Kaum ein Unternehmen, das sich nicht zu Nachhaltigkeit und Klimaschutz bekennt. Bei der zusehends für Umweltfragen sensibilisierten Kundschaft kommt das gut an – und ist dem Umsatz förderlich.

Doch die Stiftung für Konsumentenschutz kritisiert den Wildwuchs solcher Versprechen von Umweltverträglichkeit und Schadstoffneutralität: Geschäftsführerin Sara Stalder beschwerte sich bereits vor einem Jahr beim Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) über unlautere Werbung der Bergbahnen Engadin St. Moritz Mountains. Nach Intervention des Seco korrigierte das Unternehmen seine Behauptung, klimaneutralen Schneesport anzubieten.

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Es brauche gesetzliche Vorgaben des Bundes, um die Irreführung von Kunden zu verhindern, sagt Daniela Mauchle, Leiterin Recht beim Konsumentenschutz. Mit Beschwerden bei der Schweizerischen Lauterkeitskommission – die bei Beanstandungen gegen unwahre und täuschende Werbung vorgeht – sowie dem Seco hat der Konsumentenschutz in den letzten Monaten Aussagen weiterer Unternehmen angeprangert, die er für unwahr hält. «Greenwashing ist weit verbreitet, das Seco muss tätig werden», hält Mauchle fest.

Der Vorwurf unlauterer Werbung mit Versprechungen zum Klimaschutz richtet sich auch an namhafte Unternehmen wie Coca-Cola, Swisscom, den Autovermieter Avis oder den Zoo Zürich.

Seco-Sprecher Fabian Maienfisch bestätigt, das Staatssekretariat habe in den letzten Monaten mehrere Unternehmen darauf aufmerksam gemacht, dass unwahre Aussagen mit den Angaben «klimaneutral oder ähnlich» das Lauterkeitsgesetz verletzten. Welche Firmen es sind, gibt das Seco nicht bekannt. Über die Aufforderung hinaus, unwahre Werbung zu unterlassen, könnte die Behörde bei deren Missachtung Zivilklage oder Strafantrag gegen Personen oder Firmen erstatten. Maienfisch schränkt aber ein: «Das Seco hat deswegen bisher keinen Strafantrag eingereicht.

Swisscom weist Kritik zurück

Vorstellig geworden ist die Behörde allerdings etwa bei Coca-Cola, wie Unternehmenssprecher Reyn Ffoulkes bestätigt. «Wir stehen derzeit im Austausch mit dem Seco.» Unter anderem geht es um eine nicht mehr verwendete Werbekampagne für Valser Wasser – eine Marke von Coca-Cola. Der Slogan versprach, das Mineralwasser gelange klimaneutral von der Quelle bis zur Kundschaft nach Hause.

Ffoulkes betont, das Unternehmen halte sich bei allen Aktivitäten strikt an die in der Schweiz geltenden Gesetze und Vorschriften. «Wir nehmen die Vorwürfe allerdings ernst und bemühen uns, transparent zu kommunizieren.»

Auch Swisscom räumt ein, beim Seco Rechenschaft ablegen zu müssen. «Es hat uns aufgefordert, den Beweis für die Richtigkeit der Werbeaussage ‹klimaneutrale Dienstleistungen und Produkte› zu erbringen», sagt Sprecherin Sabrina Hubacher. Swisscom kläre nun ab, ob eine Anpassung nötig sei. Die Angaben zur Klimaneutralität seien jedoch extern geprüft. «Die Kritik des Konsumentenschutzes weist Swisscom als ungerechtfertigt zurück.»

Der Autovermieter Avis will sich zum Schriftverkehr mit dem Seco nicht äussern. Man könne dazu keine Angaben machen, hält ein Sprecher fest.

In Bern rechtfertigen muss sich auch der Immobilienmakler Agent Selly. Die Firma wurde vom Seco angehalten, Aussagen zur Klimaneutralität des Unternehmens zurückzunehmen. Ein externer Partner habe sie zertifiziert, betont CEO Philippe Trütsch. Dennoch habe man die Forderungen des Seco fristgerecht umgesetzt – und die Zusammenarbeit mit dem externen Partner eingestellt. Agent Selly nehme den Klimaschutz weiterhin sehr ernst, betont Trütsch.

Auch dem Zoo Zürich wirft der Konsumentenschutz Greenwashing vor. Es sei einzig um ein fehlendes Zertifikat für die Kompensation von Emissionen gegangen, betont Kommunikationschef Dominik Ryser. Man habe dies inzwischen ergänzt und dokumentiert. Der Zoo reduziere seine CO₂-Emissionen fortlaufend und kompensiere den Rest in einem Projekt, das laut Ryser hohen Anforderungen genüge.

«Klimapositiver» Kinderbrei und klimaneutrale Helikopter-Ausflüge

Gesetzliche Vorgaben zu Greenwashing fehlen zwar noch – ein entsprechender Artikel könnte ins neue CO₂-Gesetz aufgenommen werden –, doch die Schweizerische Lauterkeitskommission hat im November eine Richtlinie dazu veröffentlicht. Sie regelt die «kommerzielle Kommunikation mit Umweltbezug und Umweltargumenten».

Die Lauterkeitskommission akzeptiert denn auch Beschwerden des Konsumentenschutzes und beanstandet die Werbung der Winterthurer Heizölfirma Kübler, aber auch des Kindernahrungsherstellers Hipp. Im Internet entschuldigt sich Kübler und korrigiert, nicht das Heizöl sei klimaneutral, die Firma sei jedoch als klimaneutral zertifiziert.

Für die Firma Hipp, die auf dem Etikett eines Kinderbrei-Gläschens behauptete, er sei «klimapositiv», sagt Sprecher Clemens Preysing, diese Verpackung werde seit einem Jahr nicht mehr ausgeliefert und vom Markt genommen. Am Unternehmensziel, positiv auf das Klima zu wirken, halte Hipp fest.

Noch ausstehend ist der Beschluss der Lauterkeitskommission zu einer Beschwerde gegen die Zentralschweizer Helikopterfirma Elite Flights. Die beansprucht sogar, klimaneutrale Helikopter-Ausflüge anzubieten. 

Dieser Artikel erschien zuerst beim «Blick» unter dem Titel: Coca-Cola und Swisscom stehen am Pranger.