Startups wie Plasticfri aus Schweden, Supaso aus Österreich oder Ampliphi aus den USA, die am diesjährigen Kickstart-Innovation-Programm in Zürich vertreten waren, arbeiten an neuen regionalen Lebensmittel- und Verpackungsprodukten, welche auch die Logistik verändern werden. Denn zukünftig soll lokaler und nachhaltiger produziert und, wenn immer möglich, ohne Plastik verpackt und verschickt werden.

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Bis es so weit ist, werden Logistik-Startups weitere Bereiche der Lieferketten verändern. Nur schon die Marktgrössen machen dies attraktiv: Gemäss Pitchbook, einem auf Venture-Capital und Private Markets spezialisierten Datenanbieter, sind 2021 62 Milliarden Dollar Risikokapital in den weiteren Logistik-Bereich geflossen. Knapp 10 Milliarden wurden in den Fracht-Logistik-Bereich gesteckt, und mit dem Zürcher Unternehmen Nexxiot gibt es auch das erste Unicorn, also Startup mit einer Bewertung von über 1 Milliarde Dollar.

Lieferanten werden Belieferte

Weil es in Teilen der Logistik noch traditionelle Prozesse gibt, ist das Gebiet für Jungunternehmen interessant: Schweizerische Logistik-Startups wie Qiio, Aeler Technologies und Arviem beschäftigen sich mit Lösungen, welche Container-Transporte effizienter gestalten sollen. Papierkram, der oft in unterschiedlichen, inkompatiblen Lösungen abgearbeitet wird, soll digitalisiert werden und die Kunden sollen wissen, wo genau ihre Container gerade stecken. Ansatzpunkt ist die Verbindung einzelner getrennter Transport-Management-Systeme, die bei den einzelnen Logistikern Auskunft über die einzelnen Container und ihre Positionen geben und jetzt von Logistik-Startups und zum Teil von den grossen Logistik-Firmen miteinander verbunden und «intelligent» gemacht werden.

Sichtbar ist der Rückstand bei der Digitalisierung bei der Offertstellung. Von einfachem Buchen, wie man das von Reiseplattformen her kennt, ist man weit entfernt. Der Druck in Richtung moderne Technologien steigt hier umso mehr, als viele Firmen und Konsumierende Next-Day-Lieferungen erwarten. Fester Bestandteil der schnellen Lieferversprechen sind die Rücksendemöglichkeiten. Dieser «umgekehrte» Bereich der Logistik, die «Reverse Logistics», gilt laut den Marktforschern von CB Insights als grosses und attraktives Wachstumsthema, weil es hier nur vergleichsweise wenige Startups gibt. Hier werden bestehende End-to-End-Inventar- und Logistik-Lösungen untereinander verbunden und die Prozesslogik umgedreht: Endkunden und -kundinnen sind die Ausgangspunkte, spezialisierte Abteilungen in den grossen Fullfillment-Centern die Endpunkte der Lieferungen. Einzelne Lösungen zielen auf eine bessere Information für die Endkunden ab. Andere Startups optimieren die Zwischenschritte innerhalb der Lieferketten.

Umweltbelastung reduzieren

Effizient gehandhabte Rücksendungen können die Nachhaltigkeitsbilanz von E-Commerce-Unternehmen und ihren Lieferanten deutlich verbessern. Nachhaltigkeit in der Logistik ist ein weites Gebiet, das die Reverse-Logistik einschliesst, aber deutlich weitergeht. Alleine schon verbesserte Fracht-Tracking-Tools können Lieferketten effizienter und damit weniger umweltbelastend machen, weil man sich hier ständig neuen Gegebenheiten flexibel anpassen kann. Bei CB Insights sieht man Tracking, Reverse-Logistik und das Einbinden dieser separaten Daten-Inseln in eine konsolidierte Lösung als ersten, grossen Schritt in Richtung einer nachhaltigen Logistik an. Weitere Schritte zielen dann auf eine Umstellung der Lieferketten auf elektrische Antriebe – und hier gehen die Pläne einiger Startups bis hin zu elektrisch betriebenen Kurzstrecken-Flugzeugen.

Viel gewonnen ist indes laut Analysten alleine schon durch eine präzisere Prognose des späteren Bedarfs. Damit wird weniger produziert, weniger verpackt, weniger transportiert und weniger weggeworfen. Die Vertreter des Kickstart-Innovation-Programms sprachen denn am Abschluss-Cocktail weniger von zukünftigen Produktions- und Transportvolumen als vielmehr von besserer Passung von Hergestelltem und Konsumiertem.