Die Medikamentenpreise sind in den USA schon länger eines der brennendsten politischen Themen. In den nächsten Wochen dürfte die Kritik an Pharmakonzernen noch lauter werden – und verantwortlich dafür ist Novartis: Denn die US-Medikamentenbehörde FDA wird voraussichtlich Mitte Mai Novartis' Gentherapie Zolgensma zulassen. Am vergangenen Wochenende hat der Pharmakonzern neue Studienergebnisse präsentiert, welche die Chancen auf das grüne Licht der FDA weiter erhöhen.

Zolgensma ist eine bahnbrechende Behandlung gegen die sogenannte Spinale Muskelatrophie (SMA), ein Muskelschwund, der vererbt wird. Säuglinge mit schwerer SMA steben heute in der Regel vor dem zweiten Altersjahr. Eine einzige Spritze könnte den Gendefekt stoppen und den Babys das Leben ermöglichen.

Allerdings ist nicht nur die Wirkung von Zolgensma bahnbrechend, sondern auch die Kosten: Novartis dürfte für eine Spritze laut Analysten mindestens 1,5 Millionen Dollar verlangen.

Dutzende neue Gentherapien vor der Zulassung

Eigentlich hält der Konzern sogar über vier Millionen Dollar pro Anwendung für gerechtfertigt – und verweist dabei auf die Behandlungsdauer: Voraussichtlich kuriert die Arznei die Patienten mit einer einzigen Spritze. Die derzeit erhältlichen Medikamente gegen die gefährliche Erbkrankheit – etwa Spinraza von Novartis-Konkurrent Biogen – müssen ein Leben lang verschrieben werden.

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Noch ist offen, welchen Preis für Zolgensma die US-Behörde bewilligt.

Die Behandlung ist zwar rekordverdächtig teuer. Sie steht aber für einen allgemeinen Trend in der Pharmabranche: Viele Konzerne setzen auf Gentherapien, die spektakuläre Behandlungserfolge ermöglichen und zugleich sehr teuer sind. In den nächsten fünf Jahren dürfte das FDA laut dem «Wall Street Journal» zwischen fünfzehn bis zwanzig neue Gentheraphien durchwinken.

(mbü)