Niederlage für den Verwaltungsrat der Freiburger Technologiegruppe Comet gegen Grossaktionär Veraison: Zum neuen Verwaltungsratspräsidenten hat die Generalversammlung am (heutigen) Donnerstag Heinz Kundert gewählt.

Der frühere Chef des Ostschweizer Vakuumventile-Herstellers VAT war von Veraison für das Amt vorgeschlagen worden und setzte sich in einer äusserst knappen Entscheidung gegen Christoph Kutter durch, der vom Comet-Verwaltungsrat ins Rennen geschickt worden war.

0,3 Prozent vor Christoph Kutter

Kundert ersetzt somit den abtretenden Hans Hess, der dem Verwaltungsrat während zwölf Jahren vorstand. Die Abstimmung fiel sehr knapp aus: Kundert erhielt von den Aktionären in der Wahl zum Präsidenten mit 50,6 Prozent einen Hauch mehr Stimmen als sein Kontrahent. Kutter bekam bei dieser Frage 50,3 Prozent Ja-Stimmen. Er wird künftig als «normales» Mitglied dem Verwaltungsrat angehören.

Desweiteren wählten die Aktionäre mit grossem Mehr den vom Verwaltungsrat vorgeschlagenen Patrick Jany ins Gremium. Der Finanzchef von Clariant ersetzt Lucas Grolimund, der nicht mehr zur Wahl angetreten war.

Kundert nahm die Wahl dankend an und versprach vor den Aktionären, dass er mit den bestehenden Verwaltungsratsmitgliedern und der Geschäftsleitung gut zusammenarbeiten werde. Auf die Frage, wohin er das Unternehmen künftig führen möchte, hielt er sich zurück. Dazu werde er sich in einer ersten Phase einen vertieften Einblick verschaffen und im Team mit der Geschäftsleitung weitere Schritte angehen.

Langer Kampf zwischen Comet und Veraison

Im Vorfeld der Generalversammlung haben Comet und Veraison, die mit 10 Prozent am Unternehmen beteiligt ist, über mehrere Monate für ihre Kandidaten geworben. Auch in Bern machte Comet klar, dass man die Wahl des Präsidenten vorausschauend und in einer vertieften Verfahren vorbereitet habe. Auf einer letztendlichen Liste, der Short List, mit sechs Kandidaten habe auch Heinz Kundert Platz gefunden.

In Auswahlprozess sei man aber zum Schluss gekommen, dass Christoph Kutter der richtige Mann für den Posten sei, führte Hans Hess vor den Aktionären aus. Hervorgehoben wurde seine Kenntnisse am Halbleitermarkt als Leiter des deutschen Fraunhofer-Instituts für Mikrosysteme, aber auch sein Alter. Mit 54 Jahren sei er eine langfristige Lösung, während der 67-jährige Heinz Kundert aus Altersgründen bereits nach drei Jahren das Amt wieder abgeben müsste.

Kundert als «Macher»

Auf der anderen Seite portierte Veraison mit Kundert gemäss eigenen Aussagen einen Mann mit starker Führungserfahrung, sozusagen ein «Macher». Der frühere Chef kenne das Halbleitergeschäft, die Schweiz, den Kapitalmarkt und die Kunden bestens. Er sei aber ein unabhängiger Kandidat und werde mit allen Aktionären den Kontakt pflegen. Die eher kurze Amtsdauer sah er nicht als Nachteil. Vielmehr werde er versuchen, wichtige Entscheide anzustossen und voranzubringen, erklärte er in seiner Rede.

(awp/gku)

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