Der meteorologische Sommer hat mit dem warmen August ein versöhnliches Ende gefunden. Er war 0,7 Grad wärmer als im langjährigen Schnitt. Für die Tourismusbranche war es dennoch ein durchzogener Sommer, wie Arosas Kurdirektor Pascal Jenny* sagt. Im Interview erklärt Jenny woran das lag, von welchen Gästen das Geschäft besonders abhängt und wie es mit den britischen Touristen aussieht:

Herr Jenny, wie schlimm war der Sommer in Arosa?
Sagen wir mal: durchzogen. Die Übernachtungen von Juli bis August zeigen, dass es wohl ein Minus gegenüber dem Sommer 2015 geben wird.

Was haben Sie falsch gemacht?
Wo wir die Situation beeinflussen können, haben wir gute Arbeit geleistet. Unsere Musikkurswochen waren mit deutlich über 10'000 Logiernächten so gut besucht wie noch nie. Das Gleiche gilt fürs Nachwuchs-Hockeytrainingslager, das uns gegen 8000 Übernachtungen brachte.

Also braucht es mehr Events?
Events spielen schon eine Rolle. Das internationale Bergrennen Arosa ClassiCar im September ist ein klassischer Event. Es bringt uns wieder 25'000 Gäste. Bei den Musikkurswochen und dem Hockeytrainingslager, das wir zusammen mit Ochsner ­Hockey anbieten, sprechen wir hingegen von organisierten Geschichten.

Und der Rest wird von Petrus gesteuert?
Wenn das Wetter nicht mitspielt, haben wir weniger gute Chancen. Scheint im Sommer die Sonne, benutzen an einem Tag 2000 Leute eine unserer Bergbahnen – regnet es hingegen, kommen bestenfalls 400.

Wie siehts mit ausländischen Gästen aus?
Im Sommer sind wir stark von Schweizern und Deutschen abhängig. Von den rund 40'000 Übernachtungen im Juli stammen 30'000 von Schweizern und gegen 5000 von Deutschen. Gäste aus den USA und England haben übrigens zugelegt.

Wie bitte? Meiden denn die Engländer wegen des schwachen Pfunds die Schweiz nicht?
Das werden wir wohl erst auf den Winter hin spüren. Ich bin leider überzeugt, dass wir deutlich weniger Briten sehen werden.

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Asiaten lassen das Bündnerland meist aus. Sie wollen jetzt aber zusammen mit Davos und St. Moritz auf chinesische Individualtouristen setzen. Warum?
Es werden immer mehr Familien aus dem chinesischen Mittelstand individuell reisen. Schon heute spüren wir, dass sie unsere authentische Natur schätzen. Vor allem unser Eichhörnliweg kommt bei ihnen sehr gut an.

*Pascal Jenny (42) leitet das Tourismus­geschäft der Feriendestination Arosa Lenzerheide im Kanton Graubünden. Sein Ururgrossvater war schon Kurdirektor von Arosa. Jenny selber ist in Wohlen AG aufgewachsen.