Welche Nachhaltigkeitsziele setzt sich Ihr Unternehmen?  

Carl Elsener: Die wichtigste Aufgabe eines Unternehmens ist es, mit seinen Produkten und Serviceleistungen langfristig auf dem Weltmarkt erfolgreich zu sein und so den Ertrag nachhaltig zu sichern. Wichtig ist dabei eine gesunde Balance zwischen ökonomischen, sozialen und ökologischen Zielen. Für Victorinox als familiengeführtes Markenunternehmen in der vierten Generation hat Nachhaltigkeit seit je her eine besondere Bedeutung. Mit einer nachhaltigen Unternehmensführung stellen wir sicher, dass wir den nachfolgenden Generationen ein gesundes Unternehmen übergeben können, das sie erfolgreich weiterentwickeln können.    

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Welches sind dabei die grössten Herausforderungen?  

Die Welt verändert sich, und das ständig und immer schneller. Unternehmen und Menschen müssen lernen damit umzugehen und Schritt zu halten. Dabei ist Lernfähigkeit und Offenheit ein zentraler Aspekt. Es braucht in der Wirtschaft einen neuen Ansatz. Weg vom reinen Wachstum und Profitdenken, hin zu einem Nachhaltigkeitsansatz, der sich für die Wirtschaft, die Umwelt und die Gesellschaft positiv auswirkt. Dazu braucht es Innovation, Kreativität und Effizienz in allen Bereichen. Es muss ein ganzheitliches Umdenken auf allen Ebenen stattfinden.      

Herr der Sackmesser

Carl Elsener (63) ist CEO Victorinox AG. Er ist der Urenkel von Karl Elsener, dem Gründer von Victorinox. Nach der Matura ist er 1978 in den Familienbetrieb eingetreten und hat sich von der Pike auf das Führungs-Handwerk im Schwyzer Traditionsbetrieb erarbeitet. 1985 arbeitete er beim Vertriebspartner in den USA. Während dieser Zeit absolvierte er verschiedene Weiterbildungen in den Bereichen Marketing und Unternehmensführung. Seit 2007 leitet er das Familienunternehmen in der vierten Generation. Carl Elsener wohnt in Schwyz. Er ist verheiratet und hat drei Kinder.

Wo besteht noch Handlungsbedarf?  

Victorinox beschäftigt sich mit dem Thema Nachhaltigkeit schon seit Jahrzenten und wir haben bereits viel erreicht. Doch die Ansprüche werden immer komplexer und es gibt keinen Planeten B. Es ist ein stetiger Prozess und es gilt, in diesem wichtigen Bereich nicht stillzustehen. Bei der Herstellung unserer Taschenmesser sind wir beispielsweise schon sehr weit, was Nachhaltigkeit angeht. Die Taschenmesser werden aus 95 Prozent recycliertem Stahl hergestellt. Die Stahlabfälle, die bei der Produktion anfallen, werden mit einem speziellen Verfahren recycliert und zu 100 Prozent wieder dem Kreislauf zugeführt. Zusätzlich sind unsere Taschenmesser «made for life» und haben eine sehr hohe Qualität und Reparaturfähigkeit. Wir streben an, diesen Nachhaltigkeitsanspruch auch auf unsere anderen Produktkategorien kontinuierlich auszuweiten.    

Beschäftigen Sie einen Chief Sustainability Officer?  

Wir haben seit kurzem einen Head of Sustainability ernannt, der dieses wichtige Thema zukünftig strategisch weiter vorantreiben wird. Zu den Hauptaufgaben gehören unter anderem das Aufsetzen einer globalen Nachhaltigkeitsstrategie, das Sicherstellen eines einheitlichen Reportings anhand definierter KPIs, die Erstellung eines internen Nachhaltigkeitsberichts sowie natürlich auch ein Benchmarking mit vergleichbaren Unternehmen.    

Carl Elsener, Victorinox, portraitiert am 30. August 2018 in Ibach.(KEYSTONE/Gaetan Bally)
Foto: Keystone
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Wie setzt Victorinox die ESG-Kriterien konkret um?  

