Geht ein Banker zum RAV … Was früher wie ein Witz klang, ist heute bittere Realität. Das Bankenwesen bietet längst keine eiserne Jobsicherheit mehr. Dass man die Fusion von CS und UBS als alleinigen Katalysator dieses Phänomens sieht, greift als Erklärung zu kurz. Denn auch in anderen Bereichen schwinden die Stellen. In der Krise steckt nicht eine einzelne Branche, sondern eine ganze Beschäftigungsschicht.

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Im Dezember waren 147'275 Menschen in der Schweiz arbeitslos – 13 Prozent mehr als im Vorjahresmonat. Laut dem Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) lag der Jahresdurchschnitt 2025 bei 133'712 Personen, fast 20 Prozent höher als 2024. Mitunter am stärksten betroffen ist der Dienstleistungssektor, die sogenannten White Collar Workers – mit plus 16 Prozent Arbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahr.

Keine Überraschung, schliesslich häufen sich gefühlt die Meldungen zu Stellenstreichungen und Massenentlassungen. Überall dort, wo Informationsarbeit dominiert, scheinen sich die Büros zu leeren.

Die Erklärung liegt nahe: künstliche Intelligenz (KI). Amerikanische und chinesische Tech-Konzerne liefern sich ein digitales Wettrüsten, Unternehmen implementieren Chatbots und KI-Agenten. Dabei frisst sich die Automatisierung von unten nach oben.

Einstiegsjobs schwinden

Nun hat sie die Tertiärstufe und somit die Juniorpositionen erreicht. Die Zahl der Einstiegsstellen für Universitätsabsolventen sank im ersten Halbjahr 2025 um 17 Prozent. Das ist fatal. Eine KI auf eigenen Daten zu trainieren, mag einfacher und günstiger sein, als Trainees einzuarbeiten. Dennoch sägen Unternehmen, die alle Juniorarbeiten vollständig mit KI ersetzen, am eigenen Ast. Denn gerade diese Positionen sind Lernfelder, in denen Hochschulabsolventen zu Profis werden. Werden diese Arbeiten komplett von KI-Agenten übernommen, drohen Qualifikationslücken – und das ausgerechnet dann, wenn der geburtenstärkste Jahrgang 1964 in Pension geht.

Doch KI allein erklärt den Stellenschwund nicht. Hinzu kommen geopolitische Unsicherheit, demografischer Wandel und strukturelle Um- brüche in der Wirtschaft. Insbesondere unter der Trump-Regierung ändert sich die wirtschaftliche Lage schneller als der US-Präsident «Tariffs» sagen kann. Zudem macht eine Studie von Workday deutlich, dass die versprochene Produktivität von KI noch nicht ihre volle Entfaltung zeigt. Aufgaben werden zwar beschleunigt, jedoch verbringen Mitarbeitende rund 37 Prozent dieser Zeit damit, die Antworten von KI zu überarbeiten.

Wie stark die Automatisierung Jobs verdrängen wird, ist selbst unter Experten umstritten. Dario Amodei, CEO der KI-Firma Anthropic, rechnet in den nächsten fünf Jahren mit einer KI-bedingten Arbeitslosigkeit von 10 bis 20 Prozent. Der MIT-Ökonom Daron Acemoglu schätzt konservativer: KI werde in den nächsten zehn Jahren lediglich 5 Prozent aller Jobs übernehmen können.

Historisch haben neue Technologien immer Jobs vernichtet und geschaffen – wie stark das bei KI der Fall sein wird, ist offen. Eines aber ist bereits Geschichte: das Versprechen, mit einem akademischen Abschluss abgesichert zu sein.