Normalerweise treffen wir die Klasse der Manager in Türmen aus Glas und Stahl. Sie hingegen residieren seit neuestem in einem Headquarter aus Holz und Lehm. Ein Sparprogramm?
Götz Rehn: Natürlich versuchen wir immer, so sparsam wie möglich mit den Ressourcen umzugehen. Unseren neuen Hauptsitz haben wir so vielseitig wie möglich gestaltet. Ökonomisch, ökologisch und auch visuell.

Sie hätten auch Bambus oder ein anderes lebensfroh stimmendes Material wählen können.
Für diesen Bau haben wir uns breit informiert. Wir waren unter anderem in Zürich, wo wir uns das Tamedia-Holzgebäude von Shigeru Ban angeschaut haben, wir waren im Kräuterzentrum von Ricola in Laufen bei Basel, welches aus gestampftem Lehm besteht. Und sind dann auch selber relativ bald zum Baustoff Lehm gekommen. Ein Grossteil aller Häuser auf der Erde ist – ausser in unseren Breitengraden – aus Lehm gebaut. Dies nicht umsonst: Lehm hat hervorragende klimatische Eigenschaften.

Für Ihren Campus, der auf ehemaligem US-Army-Gelände liegt, wählten Sie aber nicht den Lehm, der vor Ort lag. Weshalb?
Das hat farbliche Gründe. Er war mir etwas zu rötlich. Ich war auf der Suche nach einem Beige-Ton. Und einen solchen Lehm fanden wir dann – in Form des Bau-Aushubs im Grossprojekt Stuttgart 21. Da schliesst sich der Kreis: Wir konnten zeigen, dass man aus etwas, das gemeinhin als Abfall angesehen wird, etwas sehr Schönes machen kann.

Glas und Stahl stehen für Macht und Shareholder Value. Wofür steht Lehm?
Für Verbundenheit und Sinnhaftigkeit. Quasi der Gegenentwurf dessen, was Sie skizzieren. Unser Unternehmen hat eben nicht nur die wirtschaftliche Dimension als Leitbild, also Effizienz und Profit, sondern, wie man das neudeutsch ausdrückt, den «Purpose».

Das Wort «Purpose» wird gerade sehr gehypt.
Ich habe das vor 35 Jahren «Sinn» genannt, wir können gern dabei bleiben. Die Idee ist heute noch die gleiche wie damals. Das, was man tut, soll sinnvoll sein für Mensch und Erde. Ganz getreu unserem Motto: Sinnmaximierung statt Gewinnmaximierung.

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Bei aller Sinnhaftigkeit: Rentieren muss das Geschäft bei Alnatura aber schon?
Das ist so. Wir brauchen einen Renditekorridor zwischen 1 und 2 Prozent.

Ihre beruflichen Anfänge machten Sie bei einer Firma, die stärker auf Gewinnmaximierung abzielt: Nestlé. Was lernte der junge Götz Rehn vom Food-Multi?
Sehr viel! Das war eine sehr spannende und sehr gute Zeit. Ich wurde als Trainee damals vom langjährigen Nestlé-Generaldirektor Helmut Maucher eingestellt. Vorgängig hatte ich am Gottlieb Duttweiler Institut in Rüschlikon einen Vortrag gehalten, daraufhin sprach mich ein Mitglied der Schweizer Nestlé-Direktion an und fragte mich, ob ich denn schon wisse, was ich nach meiner Promotion so machen wolle. Das wusste ich noch nicht. Da sagte mir der Mann, dass Helmut Maucher jemanden für Nestlé Deutschland suche.

Nestlé hat Sie in der Schweiz gepflückt?
Kann man so sagen. Die fünf Jahre bei Nestlé waren eine ganz wichtige Zeit für mich, ich habe sehr viel Unterstützung und starke Förderung erhalten. Ich arbeitete unter anderem für die Schokoladenmarken Sarotti und Yes, konnte auch längere Zeit in der Marktforschung, Werbung und im Schokoladenwerk verbringen. Eine ebenso breite wie exzellente Ausbildung.

