Das Augenmedikament Beovu ist eine der grossen «Blockbuster»-Hoffnungen von Novartis: Das Mittel soll erfolgreich die feuchte Makuladegeneration behandeln. Analysten gehen davon aus, dass der Basler Pharmakonzern schon in wenigen Jahren bis zu 4 Milliarden Dollar mit Beovu umsetzt – jährlich, versteht sich. In den USA erhielt Beovu im vierten Quartal letzten Jahres die Marktzulassung, in Europa erst vor gut einer Woche. 

Nun wird das Augenmedikament allerdings in Verbindung mit Nebenwirkungen gebracht. Am Sonntag teilte die American Society of Retina Specialists ihren Mitgliedern mit, bei 14 Patienten sei es zu schweren Entzündungen der Augen-Blutgefässe gekommen, teils in Formen, die zur Erblindung führen könnten.

Novartis habe eine externe Sicherheits-Kommission beauftragt, diese Fälle zu beurteilen, sagte ein Sprecher zum Fachportal «Fierce Pharma». «Die Sicherheit der Patienten ist von grösster Bedeutung», sagte er – und weiter: «Wir werden Einzelheiten mitteilen, sobald sie verfügbar sind.»

Die Überprüfung der Informationen sei im Gange, schreibt das Unternehmen auf Anfrage. Die amerikanische Zulassungsbehörde FDA sei über die laufenden Untersuchungen im Gange und «wir sind daran, andere Gesundheitsbehörden zu informieren». Novartis stehe hinter der Sicherheit und der Wirksamkeit des Medikaments. 

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Beovu sei kontraindiziert bei Patienten mit einer aktiven intraokularen Entzündung. «Arzte sollten die Richtlinien befolgen, dass Beovu bei Patienten mit einer aktiven Entzündung nicht iniziiert werden sollte».

Bis zum 21. Februar wurden in den USA 46000 Injektionen mit Beovu gemacht. 

Marktnachteil Nebenwirkungen

In der Folge setzte die Novartis-Aktie am Dienstag die Kursverluste fort. Wie die UBS schreibt, kommen die Berichte rund um Nebenwirkungen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Die Grossbank spielt damit auf den Markteintritt Beovus in den USA an. Erhebungen der UBS zufolge denken viele der dortigen Augenmediziner, dass Beovu ein leicht schlechteres Nebenwirkungsprofil als das Konkurrenzpräparat Eylea aufweist. Das könnte sich als Nachteil erweisen und das Umsatzpotenzial schmälern. Dennoch stuft die Grossbank die Novartis-Aktie weiterhin mit Neutral und einem 12-Monats-Kursziel von 95 Franken ein.

Nicht so der bekannte US-Broker Guggenheim: Aus seiner Sicht könnten die beobachteten Nebenwirkungen bei Beovu zu einem Spielverderber für Novartis werden. Deshalb reduziert Guggenheim das Anlageurteil von «buy» auf «neutral» und errechnet neu einen fairen Wert von 98 (zuvor 104) Franken für die Aktie. Der US-Broker streicht seine Schätzungen für den Spitzenumsatz mit Beovu von 3,6 Milliarden Dollar jährlich auf gerade mal noch 360 Millionen Dollar zusammen.

Vontobel überrascht

Auch die Bank Vontobel zeigt sich überrascht von den Nebenwirkungen. Solche seien in den klinischen Studien nicht zu beobachten gewesen, so gibt sie zu bedenken. Die Zürcher Bank kürzt ihre Umsatzschätzungen für Beovu von 2 auf 1,1 Milliarden Dollar jährlich. Dadurch reduziert sich das Kursziel für die mit «hold» eingestufte Novartis-Aktie auf 88 (zuvor 90) Franken.

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Wie die Zürcher Kantonalbank ergänzt, macht Novartis diesmal alles richtig. Sofort nach Unterrichtung durch die ASRS hätten die Basler die US-Gesundheitsbehörde FDA über die Nebenwirkungen informiert. Damit habe Novartis alles getan, was überhaupt möglich sei. Die Zürcher Kantonalbank rechnet zwar mit einer Überarbeitung der Packungsbeilage, nicht aber mit zukünftigen Restriktionen. Sie hält deshalb an ihren Umsatzschätzungen für Beovu sowie am «übergewichten» lautenden Anlageurteil fest.

Dieser Beitrag erschien zuerst in cash.ch unter dem Titel «Novartis plagen Probleme bei Milliarden-Medikament». Er wurde weiter aktualisiert. 
 

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