Das Energieunternehmen Axpo wird frühestens ab dem Jahr 2021 wieder eine Dividende ausschütten. Aufgrund der steigenden Strompreise geht Verwaltungsratspräsident Thomas Sieber zwar von höheren Erträgen aus.

Mehrkosten könnten aber beim Stilllegungs- und Entsorgungsfonds entstehen, wie Sieber in einem Interview mit der «Finanz und Wirtschaft» sagte. Die Strategie der Axpo, verschiedene Standbeine aufzubauen, greife. «Das Auslandgeschäft hat uns in der Phase der tiefen Strompreise gerettet», sagte Sieber.

«Ab 2020 und 2021 sieht es viel besser aus. Aufgrund der steigenden Preise erwarten wir, dass der Ertrag aus dem Stromgeschäft anziehen wird. Die grosse Delle sollte dann hinter uns sein.»

Die finanziellen Aussichten ab 2021 seien gut sind und ab diesem Zeitpunkt könne man auch wieder über eine Dividende nachdenken. «2021 werden wir sie zum ersten Mal erarbeiten können. An der Generalversammlung 2022 würde dann die Auszahlung beschlossen», sagte Sieber.

Die weitere Entwicklung sei aber schwierig vorherzusagen. «Wir müssen uns so aufstellen, dass wir in einem Schönwetterszenario profitieren können, aber auch bei einem dunkleren Szenario über die Runden kommen», so der Verwaltungsratspräsident weiter. Das Auslandsgeschäft sei in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewachsen und habe einen Ergebnisbeitrag von rund 150 Millionen Franken geliefert.

Herausforderung Heimmarkt

Der Heimmarkt bleibe hingegen eine Herausforderung. Weil die Schweiz nicht an den EU-Strommarkt angebunden sei, könne man etwa in der Schweiz produzierten Strom im kurzfristigen Handel nicht im Ausland anbieten. «Ein Pumpspeicherkraftwerk wie Linth-Limmern wäre prädestiniert, bei kurzfristiger Knappheit Strom in den süddeutschen Raum zu liefern. Bislang können wir das nicht. Wir werden in Deutschland als Drittland aussen vor gelassen», so Siebert.

Der Preis, den der Strom aus dem Pumpspeicherkraftwerk erzielt, sei sicher nicht dort, wo das Unternehmen ihn gerne hätte. «Eine flexible Produktion, wie dieses Werk sie anbietet, ist in der Schweiz und in Europa immer stärker gefragt. Ich bin überzeugt, dass es noch Zeiten geben wird, in denen wir viel Freude an Linth-Limmern haben werden.»

Sieber ist froh, dass er den früher einmal ins Auge gefassten Börsengang eines Axpo-Teilgeschäfts nicht durchführen musste. Die Pläne wurden 2016 erarbeitet, als der Strompreis ein Tief erreicht hatte. Ziel war es, die Handlungsfreiheit der Axpo zu wahren.

Die Strategie zur Steigerung des Cashflows habe aber rasch gegriffen und die Axpo habe die nächsten Schritte aus eigener Kraft geschafft. «Dennoch haben wir den Umbau des Konzerns so weit vorangetrieben, dass wir im Fall einer Krise in nützlicher Frist auf das alte Szenario zurückgreifen könnten.»

Im politisch stark regulierten Umfeld in der Schweiz gebe es aber auch Themen, die Kopfzerbrechen bereiten würden. Dazu zählt Sieber den Stilllegungs- und Entsorgungsfonds und die Diskussion um eine Senkung der Rentabilitätsannahmen.

«Die Axpo müsste dann zusätzlich einen dreistelligen Millionenbetrag einzahlen.» Angesichts der angesparten Mittel über dem Sollwert und des sehr langfristigen Anlagehorizonts sei dies unnötig. Auch der Sicherheitszuschlag lasse sich sachlich überhaupt nicht mehr begründen.

(awp/tdr/bsh)

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