Wasserpolitik, Babymilchvermarktung in Entwicklungsländern: Nestlé ist in vielen alternativen Kreisen Deutschlands verhasst. Wie passte das zum Jung-Anthroposophen Rehn?
Die Themen, die Sie ansprechen, kamen später auf. Zu meiner Zeit war Nestlé erst daran, sich zu einer Grossfirma zu entwickeln. Die Öffentlichkeit, mich eingeschlossen, wusste damals noch sehr viel weniger Bescheid über die von Ihnen genannten Punkte.

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Sie konnten sich also arrangieren mit dem Multi.
Wie soll man denn die Wirtschaft kennenlernen, wenn man nicht zu den Besten geht, die es gibt? Die Bio-Bewegung, wie sie heute existiert, gab es ja damals noch gar nicht. Es gab nur so ein paar seltsam verpackte Produkte, mehr nicht.

Götz Rehn:

Götz Rehn: «Man muss ja oft beharrlich im Bemühen bleiben und sich bescheiden in der Erfolgserwartung nach vorne robben.»

Quelle: Thomas Pirot

Nestlé ist nur eine Ihrer vielen Schweiz-Verbindungen. Die Betriebskantine im Alnatura-Hauptsitz wird vom Schweizer Gastrokonzept Tibits bespielt. Wie kam es dazu?
Wir freuen uns, dass Tibits hier bei uns ist. Und zwar nicht als sogenannte Kantine, sondern als öffentliches Restaurant. Weil ich den Schweizer Vegi-Pionier und Tibits-Teilhaber Rolf Hiltl schon lange kenne, traf ich durch ihn auch die Gebrüder Frei, die Tibits-Gründer. Ihr Konzept hat mich sofort angesprochen.

Darmstadt als erster Deutschland-Ableger für Tibits klingt nicht überaus glamourös. Mussten Sie starke Überzeugungsarbeit leisten?
Ja, und ich bin sehr dankbar, dass es gelungen ist. Mit Tibits war es so, wie es immer ist: Man muss ja oft beharrlich im Bemühen bleiben und sich bescheiden in der Erfolgserwartung nach vorne robben. Wir konnten die Tibits-Leute davon überzeugen, dass wir hier mit einer Belegschaft von 450 Personen eine gewisse Grundauslastung garantieren können. Geholfen hat sicher auch, dass Alnatura bereits zum dritten Mal in Folge die beliebteste Lebensmittelmarke Deutschlands ist. Die Menschen mögen uns – und das zieht auch Gäste für Tibits an.

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Ihre wohl stärkste Swiss-Connection ist jene zur Migros: Alnatura-Produkte gibt es seit 2012 auch in der Schweiz, in Zusammenarbeit mit der Genossenschaft Migros Zürich. Warum wollten Sie die Schweiz nicht im Alleingang erobern?
Ich bin ein Freund der Kooperation. Damit haben wir sehr viel erreicht in der Geschichte von Alnatura. Kommt dazu: Ich schätze Gottlieb Duttweiler sehr. Der Migros-Gründer hat mich durch seine Schriften, Zitate und Gedanken schon vor meiner Nestlé-Zeit angeregt und beeindruckt. Duttweiler war ja derjenige Händler, der innerhalb seines Heimmarktes das grösste Lebensmittelunternehmen der Erde aufgebaut hat. Und dies mit einem eingebauten Umsatzverzicht auf Alkohol und Tabakwaren. Kommt noch das Kulturprozent hinzu – eine ausserordentliche Leistung.

Der Bio-Vorreiter

Name: Götz Rehn

Funktion: Gründer und Chef Alnatura

Alter: 69

Familie: Rehn stammt aus einer renommierten Chirurgenfamilie; er hat zwei erwachsene Kinder

Hobbys: Opern, Malen, Segeln

Ausbildung: Besuch der Waldorfschulen in Freiburg und Bochum 1974: Abschluss als Diplom-Volkswirt, Albert-Ludwig-Universität, Freiburg im Breisgau

1974 bis 1978: Verschiedene Tätigkeiten, unter anderem Skilehrer in Scuol, Bildhauerunterricht 1978 bis 1983: Produktmanager bei Nestlé

1983 bis 1985: Betrieb Alnatura-Vorläuferin «Konzeption und Vertrieb natürlicher Lebensmittel Dr. Rehn»

