Die Business-Idee

Das Entrecôte der Insektenliebhaber ist die Heuschrecke. Sie ist besonders nahrhaft und bei der Zubereitung ergeben sich viele Varianten. Christian Bärtsch und sein Team kennen solche Details aus dem Effeff. Mit seiner Firma Essento versucht er seit Jahren, den Schweizerinnen und Schweizern Insekten schmackhaft zu machen. Inzwischen hat das Acht-Personen-Team unter anderem Insektenburger und Insektenriegel im Angebot – diese eignen sich übrigens besonders gut als Proteinquelle für Sportler.

Die Startup-Serie upbeat wird Ihnen von der Credit Suisse präsentiert.

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In einigen Supermärkten liegen die Essento-­Produkte schon im Regal. In Deutschland ­kooperiert das Startup mit einem Verkäufer von besonders edlen Hamburgern, der die Essento-Insekten seinen Kundinnen und Kunden anbietet. Und wo in der Schweiz sind Insekten besonders gefragt? «Grundsätzlich sind Insekten wie alles Neuartige erst mal eine urbane Thematik. Die grösste Nachfrage sehen wir in Städten wie Zürich, Basel, Bern, Lausanne, St. Gallen», so Christian Bärtsch.

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Der Gründer

Christian Bärtsch hatte schon immer eine Leidenschaft fürs Essen. Auf Reisen erlebte er, dass viele Kulturen ein unverkrampfteres Verhältnis zu Insekten als Lebensmittel haben als wir im Westen. Seit Jahren ist er nicht nur mit Business-Plänen von Essento beschäftigt, sondern schlüpft auch in die Rolle eines Missionars und Lobbyisten. Missionarisch tätig in dem Sinne, dass er den Genuss, den Insekten auf den Tisch bringen können, populär macht – unter anderem mit einem Insektenkochbuch. Und als Lobbyist, weil er mit Behörden von Bern bis Brüssel zu tun hat, die im Freigabeprozess für Insektensorten sind. «Vor allem die Lobbyarbeit in Brüssel war am Anfang eine Blackbox», so Bärtsch. «Aber wir haben es geschafft, einen sehr guten Dialog mit allen Behörden aufzubauen.»

Der Markt

Insekten als Lebensmittel sind immer noch ein Nischenmarkt. Grosse Konkurrenzkämpfe gibt es noch nicht. Der noch relativ hohe Preis von Insekten hält vielleicht auch den einen oder anderen Kunden zurück, der sich für das Thema interessiert. «Der Preis ist zurzeit hoch, weil dies ein völlig neues Lebensmittel ist», erklärt das Essento-Team auf seiner Website. Grundsätzlich werde es aber möglich sein, Insekten günstiger zu züchten als Fleisch, gerade weil sie viel weniger Ressourcen benötigen.

Die Insekten von Essento kommen übrigens nicht aus der freien Wildbahn – der Gründer rät auch davon ab, etwa Insekten aus dem Garten zu essen. Vielmehr setzt Essento auf nach Bioregeln arbeitende Züchtungsbetriebe.

upbeat - die Schweizer Startup-Serie

Unsere neue Startup-Serie «upbeat» porträtiert jede Woche ein Schweizer Jungunternehmen multimedial in Print, Audio und Video. Bleiben Sie dran, im Format Ihrer Wahl: Text, Bild und unterhaltsame Videos finden sie jede Woche auf handelszeitung.ch/upbeat oder in den sozialen Netzwerken. Den Podcast, mit vielen Tipps für Menschen, die selber in der Startupwelt durchstarten möchten, finden Sie auf Apple Podcasts und Spotify – und überall da, wo Podcasts zu Hause sind.

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Das Kapital

Im Gespräch mit Investoren setzt Gründer Christian Bärtsch auf «Smart Money». «Wir haben auch bereits grössere Summen abgelehnt, weil wir gemerkt haben, dass Investoren un­sere Werte nicht teilen», so Bärtsch. Das erste Kapital floss durch den Sieg bei diversen Start­up-Wettbewerben in die Kassen der Jungunternehmer. Geld verdient Essento neben den Verkäufen unter anderem im Coop-­Regal auch durch Workshops und Beratungen von Firmen, die sich für das Thema interessieren.

Die Chance

Als nächste Insektenart, die in der Schweiz zugelassen werden könnten, setzt Essento auf die Bienendrohnenlarve. Diese falle bei Imkern oft als Abfallprodukt an und könnte als Lebensmittel sehr gut funktionieren. Das Ziel von Bärtsch und seinem Team: Insekten als Lebensmittel in der westlichen Welt etablieren und damit das Nahrungssystem bereichern und nachhaltiger gestalten. Der Ekelfaktor, den viele noch gegenüber Insekten empfinden, könne leicht überwunden werden. «Es ist einfach eine mentale Hürde, die übersprungen werden muss», so Bärtsch.

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