Die Chefin des Berner Energieversorgers BKW sorgt sich um die europäische Integration der Schweiz. «Ich werde langsam sehr nervös bezüglich unseres Verhältnisses mit der Europäischen Integration», sagte sie am Montag an einer Medienveranstaltung. «Ich hoffe, dass wir das Rahmenabkommen doch noch in den Griff bekommen. Die EU braucht die Schweiz halt schon weniger als die Schweiz die EU

Vom Handel zunehmend ausgeschlossen

Der Zugang zum internationalen Stromhandel sei Teil der neuen Energiestrategie der Schweiz, sagt Thoma. Ohne ein Rahmenabkommen gebe es jedoch auch kein Stromabkommen mit der EU, das für diesen Handel zunehmend notwendig ist. Schon heute entgehen den Schweizer Stromproduzenten Geschäften, weil sie von den wichtigen, kurzfristigen Stromhandels-Plattformen ausgeschlossen wurden.

Thoma macht sich stark für eine Liberalisierung des Schweizer Strommarktes und eine Anpassung an die europäischen Spielregeln. Kurzfristig bringe die Strommarktliberalisierung wohl nicht so viele Veränderungen, sagt Thoma. Aber langfristig sei sie nicht zuletzt notwendig, um den Zugang zum europäischen Strommarkt zu erhalten. Wenn die Schweiz kein Stromabkommen bekommt, könnten sich irgendwann «Fragen der Versorgungssicherheit» stellen, so Thoma.

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Dank Loop Flows: BKW verdient mit Ausgleichstrom

Derzeit scheint die Berner BKW aber eher vom Abseitsstehen der Schweiz zu profitieren. Dieses führt dazu, dass immer wieder ungeplant Strom durch die Schweiz fliesst, der eigentlich nicht für diesen Markt vorgesehen wäre. Die Netzbetreiberin Swissgrid muss dann kurzfristig gegen solche «Loop Flows» ankämpfen.

In der Regel tut sie das, indem sie Kraftwerke aus dem Netz wirft, die in Zonen mit zu viel Strom stehen und Leistung aus Kraftwerken abruft, die in Gebieten mit einer Unterversorgung stehen. Der BKW komme dabei zu Gute, dass ihre Kraftwerke strategisch richtig lägen, sagt Thoma. «Wir können oft zu halbwegs erträglichen preisen Strom an die Swissgrid liefern.»