1985: Gründung der Alnatura Produktions- und Handels GmbH 2005: Auszeichnung Entrepreneur Of The Year von Ernst & Young Deutschland

Trotzdem: Ist es nicht mühsam, wenn Sie Ihre dürre Rendite in der Schweiz mit einem lokalen Partner teilen müssen?
Wir haben gemeinsam mit der Migros viel für den Schweizer Bio-Markt erreicht. Ausgehend von meiner Duttweiler-Begeisterung habe ich schon weit vor 2012 mit der Migros Kontakt aufgenommen …

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… In der Schweiz heisst es, sie hätten mindestens dreimal vergeblich angeklopft beim orangen M.
Ich habe mehr als nur dreimal angeklopft bei der Migros.

Wann zum ersten Mal?
Es ist sicher zwanzig Jahre her, als ich erstmals mit der Migros sprach. Das Unternehmen war damals mit dem eigenen Projekt Migros-Sano beschäftigt. Ich regte an, dass man das in Richtung Bio entwickeln könne, weil sich der Markt nun in diese Richtung entwickeln würde. Aber man liess mich wissen, dass man sich gut versorgt fühle. So fand das mehrmals statt, immer mit wechselnden Akteuren, immer erfolglos. Bis sich eines Tages Jörg Blunschi, der Chef der Genossenschaft Migros Zürich (GMZ) bei mir meldete. Damals gab es GMZ-intern eine Studie, die Bio-Entwicklungspotenzial erkannt hatte. Die GMZ überlegte sich damals, ein Fachmarktkonzept namens Migros-Bio zu entwickeln, ähnlich, wie es deutsche Einzelhändler wie Rewe unter dem Label Füllhorn schon getan hatten. Die GMZ kam dann zu mir mit dem Wunsch, Alnatura auf Kooperationsbasis in der Schweiz einzuführen.

Warum partnerten Sie nicht mit dem Schweizer Bio-Pionier Coop?
Weil mir die Philosophie der Migros sehr gefällt. Wissen Sie, was rechts vom Eingang im Gottlieb Duttweiler Institut in Rüschlikon steht?

Der Spruch: Der Mensch im Mittelpunkt.
Genau. Und das beantwortet doch alles.

Bio? Logisch

Alnatura ist Deutschlands älteste und marktführende Bio-Supermarktkette. Letztes Jahr wurden mit 133 Läden in 62 Städten 822 Millionen Euro umgesetzt. Mitarbeiterzahl: 3150. Die rund 1400 Bio-Lebensmittel unter der Alnatura-Marke sind auch bei anderen Händlern verfügbar; Alnatura beliefert 12 500 Filialen in 15 Ländern.

Seit 2012 arbeitet Alnatura in der Schweiz mit der Migros zusammen. Treiber war die Migros Zürich. Aktuell stehen elf Alnatura-Bio-Supermärkte in der Schweiz; Alnatura-Produkte sind in den Läden aller zehn Migros-Genossenschaften erhältlich. Götz Rehn wird an der Internationalen Handelstagung am GDI Rüschlikon vom 5. und 6. September 2019 auftreten.

[©(c)Roland Halbe; Veroeffentlichung nur gegen Honorar, Urhebervermerk und Beleg / Copyrightpermission required for reproduction, Photocredit: Roland Halbe]

Alnatura-Hauptsitz, Darmstadt: Ein Firmen-Campus aus Lehm und Holz.

Quelle: Roland Halbe
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Die Migros-Kooperation fusste auf drei Ideen: Schweizer Expansion mit Alnatura-Supermärkten,Alnatura-Produkte im Migros-Sortiment, die M-Industrie als Produzentin für Alnatura in Deutschland. Zwischenbilanz: Die Ladenexpansion verlief nur langsam; die M-Industrie wurde durch die Euro-Schmelze ausgebremst. Eine Idee gelang, zwei weniger. Zufrieden?
Es gab noch ein weiteres Ziel: Alnatura auch online verfügbar zu machen in der Schweiz. Dies ist uns über die Migros-Tochter Le Shop sehr gut gelungen.

