Seit einem halben Jahr ist der Unglücksflieger Boeing 737 Max mit einem weltweiten Flugverbot belegt. In Indonesien und Äthiopien stürzten Flugzeuge dieses Typs ab, 346 Menschen starben.

Der Verdacht: Software-Basteleien führten zu den Abstürzen. Offenbar haben sowohl die Boeing-Ingenieure wie auch die Prüfer der US-Flugaufsicht FAA geschlampt. Noch wird ermittelt, in den kommenden Monaten wird man es erfahren. Auch Schweizer Passagiere müssen sich darum die Frage stellen: Wie sicher sind Boeing-Flieger, wenn man den US-Prüfern nicht mehr vertrauen kann?

Abkommen für die gegenseitige Anerkennung

Die Antwort ist simpel: Die Schweiz hat gar keine andere Wahl. Wenn die Amerikaner für einen Vogel grünes Licht geben, folgen die Europäer (Easa) meist kurze Zeit später. Es besteht ein bilaterales Abkommen für die gegenseitige Anerkennung von Flugzeugzulassungen.

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Manche Länder wie China überlegen sich nun einen Alleingang, wenn es um Zulassungen geht. Nicht so die Schweiz: «Die Schweiz kann nichts machen. Die Kapazitäten sind schlicht nicht vorhanden», sagt Luftfahrtexperte Max Ungricht.

Gerade mal acht Ingenieure prüfen hierzulande beim Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) die Flugzeug-Zulassungen, wie die Behörde auf Anfrage des «SonntagsBlicks» mitteilt. Zum Vergleich: bei der US-Flugaufsicht arbeiten 1300 Prüfer. Weil man selber nichts ändern kann, setzt das Bazl auf eine pragmatische Haltung.

Die Easa stelle sicher, dass die erforderlichen Sicherheitsmassnahmen getroffen würden, so das Bazl. Das gelte auch für Flugzeuge, die den Schweizer Luftraum durchfliegen. Die Max-Krise verfolgt Bern «momentan nur am Rande». Der Abschlussbericht der US-Untersuchung sei aber «sehr wohl von Interesse».

Boeing gegen Airbus: Die Karten werden neu gemischt

Im Duell der Luftfahrtkonzerne schien Boeing davonzuziehen. Nun stecken die Amerikaner in der Krise. Ein Vergleich in Grafiken. Mehr dazu hier.

(gku)