Im Netz gibt es einen neuen exklusiven Club – und nur wer eingeladen ist, darf mitmachen. «Clubhouse» heisst eine neue Social-Media-App aus San Francisco, die gerade auch hierzulande zum Hype wird.

Die Idee dahinter: Nutzer senden ihre Beiträge als kleine Audioschnipsel und können so eine Unterhaltung in Gruppen führen, ohne dass alle gleichzeitig durcheinanderplappern. Nutzer können Gruppen, sogenannte Räume, eröffnen, in denen sie festlegen, wer reden kann. Das macht etwa virtuelle Diskussionen vor Publikum möglich.

Das dahinterstehende Start-up wurde im März 2020 von den Ex-Google-Mitarbeitern Paul Davison und Rohan Seth gegründet, zunächst war die App nur ein Geheimtipp in der Gründerszene der US-Westküste.

Doch in den vergangenen Wochen entdeckten immer mehr Prominente die App für sich, unter anderen die US-Moderatorin Oprah Winfrey, der Rapper Drake, die Schauspieler Jared Leto und Ashton Kutcher. Prompt wurde das Start-up in einer ersten Finanzierungsrunde etwa von der legendären Venture-Capital-Firma Andreessen Horowitz finanziert – und wird bereits jetzt mit 100 Millionen Dollar bewertet.

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Deutschland entdeckt die App

Nun ist die Hype-Welle nach Deutschland geschwappt, und prompt entdecken auch hierzulande Prominente die App – so war etwa am Wochenende eine der meistbeachteten deutschen «Clubhouse»-Gruppen das «Hauptstadtgeflüster» mit FDP-Chef Christian Lindner als Teilnehmer.

Teil des Hypes ist ein Gefühl der Exklusivität, das die App vermittelt. Denn teilnehmen kann nur, wer von anderen Nutzern eingeladen wird. Zudem existiert die dafür notwendige «Clubhouse»-App bislang nur in Apples Appstore. Android-Nutzer – also die überwiegende Mehrzahl aller Smartphone-Besitzer – bleiben aussen vor.

Wer schon dabei ist, lobt aktuell das Niveau der Diskussionsgruppen, zudem entsteht durch die Audiointeraktion ein Gefühl der Intimität, in etwa wie auf einer guten Dinnerparty. Die App scheint durch die pandemiebedingten Lockdowns massiv zu profitieren – während reale Unterhaltungen in losen Gruppen aktuell nur schwer realisierbar sind, liefert «Clubhouse» eine gute Alternative.

Brillieren kann die App immer dann, wenn sich ausgewiesene Experten zu einem Fachgebiet zusammentun und per Kalenderfunktion vorgeplante öffentliche Diskussionsrunden zu ihrem Spezialthema hosten. Dann wird «Clubhouse» zu einer Mischung aus Podcast, Vorlesung und Live-Diskussion auf hohem Niveau.

Doch die Hype-Faktoren – sowohl die Intimität als auch die Exklusivität – sind nur begrenzt real: Noch gibt «Clubhouse» keine aktuellen Nutzerzahlen heraus, doch manche Prominente haben bereits mehr als 500'000 Follower.

Einladungen nur gegen Adressbücher

Und auch die Intimität hält sich in Grenzen. Wie auf Twitter gilt: Was gesprochen wird, ist öffentlich. Nicht nur können Nutzer in den Räumen jeder Unterhaltung folgen, die App bewahrt zu Moderationszwecken zudem Kopien der Unterhaltungen auf.

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«Clubhouse» droht zudem, die Fehler anderer sozialer Netzwerke zu wiederholen: Wer am Hype teilnehmen und selbst Einladungen versenden will, muss zunächst sein komplettes Smartphone-Adressbuch preisgeben.

Wohin das führt, kommentiert der Tech-Journalist und Moderator Richard Gutjahr auf Twitter: «Leute, ernsthaft: 7 Clubhouse-Einladungen auf meine private Mobilnummer allein in den letzten 2 Stunden? Ladet Ihr überall – ohne Rücksprache mit den Betroffenen – Euer komplettes Telefon-Adressbuch auf einen fremden Server?»

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Strenggenommen begehen die Nutzer damit sogar einen Datenschutzverstoss, wenn sie das Einverständnis der Betroffenen für den Upload auf Server eines US-Unternehmens nicht einholen. Für «Clubhouse» ist die Funktion extrem nützlich, über die Auswertung der Adressbücher könnten die Macher etwa Kontaktnetzwerke unter den Nutzern der App analysieren und später Empfehlungen für neue Einladungen geben.

Auch das Thema Moderation von extremen oder Hass-Inhalten ist «Clubhouse» noch nicht ernsthaft angegangen. Zwar verkündete Gründer Davison bereits im Oktober via Twitter, dass die sogenannten Gastgeber einer Unterhaltung erweiterte Moderationsfunktionen bekommen.

Exklusivität fällt zuerst weg

Doch die Regulierung auf «Clubhouse» basiert zunächst fast ausschliesslich auf einem Meldesystem. Teilnehmer einer Unterhaltung müssen sich also beschweren und Inhalte markieren, damit die Moderatoren der App eingreifen.

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Doch dieser Moderationsmechanismus, auch das ist bereits von anderen sozialen Netzwerken bekannt, funktioniert nur, solange sich nicht alle Teilnehmer einer Gruppe in ihrem Hass auf etwas einig sind und also nichts melden. Prompt hat die neue Rechte der Anhänger von Noch-US-Präsident Donald Trump die App für sich entdeckt.

In privaten Chatrooms auf «Clubhouse» wurde laut Meldungen von Szenebeobachtern der Sturm aufs Kapitol ebenso angekündigt wie auf dem jüngst aus den Appstores verbannten «Parler». Aus anderen Netzwerken bekannte rechte Akteure werden bereitwillig als Redner in «Clubhouse»-Räumen eingeladen, in gesprochenen Kommentaren verbreiten Nutzer bereitwillig ihre Vorurteile.

Fraglich ist nun, wie lange «Clubhouse» den Hype am Leben halten kann – denn zumindest der Faktor Exklusivität ist angesichts des Erfolgs der App nur noch von kurzer Lebensdauer. Wenn jeder Nutzer ein halbes Dutzend neue Freunde hinzubittet, wächst die Anzahl der Nutzer exponentiell, dann bleibt als einziger limitierender Faktor die Beschränkung auf Apple-Geräte.

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Und auch der Promi-Faktor wird dann irrelevant – fraglich ist, ob die Prominenten angesichts des Ansturms «gewöhnlicher» Nutzer die App weiterhin wie bisher öffentlich nutzen werden.

Nicht zuletzt bleibt das Problem der Moderation: Zumindest hierzulande dürfte es der App schwerfallen, den Vorgaben der Social-Media-Gesetzgebung gerecht zu werden und wiederholt gepostete illegale Hass-Inhalte rechtzeitig zu erkennen und zu sperren, denn klassische Text- und Bildfilter funktionieren bei Audioinhalten nicht.

Dieser Artikel erschien zuerst im Bezahlangebot der «Welt» unter dem Titel: «Was Sie jetzt über den „Clubhouse“-Hype wissen müssen».

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