Zwei Ziele erreicht, zwei verfehlt?
Das sehe ich anders: Drei erreicht. Und bezüglich Industrie tut sich auch etwas: Aktuell sind wir mit mittelständischen Schweizer Unternehmen daran, noch mehr Alnatura-Produkte aus der Schweiz für die Schweiz zu produzieren. Die Entwicklung der Alnatura-Bio-Supermärkte ist eigentlich gut, es fehlt nur leider an geeigneten Ladenlokalen. Die Schweiz ist ein ganz besonderes Land. Da ist es schon erstaunlich, wie es Aldi geschafft hat, überhaupt an Standorte zu kommen. Wobei Aldi Suisse zumindest zu Beginn auch Lagen ausserhalb der Städte in den Fokus genommen hat. Alnaturahingegen will mit seinen Bio-Supermärkten in die Städte, in die Quartiere. Hier etwas zu finden, ist ungeheuer schwer.

Für wie viele Alnatura-Bio-Supermärkte hat es Platz in der Schweiz?
Das hängt davon ab, ob und wann man vernünftige Lagen findet. Grundsätzlich aber bietet die Schweiz ohne Probleme Platz für mehr als 35 Alnatura-Bio-Supermärkte. Die Migros ist gross genug, um das zu schaffen.

Hilft es der Bio-Bewegung, wenn Hard-Discounter wie Aldi und Lidl vermehrt Bio-Produkte in ihre Regale nehmen?
Es kommt drauf an, was da genau verkauft wird. Ein Beispiel: In der Alnatura-Mandelmilch stecken 7 Prozent Mandeln. Bei einem Hard-Discounter sind es 2 Prozent. Plus ein paar Zutaten, bei denen Sie als Verbraucher überrascht wären, dass sie darin sind...

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Wenn Bio drin ist, wo Bio draufsteht, dann begrüssen Sie es auch beim Billigheimer?
Das ist mir zu verkürzt dargestellt. Man muss auch schauen, woher die Zutaten kommen, welche Qualität sie haben und wie sie verarbeitet wurden. Nehmen Sie eine Rosine: Wo kommt sie her und was ist es für eine Sorte? Wie steht es um die Rezeptur in der Weiterverarbeitung, ist die Ware importiert? Es gibt viele Kriterien, die für die Beurteilung der Qualität von Bio wichtig sind.

«Ich habe mehr als nur dreimal angeklopft bei der Migros.»

In der Schweiz schlägt Ihnen ausserhalb der Migros der Vorwurf des minderwertigen «Euro-Bio» entgegen. Ärgert Sie das?
Nein. Die Wahrheit ist eine andere. Wir haben viele Demeter- und Bioland-Euroland-Produkte, die auf dem gleichen Level wie die Knospe sind. Und die Alnatura-Qualitätsanforderungen entsprechen den Anforderungen der Knospe. Der Erfolg, den wir bei den Schweizer Kundinnen und Kunden haben, zeigt ja, dass sie sich durch diese Labels nicht in die Irre führen lassen. Und wir haben mehrere Bio-Milchprodukte, die Knospe-zertifiziert sind.

Das Knospen-Label ist in der Schweiz stark verankert – der Olymp der Bio-Welt?
Die Knospe ist eine gute Anbauorganisation, die ein sehr hohes Level hat. Aber die biodynamische Landwirtschaft von Demeter ist bestimmt ebenso gut.

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Kann man ein guter Mensch sein und trotzdem Fleisch essen?
Ja. Es ist immer die Einseitigkeit, die uns in Schwierigkeiten bringt. Man kann auch Palmöl biologisch anbauen. Aber nicht, wenn sie alle Wälder abroden wie jetzt in Brasilien. Wir brauchen im biologischen Landbau die Tiere. Aber in einer festgelegten, sinnvollen Grössenordnung.

Wird Bio weiter boomen?
Der Boom hat doch noch gar nicht angefangen! Zumindest nicht in Deutschland. Hier liegt der Anteil von Bio erst bei 6,5 Prozent. Da kann man doch noch nicht von Boom sprechen. Der Boom beginnt erst jetzt richtig. Das ist auch gut so, weil es um das Wohl unseres Planeten geht.

