrastruktur, die Gewinnung und Speicherung erst ermöglichen, bietet ebenfalls Chancen, als Anlegerin oder Anleger zu profitieren. 

 

Die Schweiz als Vorreiterin

Die Veränderungen gehen weiter, und die Schweiz sieht sich hier in der Verantwortung: Im Frühjahr 2024 lancierte beispielsweise das Department of Finance der Universität Zürich die «Initiative in Sustainable Finance». Ziel ist es, zu einem weltweit führenden Zentrum für Forschung in diesem Bereich zu werden und den Dialog zwischen Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft zu fördern. Der Fokus liegt auf den folgenden vier Themen: auf der Nachhaltigkeit in Finanzinstitutionen, der Integration von künstlicher Intelligenz im Bereich Sustainable Finance, dem privaten nachhaltigen Investieren sowie der Finanzierung von Massnahmen für Klima und Biodiversität. Parallel hat der Bundesrat im Oktober 2023 bekannt gegeben, dass das Eidgenössische Finanzdepartement (EFD) bis August 2024 eine Vorlage erarbeiten wird, die die Vermeidung von Greenwashing bei nachhaltigen Anlagen adressiert. 

Fazit: Nachhaltiges Investment verändert sich und ermöglicht Anlegerinnen und Anlegern neue Möglichkeiten. Warum diese nicht nutzen? Denn Selbstregulierung bedeutet auch Selbstbestimmung. 

Wilma Fasola von Handelszeitung
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