Der neu gewählte Präsident der USA, Barack Obama, ist ein bedachter Politiker. Diese Eigenschaft zeichnet ihn auch als Anleger aus. Sein Portfolio ist vor allem auf Werterhalt ausgerichtet. Sein Sparkonto bei der UBS hat er bereits 2006 aufgelöst. Derweil hat der unterlegene Widersacher John McCain ein sehr breit gestreutes Depot, das häufig umgeschichtet wird und eine aggressive Ausrichtung mit einem hohen Aktienanteil hat.

Politiker müssen in den USA ihre Einkommen und Vermögensverhältnisse detailliert offenlegen. Genannt werden die Quellen und einzelnen Positionen sowie Transaktionen. Da die Daten über mehrere Jahre zugänglich sind, lassen sich auch Entwicklungen analysieren.

Dank seiner Frau Cindy McCain, die der Bierbrauerfamilie Hensley entstammt, ist John McCain deutlich reicher als Barack Obama. Das Vermögen des Republikaners belief sich 2007 auf 20 bis 36 Millionen Dollar, jenes des Demokraten auf 2 bis 7 Millionen (genaue Angaben sind nicht erhältlich). McCain gehört damit zu den zwölf wohlhabendsten Senatoren im amerikanischen Parlament, Obama folgt erst auf Rang 31.

Dank den üppig sprudelnden Einnahmen aus Buchrechten holt Obama jedoch rasch auf, belief sich doch sein Einkommen 2007 auf über vier Millionen Dollar. McCain kam unter anderem dank einer Rente der Armee 2007 auf knapp 250  000 Dollar Jahressalär.

Barack Obama hat nicht nur im Wahlkampf an den Sparwillen der Amerikaner appelliert und gegen die ausufernde Schuldenwirtschaft gewettert, sondern lebt mit seiner Familie auch schuldenfrei. Derweil stehen die McCains mit drei bis fünf Millionen Dollar in der Kreide. Neben Hypotheken führt die Schuldenliste verschiedene Kredit­kartenausstände auf.

Auch als Anleger hat Obama offensichtlich seiner politischen Haltung konsequenter nachgelebt. Sein Vermögen ist in nur 15 Positionen investiert. Darunter befinden sich Vorsorgeprodukte, Fondspläne für seine Kinder und Staatsobligationen. Unter den wenigen Aktienpositionen sind hauptsächlich ein paar Aktien von TreeHouse Foods, einem Hersteller von hochwertigen Lebensmitteln, sowie Anteile des Nachhaltigkeitsfonds Vanguard FTSE Social Index. Die Aktienquote beträgt beim künftigen Präsidenten konservative zehn Prozent.

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Mit der vorsichtigen Haltung hat sich sein Vermögen gemehrt, während jenes von McCain schrumpft. Dessen Depot erstreckt sich über mehr als 200 Positionen, verzeichnete 2007 ebenso viele Transaktionen und weist eine Aktienquote von hohen 50 Prozent auf. Obwohl er angab, vor der Immobilienkrise gewarnt zu haben, hat er eifrig in krisengeschüttelte Immobilienfirmen investiert. Sowohl bei Bear Stearns, Lehman und Wachovia wie auch bei Countrywide und AIG war McCain Aktionär. Noch 2006 war fast die Hälfte seines Vermögens direkt und indirekt im überhitzten Immobiliensektor investiert. Auch da hatte Obama ein glücklicheres Händchen.
RY