Unsere Nachhaltigkeitsbestrebungen machen wir aus Überzeugung, ohne dass wir diese offiziellen Kriterien zwingend zuordnen. Fakt ist jedoch, dass wir die Bereiche Umwelt (Environment), Soziales (Social) und Unternehmensführung (Governance) bei unserem Handeln stets berücksichtigen. Ende 2020 haben wir beispielsweise unser neues Distributionszentrum in Betrieb genommen. Mit der hohen Investition von rund 50 Millionen Franken war dies ein klares Bekenntnis zum Standort Schwyz und zu der Sicherung von Arbeitsplätzen. In der Region selber konnte durch das Zusammenführen von sechs regionalen Aussenlager der Werksverkehr im Schwyzer Talkessel deutlich reduziert werden. Durch die Anbindung an den Schienenverkehr sowie die Photovoltaikanlage auf dem Gebäudedach und Ladestationen für Elektroautos haben wir unseren Nachhaltigkeitsanspruch bei diesem Projekt zusätzlich unterstrichen.  Dies ist nur ein Beispiel von vielen. Die Photovoltaikanlagen auf unseren Gebäuden erlauben uns insgesamt 500 Tonnen CO2 im Jahr zu kompensieren. Für dieselbe Kompensation würden in der Natur 42'000 Bäume benötigt. In Ibach werden das Firmengebäude und rund 120 Wohnungen mit Prozess-Abwärme beheizt. Und im sozialen Bereich sind wir seit vielen Jahren der Hauptsponsor von «TOP to TOP», einer Klimaexpedition der Familie Schwörer, die mit ihrem Segelboot seit 1999 um die Welt segeln und sich für Klima- und Umweltschutz einsetzen.    

Das Unternehmen    

Victorinox ist ein weltweit tätiges Familienunternehmen, das heute in der vierten Generation geführt wird. Der Hauptsitz des Unternehmens befindet sich in Ibach, SZ. Hier gründete Karl Elsener I 1884 seine Messerschmiede und entwickelte wenige Jahre später das legendäre «Original Swiss Army Knife».

Inzwischen produziert das Unternehmen nicht nur die weltbekannten Taschenmesser, sondern auch Haushalts- und Berufsmesser, Uhren, Reisegepäck und Parfum. 2005 folgte zudem die Übernahme des traditionsreichen Messer- und Uhrenherstellers Wenger SA in Delémont. Die Wenger Taschenmesser wurden 2013 in das Victorinox Sortiment integriert, so dass das Wenger Produktportfolio heute aus Uhren und Reisegepäck besteht. Die Produkte sind sowohl online als auch in eigenen Stores und über ein umfassendes Netz von Tochtergesellschaften sowie Distributoren in mehr als 120 Ländern erhältlich.

Im Jahr 2021 erwirtschaftete das Unternehmen mit über 2100 Mitarbeitenden einen Umsatz von rund 408 Millionen Franken.        

Wie beeinflussen die aktuellen Geschehnisse die nachhaltige Entwicklung Ihres Unternehmens?  

Eine finanziell gesunde Basis ist essenziell, um Krisenzeiten zu bewältigen. Wir investieren deshalb anti-zyklisch und bilden Reserven. Die Pandemie forderte uns, schneller und flexibler zu werden und mit klaren Prioritäten zu arbeiten. Sollte sich der Krieg in der Ukraine länger hinziehen, ist mit starken Verwerfungen an der Preisfront und für längere Zeit mit einer hohen Inflationsrate zu rechnen.

Steigende Preise an den weltweiten Rohstoffmärkten und die schwindende Verfügbarkeit oder lange Lieferzeiten von Materialien sind Herausforderungen, mit denen wir uns momentan konfrontiert sehen. Auch der Export unserer Produkte ist anspruchsvoller geworden, da die Verfügbarkeit für Transportdienstleistungen stark eingeschränkt ist.    

Welchen Beitrag leisten Sie als Privatperson zur Nachhaltigkeit?  

Nachhaltigkeit ist mir auch privat ein wichtiges Anliegen. Wir nutzen bereits seit 25 Jahren eine Erdsonde zum Heizen. Der Einbau war damals ein absolutes Novum. Momentan mache ich mit meiner Frau und meiner Tochter mit bei der «Bike to Work» Initiative. Generell kann jeder seinen Beitrag leisten mit einfachen Dingen im Alltag. Ich versuche hier eine Vorbildfunktion einzunehmen und dieses Mind-set an meine drei Kinder und unsere Mitarbeitenden weiterzugeben.          

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