Der amerikanische Justizminister William Barr präsentierte gestern einen neuen Vorschlag zum globalen 5G-Machtkampf: Die Vereinigten Staaten könnten sich mit Ericsson (einem schwedischen Telekomkonzern) und Nokia (einem finnischen Tech-Konzern) verbünden. Konkret, so Barr bei einer Rede in Washington, könnte sein Land mit einer kontrollierenden Beteiligung («controlling stake») bei Nokia und Ericsson einsteigen – sei dies direkt, also mit Steuergeldern, sei dies indirekt durch ein Konsortium von amerikanischen Privatfirmen.

Barr stellte den Vorschlag zwar als allgemein diskutierte Idee dar, aber er sympathisierte in seiner Rede offen damit: Es sei an der Zeit, dass öffentliche und private Stellen in einem gemeinsamen Effort kooperieren. Und es sei höchste Zeit, dass die USA mit ihren Alliierten zusammenarbeiten: «Let us not forget our collective economic influence and power».

Die Idee richtet sich gezielt gegen Huawei: Wie William Barr in seiner Rede klarstellte, macht ihm die Dominanz des chinesischen Technologieriesen im 5G-Feld erhebliche Sorgen. Die Regierung Trump hat erkannt, dass die Vereinigten Staaten über keinen Konzern verfügen, der es bei der Errichtung von 5G-Infrastruktur mit Huawei aufnehmen kann. «Es gibt derzeit nur zwei Unternehmen, die mit Huawei als 5G-Infrastruktur-Lieferanten mithalten können: Nokia und Ericsson», so Barr. «Sie haben Qualität, verlässliche Produkte und können Leistung garantieren.»

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Wollen die USA und ihre Alliierten ihr ökonomisches Schicksal nicht in die Hände der Volksrepublik China legen – so Barr –, so benötigen sie eine marktfähige Alternative. Nokia mit 17 Prozent Weltmarkt-Anteil und Ericsson mit 14 Prozent seien immerhin die ernsthaftesten Konkurrenten von Huawei. Und Grösse sei in einem Infrastruktur-Geschäft wie 5G entscheidend.

Eine Folge: Die Aktien der beiden skandinavischen Konzerne legten am Freitag massiv zu: Ericsson stieg im Verlauf des Vormittags in Europa um 3,8 Prozent, Nokia legte gar um 5,7 Prozent zu.

(rap)

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