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Comparis hadert mit seinem Spitalvergleich

Spital: Patienten soll Noten geben. Keystone

Comparis ist Erfolg gewohnt. Doch beim Versuch, Spitäler zu vergleichen, hakt es seit dem Start vor einem Jahr. Zu wenige machen mit und schreiben Bewertungen - und das ist nicht das einzige Problem.

Von Alina Leimbach
am 26.10.2016

Seit Jahren vergleicht Comparis, was das Zeug hält. Der neuste Schachzug des Vergleichsriesen: Eine Art TripAdvisor für Spitäler. «Wir wollen Nummer eins unter den Spitalvergleichsplattformen werden», gibt Comparis-Gesundheitsexperte Felix Schneuwly selbstbewusst vor.

Das Konzept ist simpel: Mit wenigen Klicks kann jeder User Noten zu Hotel­lerie, Abläufen und Ärzten vergeben. Egal, ob er im Spital war oder nicht, denn einen Nachweis für den Spitalbesuch braucht 
es nicht. Die Wertungen werden wie bei ­Hotelbewerter TripAdvisor gerankt.

Konkurrenz mit mehr Daten

Doch obschon Comparis als Vergleichsportal stark positioniert ist: Mit dem jüngsten Kind läuft nicht alles rund. Auf der Comparis-Website gibt es erst wenige Spitäler, die bewertet wurden. Dabei ist das Spitalportal vor mehr als einem Jahr gestartet. Bei den Herz-Operationen etwa gibt es kein einziges Spital, das genug Bewertungen hat, um angezeigt zu werden. Auf immerhin 20 bewertete Kliniken kommen die Geburtshäuser.

Bei der Konkurrenz wie Spitalfinder oder Qm1 wird der User hingegen vollständig fündig. Sie listen Informationen zu allen Spitälern der Schweiz. Das können sie, weil sie sich auf die offiziellen Zahlen des Bundesamts für Gesundheit (BAG) und des Vereins ANQ, der die Qualität in den Spitälern fördern will, stützen.

Zufriedenheit ist nicht Qualität

«Das BAG braucht mehr als eineinhalb Jahre, bis es seine Statistik veröffentlicht. Bei uns kann sofort nach dem Besuch ­bewertet werden», erklärt Schneuwly die Vorteile der Comparis-Online-Bewertung. Patienten seien bislang noch nicht daran gewohnt, Spitäler und Ärzte im Internet zu vergleichen. Das brauche etwas Zeit.

Doch auch die Methodik von Comparis wird kritisiert: «Zufriedenheit sagt kaum etwas über die Qualität der medizinischen Behandlung aus», moniert Gesundheitsökonomin Anna Sax. Noch drastischere Kritik formuliert ein Sprecher von Com­paris-Konkurrent Qm1: «Da jeder mit ­wenigen Klicks bewerten kann, ist das Ganze manipulationsanfällig.» Gerade für kleine Häuser, die bei anderen Rankings wegen geringer Fallzahlen weiter unten auftauchen, könnte so etwas verlockend sein: «Spitäler könnten einfach nur ihre zufriedenen Patienten dazu animieren, abzustimmen», sagt er.

Daten zu Geld machen

Comparis hat allerdings noch ein anderes Problem. Bisher fehlt ein klares ­Geschäftsmodell. Bei Handy-Verträgen oder Prämien kassiert das Unternehmen von den Betreibern oder Krankenkassen eine Gebühr für Abschlüsse oder Anfragen. Eine solche Vermittlungsgebühr lehnt Comparis bei den Spitälern jedoch ab. «Das wäre für die Mehrheit der Patienten ohne Spitalzusatzversicherungen sehr heikel», sagt Schneuwly.

Andere Ideen zündeten bislang nicht. So scheiterte der Plan, sich erneut an die Krankenkassen zu halten und von ihnen Geld für die Zufriedenheitsmessung zu verlangen. Denn die Kassen haben eigene Portale aufgeschaltet. CSS meldet ebenfalls Ansprüche an die Markführerschaft an: «Wir wollen der TripAdvisor für Spitäler werden», sagt die CSS-Mediensprecherin Christina Wettstein.

Auch der Kassen-Dachverband Santésuisse mischt bei den Spitalvergleichen mit, mit einer eigenen, umfangreichen Website. Noch einmal wollen sich die Krankenversicherer nicht vor den Comparis-Karren spannen lassen. Bei den Prämien hatte das Unternehmen eine Marktmacht erreicht, welche fast alle Kassen zum Mitmachen zwang.

Mit Relaunch

Nun hofft Comparis, im Auftrag der Spitäler die Patienten zu befragen – und damit Geld zu machen. Doch auch hier muss sich der Riese auf Gegenwind gefasst machen: «Wir lassen die Leute zwar die Comparis-Bewertungsbögen ausfüllen, aber dafür zahlen würden wir nicht», sagt Susanne Leu, Mitglied der Geschäfts­leitung des Geburtshauses Stans.

Ein Sprecher des Spitals Bülach äussert sich ebenfalls kritisch: «Wenn wir von Comparis angefragt würden, lehnten wir ab. Ich weiss ja: Wenn ich auf die Plattform gehe, komme ich auf eine kommerzielle Plattform mit Eigeninteressen.» Im November steht ein Relaunch des Spitalvergleichs von Comparis an. Dann will sich das Portal verbreitern. Den Kampf um die Nummer eins im Spitalvergleichsmarkt hat der Vergleichsriese nicht aufgegeben.

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