Aller Anfang ist schwarz. Zumindest bei der im Jahr 2000 von Chanel lancierten Uhrenlinie J12. Hinter ihrem Entwurf stand Jacques Helleu. Bei seiner gestalterischen Arbeit liess sich der 2007 nun- mehr verstorbene Art Director des Hauses Chanel von ihm persönlich wichtigen Objekten leiten. Dazu gehörten Rennwagen und Jachten des America’s Cup. Sie und andere Gegenstände lieferten Inspirationen. Als es um die Namensgebung für die auf diese Weise entstandene Armbanduhr ging, stand eines der schnittigen Rennboote Pate: das «J12». Der distinguiert auftretende Zeitmesser passte nicht nur zu seinem schöpferischen Vater Helleu, sondern auch voll und ganz zum Pariser Luxusmodelabel.

Partner-Inhalte
 
 
 
 
 
 

Nur Keramik wird den Anforderungen gerecht

Von Anbeginn an aber war klar, dass ikonografisches Design stets nur eine Seite der Medaille ist. Soll es in die Zukunft reichen, muss es Zeitgeistströmungen widerstehen. Die nicht minder wichtige andere Seite dreht sich um anhaltende Attraktivität. Kratzer oder ausgeblichene Farbe passen definitiv nicht zu Chanel. In diesem Sinne diente einzig Keramik als Gehäuse- und Bandmaterial für die anfänglich 38 Millimeter messende Automatikarmbanduhr. Daher verwundert es nicht, dass man gelegentlich von der ersten wirklichen Revolution in der Uhrenwelt sprach. Lob und Verkaufserfolge ermunterten beispielsweise zur weissen J12 im Jahr 2003, zu uhrmacherischen Komplikationen, zu anderen Gehäusedimensionen und zum Einsatz von funkelnden Edelsteinen. Kurzum: Die Chanel J12 entwickelte sich zum Welterfolg und liess die Modemarke zu einem ernsthaften Player am Uhrenmarkt gedeihen.

Gleichwohl stand irgendwann ein Facelift ins Haus. Selbigem widmete sich Arnaud Chastaingt ab 2015. Vier Jahre später präsentierte Chanel die optisch gründlich überarbeitete J12. Dem Direktor des Kreativstudios Uhren ist eine Evolution der bald zwanzig Jahre alten Revolution zu verdanken. Chastaingt: «Ich hatte beschlossen, alles zu verändern, ohne wirklich etwas zu verändern.» Im Zuge dessen erfuhren rund 70 Prozent des Sichtbaren der Uhr ein subtiles Redesign, etwa eine feiner gerändelte Stahllünette mit stärker bombiertem Keramik-Inlay, eine Eisenbahnminuterie im Zifferblattzentrum und eine komplett veränderte Gehäusekonstruktion. Durch den Sichtboden der Monocoque-Schale zeigt sich das Uhrwerk in Gestalt des neuen Automatikkalibers 12.1 mit augenfällig geformtem Rotor.

Zukunftsgerichtete Beteiligung an Kenissi

Die Herstellung der Chanel-Uhren geht in einem imposanten Gebäude nahe der Chronometrie von Breitling in La Chaux- de-Fonds über die Bühne. Zukunftsweisend ist eine 20-prozen- tige Beteiligung Chanels an der Kenissi-Manufaktur, welche die Tudor-Kaliber fertigt. Dieses finanzielle Engagement führte zu besagtem 12.1-Werk in Chanel-Gehäusen. Kennerinnen und Kenner entdecken, dass es sich bei der 111⁄2-linigen Mechanik mit 70 Stunden Gangautonomie und 4 Hertz Unruhfrequenz um ein optisch modifiziertes Tudor MT5402 handelt. Weil die Zeit auch bei Chanel nicht stehen bleibt, bringt das Jahr 2022 die Keramik-Ikone J12 Caliber 12.2 mit femininen 33 Millimeter Gehäusedurchmesser. Je 555 Exemplare gibt es in Schwarz oder Weiss. 50 Stunden tickt das 26 Millimeter grosse und 4,9 Millimeter hohe Automatikkaliber am Stück.