Die ungewöhnliche Anspielzeit beim Freundschaftsspiel zwischen der Schweiz und den USA (1:1) hat viele Fernsehzuschauer verwundert. Um Punkt 18:08 erfolgte der Kick-off – weil sich die zwei übertragenden Fernseh-Anstalten genau auf diesen Zeitpunkt geeinigt hatten.

Der Schweizer Staatssender SRF wollte den Termin um 20 Uhr für ein mögliches siebtes Spiel der Playoff-Halbfinals im Eishockey freihalten. In den USA dagegen hat der Privatsender Fox die Rechte an den Spielen der US-Nati. Dieser war nicht bereit die 18-Uhr-Nachrichten und den anschliessenden Werbeblock wegen dem Spiel ins Wasser fallen zu lassen.

Zunehmende Macht

Dass sich SRF und Fox auf 18:08 verständigten – und die Verbände dieser Anspielzeit zustimmten –, illustriert eine Entwicklung: Die Macht der Fernsehsender im Fussball wächst. Seit Jahren schon werden Zusammenfassungen der Spiele in den grossen europäischen Ligen immer erst verzögert im freien Fernsehen gezeigt, weil Pay-TV-Sender exklusive Rechte gekauft haben. Ganze Spiele im Free-TV sind eine Seltenheit.

Auch die Fifa kann sich dem Einfluss der Sender nicht entziehen. So gehören vor allem auch die Fernseh-Anstalten zu den Kritikern der geplanten Winter-WM in Katar. Der US-Sender Fox, der auch dafür die Rechte gekauft hatte, konnte die Verschiebung der Weltmeisterschaft zwar nicht verhindern. Das wollte er, weil der Sommer in den USA eine sportarme Zeit mit geringeren Einschaltquoten ist – im Winter hingegen viel Eishockey, Basketball oder Football gezeigt werden kann. Offenbar im Gegenzug erhielt der Sender von der Fifa kurz darauf die Übertragungsrechte für die WM 2026 – ohne das übliche Ausschreibungsverfahren.

Für Werber ein Albtraum

Mit der zunehmenden Beliebtheit des Fussballs in den USA könnte sich jedoch der Einfluss der Fernsehsender noch viel direkter auf das Spiel auswirken. Denn die Regeln des Sports sind werbetechnisch ein Albtraum. Zwei 45-minütige Halbzeiten, in denen die Uhr durchgehend läuft und die völlige Ungewissheit über die Länge von Unterbrüchen machen Sendern und Werbern das Leben schwer.

Zwar schalten einige Anstalten – etwa die italienische Rai – bereits heute Werbung, wenn das Spiel unterbrochen wird. Nach einem rüden Foul mit Verletzungsfolge ist es meist unwahrscheinlich, dass gleich wieder weitergespielt wird. Trotzdem besteht bei solchen Werbeeinspielern immer die Gefahr, dass die Zuschauer wichtige Szenen verpassen könnten.

Powerbreaks im Eishockey

Die beliebtesten Sportarten in NordamerikaAmerican Football, Baseball, Basketball und Eishockey – sind im Gegensatz dazu geprägt von vielen Unterbrüchen. Zudem wurden die Regeln den Bedürfnissen der TV-Sender angepasst. So gibt es beispielsweise im Eishockey zusätzliche Pausen während den Dritteln, die sogenannten Powerbreaks.

Diese Powerbreaks haben es mit der Eishockey-WM auch nach Europa gebracht – und werden von den hiesigen Sendern gerne genutzt. So wirbt etwa Publisuisse, die kommerzielle Partnerin der SRG SSR, für die «attraktive Werbeplattform». «Näher am Programm war klassische Werbung noch nie», schreibt die Vermarktungsgesellschaft.

Drei Minuten Pause vorgeschlagen

Im Fussball ist man noch nicht soweit. Daran haben auch alle Diskussionen über zusätzliche Unterbrechungen nichts geändert. Doch das Thema bleibt aktuell. Etwa, weil Eltern in den USA derzeit eine Sammelklage anstreben, die um die Gesundheit ihrer Kinder fürchten. Sie fordern eine Begrenzung von Kopfbällen im Fussball, angeblich wegen dem Risiko von Gehirnerschütterungen.

Was vorerst als rein gesundheitliche Frage daherkam, erhielt im vergangenen September eine neue Dimension. Laut dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel» schlug Fifa-Medizinchef Michel D'Hooghe vor, «dass man im Fall eines Verdachts auf eine Gehirnerschütterung den Schiedsrichter darum bittet, das Spiel für drei Minuten anzuhalten».

Wem nützt der Unterbruch?

Dass Spieler mit einer Kopfverletzung von einem Arzt untersucht werden sollten, ist kaum umstritten. Warum aber das ganze Spiel beim blossen Verdacht unterbrochen werden müsste, ist schwer erklärbar. Schliesslich gibt es schon heute die Regel, dass Fussballer am Spielfeldrand gepflegt und untersucht werden können. Der dreiminütige Unterbruch wäre ein Segen für die Werbeverkäufer – und ein Ärger für alle Fussballfans zuhause und im Stadion.

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