Die Schweizer Falcon Private Bank könnte Insidern zufolge ihre Banklizenz zu verlieren. Bereits Ende April könnte die Finanzmarktaufsicht Finma dem skandalgeschüttelten Vermögensverwalter die Bewilligung entziehen, weil sie die Voraussetzungen für die Tätigkeit nicht mehr erfülle, sagten zwei mit der Sache vertraute Personen zur Nachrichtenagentur «Reuters».

«Falcon-Mitarbeiter sind dabei, die Abwicklung des Instituts vorzubereiten», sagte eine der Personen. Auch ein Sozialplan für die Angestellten sei in Arbeit.

Eine Übernahme der ganzen Bank sei inzwischen unrealistisch geworden, sagten drei Insider. Falcon versuche weiterhin, Teile des Kundenstamms zu verkaufen. Die Bank mit Hauptsitz in Zürich und weiteren Standorten in Dubai und Luxemburg sei in Gesprächen mit mindesten einem Interessenten für einen sogenannten Asset Deal. Doch sei es ungewiss, ob es zu einem Abschluss kommt.

Die Finma lehnte einen Kommentar ebenso ab wie die Falcon Bank und deren Eigner, die Mubadala Investment Company, ein Staatfonds aus Abu Dhabi.

Viele Skandale

Falcon blickt auf eine lange Leidensgeschichte zurück. Wegen der Verwicklung in den milliardenschweren Korruptionsskandal rund um den malaysischen Staatsfonds 1MDB kam die Finma 2016 zu dem Schluss, dass die Bank aufgrund ungenügender Abklärungen von Geschäftsbeziehungen und Transaktionen im Umfeld von 1MDB schwer gegen die Geldwäschebestimmungen verstossen habe und drohte im Wiederholungsfall einen Bewilligungsentzug an. Zudem eröffnete die Bundesanwaltschaft eine Strafuntersuchung, die immer noch läuft.

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Der ehemalige Credit-Suisse-Spitzenmanager Walter Berchtold versuchte dann als neuer Falcon-Chef unter anderem mit dem Einstieg in den Handel mit der Kryptowährung Bitcoin das Steuer herumzureissen. Doch Berchtold zerstritt sich mit dem Eigner International Petroleum Investment Company (IPIC), die inzwischen in der Mubadala aufgegangen ist. Seine Nachfolge übernahm 2017 Martin Keller, ebenfalls eine frühere Credit-Suisse-Führungskraft. Mit Hilfe des Strategieberaters Boston Consulting Group versuchte Keller abermals einen Neuanfang.

Verkaufsversuche scheiterten

Doch auch er kämpfte mit starkem Gegenwind. Einschränkungen der Finma – etwa das Verbot der Betreuung von politisch exponierten Personen – erschwerten das Geschäft. Versuche, Falcon zu verkaufen, scheiterten. Dies und der von vielen Mitarbeitern als unzureichend empfundene Rückhalt durch Mubadala nahmen dem Institut Wind aus den Segeln.

Schlüsselmitarbeiter und mit ihnen auch Kunden verliessen die Bank, Falcon verlor Milliarden an verwalteten Vermögen und dürfte jetzt noch auf einen tiefen bis mittleren einstelligen Milliarden-Betrag kommen.

Die Abflüsse sorgten auch für Ertragseinbussen. Weil Falcon immer noch hohe Kosten insbesondere für Personal hatte, schrieb die Bank rote Zahlen.

2019 habe sich abgezeichnet, dass die Umsetzung der neuen Strategie nicht mehr realistisch sei, sagten zwei der Insider. «Die Finma hat der Bank drei Jahre Zeit gegeben, das Geschäft neu aufzustellen», sagte eine der Personen. «Offenbar war sie mit dem Erreichten nicht zufrieden.» Im Oktober habe die Aufsicht dem Falcon-Management in einem Brief eine Frist bis Ende April gesetzt, sagte einer der Insider. Die Abwicklung einer Bank kann viele Monate in Anspruch nehmen.

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(reuters/tdr)