Ex-Migros-Chef Herbert Bolliger hat gesagt, Bio sei eine ineffiziente Landwirtschaft, man könne die Welt damit nicht ernähren. Ist Bio nur für die Elite?
Das Zitat war für viele überraschend. Ich kenne Herrn Bolliger und schätze ihn sehr. Schauen wir auf die Realität. Im deutschen Markt werden Lebensmittel im Wert von 180 Milliarden Euro gekauft. Einen Drittel davon werfen wir weg. Damit könnten wir noch viele Millionen Menschen ernähren. 30 bis 40 Prozent der Menschen haben Übergewicht. Bio-Lebensmittel hingegen haben eine andere Qualität, man überlegt sich bewusster, was man isst, man ändert sein Ernährungsverhalten, man überlegt sich, wie viel man isst. Und letztlich brauchen wir Bio, wenn wir auf diesem Planeten überleben wollen. Das ist ja keine Fantasie von Götz Rehn – das ist auch Ziel der Agenda 2030 der Bundesregierung. Ohne Bio ist dieses Ziel nicht zu erreichen.

Dann hatte Herbert Bolliger also nicht recht?
Ich weiss nicht, auf welches Land er es bezogen hat. Ich finde Schwarz-Weiss-Diskussionen generell schwierig in unseren Gesellschaften. Man kann Positionen beziehen, um Gespräche und Diskussionen anzuregen. Weltweit hat Bio aber erst einen Anteil von 1 Prozent. Wir sollten alles tun, um 30 Prozent Bio zu erreichen!

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Alnatura-Gründer Götz Rehn mit den Redaktoren David Torcasso (links) und Andreas Güntert.

Alnatura-Gründer Götz Rehn mit den Redaktoren David Torcasso (links) und Andreas Güntert.

Quelle: Thomas Pirot

«Die Schweiz bietet ohne Probleme Platz für mehr als 35 Alnatura-Bio-Supermärkte.»

Was halten Sie von Fleischersatz-Produkten wie von Beyond Meat?
Ganz schwierig, muss ich sagen. Für mich ist Fleisch Fleisch, ein Ei ist ein Ei. Der ganzheitliche Ansatz im biologischen Anbau gilt bei uns auch für die Weiterverarbeitung. Dazu müssen wir die Natur nicht laufend überlisten. Wenn wir Fleisch wegen der Umweltbelastung nicht mehr in grossen Mengen produzieren können, müssen wir einfach weniger Fleisch essen.

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Würden Sie Beyond Meat bei Alnatura einlisten?
Sicher nicht.

Das Alnatura-Credo ist Sinnmaximierung versus Gewinnmaximierung. Wie machen Sie das persönlich in Ihrem Alltag?
Ich fahre aktuell ein Elektroauto und lerne diese Industrie von einer interessanten Seite kennen: Man hat, zumindest in Deutschland, kein Interesse daran, dass die Leute Elektroauto fahren. Man kann die Wagen nicht flächendeckend aufladen und es gibt ein Wirrwarr bei den Anschlüssen.

Götz Rehn, ein Tesla-Fahrer?
Nein, ich fahre einen Jaguar I-Pace.

Sie erwähnten Ihre Renditeleitplanken von 1 bis 2 Prozent. Wie sieht es aktuell aus im Alnatura-Gewinnkorridor?
Wir stehen bei 1,5 Prozent.

Was, wenn Sie Ende Jahr mit Schrecken feststellen, dass es 3 Prozent sind?
Das merken wir sicherlich vor Jahresende. Sollte es so sein, dann senken wir die Preise für unsere Kundinnen und Kunden.

Und wenn Sie den Renditekorridor unterwandern?
Dann schnallen wir den Gürtel enger.

Duttweiler hat sein Unternehmen verschenkt; die Migros gehört zwei Millionen Genossenschaftern. Wollen Sie das bei Ihrem Unternehmen auch so machen?
Es gibt verschiedene Formen, wie man sein Eigentum für die Zukunft gestaltet. Man kann es vererben, verkaufen oder verschenken. Ich habe mich für eine Doppelstiftung entschieden, und das Kapital geht in eine gemeinnützige Stiftung. Ja, ich verschenke es.