Satya Nadella, Chef von Microsoft, fordert klarere Gesetze und Regeln für soziale Netzwerke. Von Plattformen wie Facebook, Twitter und YouTube sollte nicht verlangt werden, dass sie selbst Entscheidungen über die Redefreiheit treffen indem sie festlegen, ob sie kontroverse Nutzerkonten wie das des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump beherbergen.

«Einseitiges Handeln einzelner Unternehmen in Demokratien wie der unseren ist einfach nicht langfristig stabil - wir brauchen einen Rahmen von Gesetzen und Normen», sagte Nadella in einem ausführlichen Interview mit Emily Chang von Bloomberg Television. «Sich auf einen einzelnen CEO in einem dieser Unternehmen zu verlassen, um Entscheidungen zu treffen, die uns wirklich helfen, etwas so Heiliges und Wichtiges wie unsere Demokratie auf lange Sicht zu erhalten, ist einfach kein Weg, den zumindest ich als Bürger befürworten würde.»

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Big Tech nahm Parler offline

Microsoft betreibt derzeit keinen Social-Media-Dienst für Verbraucher, gehört jedoch zu den Cloud-Computing-Anbietern, die in die Debatte über das Deplatforming bestimmter Einzelstimmen, Social-Media-Konten und ganzer Apps hineingezogen wurden, insbesondere nach den gewalttätigen Pro-Trump-Unruhen am US-Kapitol im letzten Monat.

Die Cloud-Einheit von Amazon kündigte die Hosting-Dienste für Parler auf, ein soziales Netzwerk, das sich selbst als gegen Zensur gerichtet anpreist und unter konservativen wie extremistischen Individuen beliebt war. Zuvor hatten Apple und Google von Alphabet Parler aus ihren App Stores entfernt. Die Aktionen der drei Tech-Unternehmen nahmen den Dienst im Wesentlichen offline. Trumps Konto wurde unterdessen von Twitter ausgeschlossen und bleibt bei Facebook gesperrt.

Behörden untersuchen Marktmacht

In den letzten Jahren haben die Kartellbehörden ihre Untersuchungen zur Marktmacht grosser Technologieunternehmen intensiviert. Ähnlich erging es Microsoft vor mehr als zwei Jahrzehnten, als Nadella noch ein aufstrebender Manager war, und das von Bill Gates gegründete Unternehmen wegen seiner monopolartigen Stellung bei Betriebssystemen ins Visier der Regierung geriet.

Für jüngere Technologieunternehmen sei es besser, sich einem robusten Wettbewerb zu stellen und mit den negativen Folgen eines schnellen Wachstums frühzeitig umzugehen, als zu warten, bis ihre Grösse zu Problemen für Verbraucher und Rivalen führt, sagte der CEO.

«Gross an sich ist nicht schlecht, aber Wettbewerb ist gut», sagte Nadella. «Und was noch wichtiger ist, man muss ein Geschäftsmodell haben, das wirklich darauf ausgerichtet ist, dass es der Welt gut geht. Es gibt bestimmte Produktkategorien, bei denen die unbeabsichtigten Folgen des Wachstums in dieser Kategorie oder der fehlende Wettbewerb zu Problemen führen.»

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Microsoft-Aktien sind um mehr als 500 Prozent gestiegen, seit Nadella vor sieben Jahren das Amt des CEO übernahm. Unter seinen Vorgängern Bill Gates und Steve Ballmer hatte der Aktienkurs mehr als ein Jahrzehnt lang dahinvegetiert. Wenngleich Microsoft in letzter Zeit eher selten in das Visier der Behörden geraten war, gab es doch einige Beschwerden von kleineren Konkurrenten.

Streit mit Slack

Im Juli forderte Slack Technologies, das von Salesforce übernommen wird, die Kartellbehörden der Europäischen Union auf, Microsoft unter die Lupe zu nehmen. Der Software-Riese habe Millionen von Benutzern seine Kollaborationssoftware Teams auf unfaire Weise aufgezwungen, indem er diese mit den cloudbasierten Produktivitätsprogrammen von Office 365 kombinierte. Nadella weist solche Vorwürfe zurück.

«Ich stelle immer die Frage, ob Slack überhaupt existiert hätte, wenn es nicht den freien Zugang gegeben hätte, den sie beispielsweise über die Windows-Plattform hatten», sagte Nadella. «Sie mussten Microsoft nicht anrufen. Sie mussten nicht durch einen unserer App-Stores gehen. Im Gegensatz zu den anderen Plattformen, auf denen sie verfügbar sind, brauchten sie keine Genehmigungen unsererseits.»

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(bloomberg/gku)