Es sind Fertigungsunternehmen diverser Branchen, die im Herzen der Schweiz den Wirtschaftsmotor antreiben. Und obschon hier Tradition und Handwerk in Ehren gehalten werden, sind die Zentralschweizer Unternehmen auch äusserst innovativ und pragmatisch darin, ihre Produktion zu digitalisieren. Sie verstehen es, mithilfe digitaler Technologien Daten auf die richtige Art zu erheben und smart zu nutzen, wodurch sie ihre Arbeitsprozesse automatisieren und optimieren. Dies erlaubt es ihnen, in gewissen Bereichen weltweite Spitzenpositionen zu bekleiden. Darum trägt die Zentralschweiz zu Recht den Titel «Data Valley der Schweiz».

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Zahlreiche Innovationstreiber

Dass gerade hier solche Zukunftstechnologien Fuss gefasst haben, hat mehrere Gründe. Zum einen wird in der Region viel produziert, wodurch relevante Fertigungsdaten direkt «vor Ort» erhoben werden. Zudem bieten die Hochschule Luzern sowie verschiedene Forschungsinstitute und Technoparks Zugang zu erstklassigen angewandten Technologien.

Der Autor

Philipp Schmid ist Head Research and Business Development 4.0 & Machine Learning, CSEM, Luzern.

Somit stehen hiesigen Unternehmen mehrere Partner zur Verfügung, die aus den Daten der Unternehmen nützliche Lösungen erarbeiten können. Eine Chance, welche die Firmen rege nutzen. Auch CSEM ist in diesem Feld ein Innovationstreiber: Als gemeinnütziges Innovationszentrum operiert es vom Standort Alpnach aus seit mehr als zwanzig Jahren als Partner für angewandte Entwicklungen, Technologie- und Wissenstransfer. 2008 lancierte CSEM mit einem lokalen Unternehmen gar eines der weltweit ersten Deep-Learning-Projekte für die produzierende Industrie.

Technologieriesen wie Google und Microsoft locken IT-Talente nach Zürich.

 

Digitale Champions sind typisch für die Industrielandschaft in der Zentralschweiz. Ein Beispiel ist die zur Leister-Gruppe gehörende Axetris – Produzent von präzisen Mikrooptiken unter anderem für Rechenzentren. Mit neuen Prüfmethoden, die künstliche Intelligenz (KI) nutzen, konnte die Produktionsqualität der Hightech-Komponenten noch weiter verbessert werden. Im Alleingang wäre das eine grosse Herausforderung gewesen. Axetris hat das Kooperationspotenzial der Region für sich genutzt und auf externe Expertise gesetzt.

Weitere zahlreiche Beispiele, bei denen die Digitalisierung in der Produktion Prozesse erheblich verbessert, kennt CSEM aus seiner täglichen Arbeit. Technologie aus der Gaming-Industrie wird bei E. Luterbach genutzt: Künstlich generierte Bilder helfen dem Pulverbeschichter bei der Teilezuordnung in der internen Logistik; auch Pilatus Flugzeugwerke nutzt den KI-Trend in ihrer Produktion, um gefährliche Montagefehler zu vermeiden. Alle diese Partner setzen auf den Austausch – Die blockierende «Not Invented Here»-Haltung ist dort verpönt. Man unterschätzt es: Die Kleinräumigkeit der Zentralschweiz, die enge Vernetzung der verschiedenen Akteure untereinander, ihre unmittelbare Nachbarschaft ist ein wichtiger Pluspunkt. Technologie im Silicon Valley oder in Fernost ist eben nicht immer unmittelbar greifbar. Die Zentralschweiz sollte ihre gute Stellung künftig weiter aktiv stärken. Dies ist nicht einfach, denn das Data Valley ist vom Fachkräftemangel direkt betroffen. Zudem konkurrenziert die Region mit Tech-Riesen wie Google und Microsoft, die IT-Talente nach Zürich locken.

Mehr überkantonale Zusammenarbeit

Hier muss die Region Gegensteuer geben, wobei insbesondere die Zentralschweizer Kantone gefordert sind: Sie können sich von den hiesigen Unternehmen bewährte Methoden wie Kooperation und Koordination abgucken, um die Region als Ganzes bekannter und attraktiver zu machen. Dies entfaltet mehr Wirkung, als wenn, wie es heute der Fall ist, jeder Kanton ein eigenes Ökosystem für Startups kultiviert. Die Startup- und Wirtschaftsförderungen sollten also enger kollaborieren, damit das Data Valley um den Vierwaldstättersee auch in Zukunft eine Erfolgsgeschichte bleibt.