Die Litex Neon AG ist ein führendes Schweizer Unternehmen für Leuchtwerbung und Beschriftungen. Litex steht für kreative Innovation. Know-how und Technik sind auf dem neuesten Entwicklungsstand.» Vom Selbstbewusstsein, das heute aus dem Selbstporträt auf der Firmenwebsite spricht, dürfte Mitte 2006 kaum etwas vorhanden gewesen sein. Auf Lauric Barbier, Mitglied der Geschäftsleitung und Partner von Helbling Corporate Finance AG, wartete nach eigener Darstellung ein geradezu klassisches Recovery-Projekt: «Eigentlich ein Fall für die Intensivstation.» Litex erwirtschaftete damals bei einem Umsatz von 28 Mio Fr. rund 4 Mio Fr. Verlust – einen Verlust, den sich niemand so richtig erklären konnte.

Patrick Hofmanninger, VR-Delegierter von Litex, sagt im Rückblick: «Es fehlte vor allem am Management-Know-how, den richtigen Prozessen und Systemen.» Insbesondere in der Buchhaltung sei kaum Transparenz vorhanden gewesen. In der Anfangsphase, in der wegen mangelnder Liquidität hoher Zeitdruck herrschte, galt für die am Turnaround Beteiligten also laut Hofmanninger: «Blindflug».

Es durfte nicht schief gehen

Unter dem sprechenden Namen «Eurofit» wurde die Litex bis August 2007 in drei Phasen saniert. Nach dem Strategie-Audit, der von August bis Oktober 2006 dauerte, wurden potenzielle Investoren gesucht.

Ausserdem wurden die Finanz- und Führungsverhältnisse neu strukturiert. Das Turnaround-Team, dem vorwiegend Mitglieder der neuen Geschäftsleitung und Kader der zweiten Führungsstufe angehörten, wurde von Helbling hauptsächlich methodisch unterstützt und gecoacht, erzählt Barbier: «Unter dem Motto ‹failure is no option› wurden rasch Lösungsmöglichkeiten gesucht.» Der resultierende Massnahmenplan wurde im Wochenrhythmus nachgeführt und von einer fortlaufenden Ergebniskontrolle begleitet.

Anzeige

Grösster privater Arbeitgeber

Die Beteiligten machen kein Geheimnis daraus, dass auch eine Verlegung der Produktion nach Osteuropa erarbeitet wurde – als Notfallplan. «Zum Glück war die Firma aber bald so gut aufgestellt, dass dieser Schritt nicht nötig wurde», freuen sich Hofmanninger und Barbier. Für die Region Appenzell, deren grösster privater Arbeitgeber mit 120 Mitarbeitenden die Litex Neon ist, hätte ein Misserfolg dramatische Folgen gehabt. Barbier und Hofmanninger bezeichnen den Sanierungswillen und die hohe Motivation aller Beteiligten als spezielle Charakteristik dieses Projekts.

Ansonsten sei der Fall Litex in seinen Augen geradezu typisch für sehr viele mittelständische Schweizer Unternehmen, sagt Barbier: «Es gibt sehr viele in einer ähnlichen Situation.» Schön sei, wenn durch Fälle wie dieser gezeigt werden könne, dass Überlebenschancen meist vorhanden seien – «vorausgesetzt, die Verluste werden eliminiert und die Firma ist innovativ». Beides ist bei Litex offenbar der Fall, 2008 wird ihr Ebit voraussichtlich stolze 2 Mio Fr. betragen.

Besonders erfreulich ist, dass bei diesem Projekt sogar die Mitarbeitenden des Kunden belohnt wurden: Nicht nur konnte dank «Eurofit» ein Stellenabbau vermieden werden, auch die durchschnittliche Lohnsumme pro Kopf konnte um mehrere 100 Fr. erhöht werden. Ein im wahrsten Sinne des Wortes leuchtendes Beispiel für ein erfolgreiches Beratungsmandat.