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Jahreszahlen
Alpiq schreibt Staudämme zum Verkauf aus

Jasmin Staiblin: Die Konzernchefin muss erneut eine Hiobsbotschaft verkünden. Keystone

Der gigantische Verlust zwingt Alpiq zu drastischen Massnahmen: Rund die Hälfte seiner Wasserkraftwerke will der Energiekonzern verkaufen. Dennoch glaubt CEO Jasmin Staiblin an die Wasserkraft.

Veröffentlicht am 07.03.2016

Der Energiekonzern Alpiq hat 2015 einen Reinverlust von 830 Millionen Franken erlitten. Der Konzern will daher bis zu 49 Prozent seines Wasserkraftportfolios verkaufen. Als Käufer in Frage kommen gemäss Unternehmen in- und ausländische Investoren, die einen langfristigen Anlagehorizont in nachhaltige Energieerzeugung haben. Alpiq selbst glaubt an die Zukunft der Wasserkraft.

Mit dem teilweisen Verkauf solle die Abhängigkeit von den Grosshandelspreisen reduziert werden, sagte Alpiq-Chefin Jasmin Staiblin am Montag vor den Medien in Olten SO. Man wolle die Wasserkraft auf eine solidere und zukunftsfähigere Basis stellen.

Fast kein Kraftwerk ist profitabel

Käufer der Anteile könnten auch Energieversorgungsunternehmen im Schweizer Endkundenmarkt sein. Alpiq selbst hat keine Endkunden, sondern verkauft den produzierten Strom im Grosshandel – und fährt damit einen grossen Verlust ein. Der Strompreis für die Grosshandelskunden sei in nur einem Jahr um einen Drittel gesunken. Damit sei nahezu kein Kraftwerk kostendeckend aufgestellt. Hinzu komme der starke Franken.

Diese Kombination übe einen grossen Druck auf die Schweizer Wasserkraft aus. Das stelle sämtliche klassischen Energieproduzenten vor grösste Herausforderungen, hielt Staiblin fest. Wasserkraft sei ein kapitalintensives Geschäft.

Alpiq bekennt sich zur Wasserkraft

Das Schweizer Wasserkraftportfolio der Alpiq besteht aus zwölf Speicherkraftwerken, einem Pumpspeicherkraftwerk sowie aus fünf Flusskraftwerken. Diese Anlagen, an denen Alpiq beteiligt oder Eigentümerin ist, befinden sich in den Kantonen Wallis, Graubünden, Waadt, Tessin und Solothurn. Es handelt etwa um die Speicherkraftwerke Grande Dixence, Engadin, Blenio oder Hinterrhein.

«Wir bleiben eine 51-prozentige Wasserkraftproduzentin», sagte Staiblin. Sie machte klar, dass man sich auch weiterhin für die Zukunft der Wasserkraft einsetze. Die Wasserkraft sei flexibel und langfristig die günstigste Energie, die es gebe.

Kein Geld vom Staat

Im Gegensatz zu anderen erneuerbaren Energien werde die Wasserkraft nicht vom Staat unterstützt, sondern müsse hohe Abgaben wie Wasserzinsen leisten, hielt die Alpiq-Chefin fest. Das treffe die Schweizer Wasserkraft hart. Sie forderte die Politik auf, das bestehende Modell zu ändern.

Gemäss Staiblin betragen die Gestehungskosten der Wasserkraft 6,5 Rappen pro Kilowattstunden (kWh). Auf dem Markt kann derzeit ein Preis von 2,8 Rappen pro kWh erzielt werden. Von den Gestehungskosten könnten zwei Drittel nicht beeinflusst werden.

Atomstrom rechnet sich nicht

Auch der Strom aus den Schweizer Atomkraftwerken kann derzeit nicht kostendeckend verkauft werden. Beim AKW Gösgen SO betragen die Gestehungskosten 4,5 Rappen pro kWh und beim AKW Leibstadt AG 5,5 Rappen pro kWh. Die Wasserkraft hat gemäss Alpiq jedoch eine Zukunft und nicht wie die Atomenergie ein Ablaufdatum. Daher setzt der Energiekonzern den Hebel, um wieder Gewinn zu schreiben, bei der Wasserkraft an.

Gehalt von Staiblin zurückgegangen

Die tiefroten Zahlen des Energiekonzerns Alpiq hinterlassen  auch Spuren im Portemonnaie der Chefin: Staiblin erhielt im vergangenen Jahr insgesamt 1,54 Millionen Franken – nach 1,88 Millionen im Vorjahr.

Damit liegt sie nun fast gleichauf mit den anderen Chefs der Branche: Andrew Walo, Chef der gemessen am Umsatz etwas kleineren Axpo, erhielt für das letzte Geschäftsjahr 1,13 Millionen Franken. Suzanne Thoma, Chefin der deutlich kleineren BKW, verdiente 2014 – aktuellere Zahlen sind noch nicht bekannt – rund 1,05 Millionen.

(sda/mbü/ama/me)

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