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Bestechung
1MDB-Skandal: Schweizer Top-Kader im Visier

Die Bundesanwaltschaft ermittelt im 1MDB-Skandal gegen zwei Ex-Präsidenten der Falcon Private Bank. Auch der Petrosaudi-Präsident gerät in den Fokus Berns.

Von Christian Bütikofer
am 15.08.2016

Die Knotenpunkte des Korruptionsskandals um 1MDB liegen in der Schweiz, das zeigen neue Details einmal mehr. Die Bundesanwaltschaft ermittelt gegen weitere Verdächtige, die von hier aus im gigantischen Bestechungsskandal um den malaysischen Staatsfonds agiert haben sollen.

Es handelt sich dabei um zwei Spitzenvertreter der Vereinigten Arabischen Emirate in Zürich. Bereits im April waren die Ermittlungen durchgesickert. Jetzt ist klar: Ermittelt wird gegen die Ex-Präsidenten der Falcon Private Bank mit Sitz in Zürich, Khadem Al-Qubaisi und Mohamed Badawy Al-Husseiny. Dies zeigen Aktenauszüge, die der Blog Sarawak Report heute veröffentlichte.

Aufpasser in Zürich

Die Falcon Private Bank spielte eine wichtige Rolle in den Geldflüssen. Die Banker in der nun geschlossenen Hong-Kong-Abteilung betreuten verschiedene Konten für 1MDB-Firmen. Al-Qubaisi und Al-Husseiny sassen lange Jahre im Verwaltungsrat der Schweizer Falcon Private Bank. Beide agierten auch als deren Verwaltungsratspräsidenten. Die Ermittlungen gegen die Araber bedeuten, dass sich die Bundesanwaltschaft nun in den höchsten Ebenen der Bank umsieht.

Al-Qubaisi und Al-Husseiny vertraten im Geldhaus die Interessen der Besitzer in Abu Dhabi. Sie waren letztlich die Aufpasser in Zürich der Golfaraber zwischen 2009 und 2013. Die Schweizer Bank ist mehrheitlich im Besitz der Vereinigten Arabischen Emiraten, beziehungsweise der Firma Aabar Investments, die wiederum dem Staatsfonds International Petroleum Investment Company (IPIC) gehört.

Die Ausdehnung des Strafverfahrens der Bundesanwaltschaft auf die beiden Golfaraber ist die zweite schlechte Nachricht für sie innert Kürze. Auch das US-Justizdepartement nimmt die beiden in ihrer ersten Aktion gegen Protagonisten des 1MDB-Skandals aufs Korn: Sie wurden im Juli öffentlich in Ermittlungsakten genannt. Die Amerikaner wollen Vermögen im Wert von 1 Milliarde US-Dollar einziehen - aufgrund des so genannten Anti-Kleptokraten-Gesetzes.

Auch Petrosaudi im Umzug

Die Akten, die Sarawak Report veröffentlichte, zeigen weiter, dass auch der Verwaltungsratspräsident Tarek Obaid der Genfer Firma Petrosaudi das Interesse der Bundesanwaltschaft geweckt hat. Die Ermittler haben verdächtige Millionentransfers von Obaid zwischen der Bank BSI und der Schweizer Zweigstelle von JP Morgan entdeckt. Damit ziehen sich die Ermittlungen auch bei Petrosaudi bis in die Teppichetage.

Die Genfer Ölgesellschaft Petrosaudi und deren Ex-Kader Xavier Justo spielen eine Schlüsselrolle in der 1MDB-Affäre. Die Firma war mit 1MDB mit einem 2,5-Milliarden-Dollar-Deal ins Geschäft gekommen. Justo hatte bei seinem Ausscheiden Informationen darüber abgezogen und versucht, seinen früheren Arbeitgeber zu erpressen. Als das nicht klappte, wandte er sich an die Presse. Der Sarawak-Report veröffentlichte ab März 2015 diverse explosive Artikel zu 1MDB. Kurz darauf wurde Xavier Justo in Thailand zu drei Jahren Haft wegen versuchter Erpressung verurteilt. Inzwischen hat ihn der König Thailands begnadigt. Bern hat Schritte unternommen, damit Justo seine Reststrafe in der Schweiz absitzen kann.

11 Milliarden Dollar Schulden

Die Informationen von Justo trugen dazu bei, dass der Korruptionsskandal um 1MDB ans Licht kam. Kurz nach der Machtübernahme im Jahr 2009 inszenierte sich der neue Premier Najib Razak in Malaysia als Staatsvater: Er liess den Staatsfonds 1Malaysia Development Berhad (1MDB) gründen, der die wirtschaftliche und soziale Entwicklung des aufstrebenden Landes fördern sollte. Für die goldene Zukunft des Fonds liess Razaks Entourage Milliarden von Steuergeldern in die Gesellschaft pumpen.

Doch statt mit seriösen Geschäften Gewinn zu erwirtschaften, stand 1MDB sechs Jahre später mit über 11 Milliarden Dollar in der Kreide. Mittels komplexer Transaktionen dienten bis zu vier Milliarden US-Dollar  aus dem Staatsfonds der Bereicherung malaysischer und arabischer Personen. Zu diesem Schluss kam die Bundesanwaltschaft diesen Februar. Sie hatte im Herbst 2015 erste Ermittlungen aufgenommen.

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