Der Pharmakonzern Novartis hat von der ebenfalls aus der Schweiz stammenden Molecular Partners die Vermarktungsrechte für zwei Medikamente zur möglichen Coronavirus-Prävention und -Behandlung gekauft. Im Rahmen der Zusammenarbeitsvereinbarung erhalte Molecular eine Vorauszahlung von 60 Millionen Franken, wie Novartis am Mittwoch mitteilte. Dazu könnten weitere 150 Millionen Franken sowie umsatzabhängige Zahlungen kommen.

Molecular Partners werde klinische Studien der Phase 1 ausführen, die im November 2020 beginnen sollen. Novartis sei dann für klinische Studien der Phasen 2 und 3 sowie alle weiteren Entwicklungs- und Kommerzialisierungsaktivitäten verantwortlich.

Deal mit BAG

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hatte Mitte August mit Molecular Partners einen Reservations-Vertrag für ein Covid-19-Medikament unterzeichnet.

Wenn das Medikament die klinischen Tests erfolgreich durchläuft und für den Markt zugelassen wird, erhält die Schweiz prioritären Zugang, so die Vereinbarung. Bislang ist die DARPin genannte Therapie erst im Reagenzglas erforscht – die klinischen Studien laufen geplant. Das Unternehmen hofft, dass erste Ergebnisse vor Ende dieses Jahres vorliegen.

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200'000 bis 3'000'000 Dosen

Mit dem Vertrag sichert sich der Bund Zugang zu den ersten 200'000 Dosen des Covid-19-Medikaments sowie ein Recht auf Lieferung von 3 Millionen weiteren Dosen. Beim Medikament handelt es sich um ein Immunotherapeutikum. Im Ansatz sei die Therapie vergleichbar mit Mischungen von Antikörper-Therapien, mit denen das Virus neutralisiert werden solle, in einem Medikament.

Molecular Partners, gegründet 2004 als Spin-off der Universität Zürich, ist seit November 2014 börsenkotiert; die Aktie gehört zum breiter gefassten Marktindex SPI. Zuletzt wurde das Unternehmen zu 420 Millionen Franken bewertet.

Das Covid-19-Medikament aus Schlieren soll in erster Linie der Behandlung von mit dem neuen Coronavirus infizierten Menschen dienen. Es könne in gewissen Fällen aber auch prophylaktisch zum Schutz vor einer Infektion verabreicht werden, etwa für exponiertes Spitalpersonal oder andere Risikogruppen.

Vorteil Bakterien

Bei den DARPins-Therapien handelt es sich um künstliche Proteine, die Antigene erkennen und binden könnten. Im Mai meldete Molecular-Partners, dass mehrere Darpin-Kandidaten bei In-vitro-Potenzbewertungen das Virus vollständig neutralisieren konnten. Dies lasse darauf hoffen, dass schon sehr geringe Mengen für eine therapeutische Wirkung reichten. 

Ein Punkt dabei: Die notwendigen antikörperähnlichen Eiweisse können in Bakterien produziert werden, während die üblichen Antikörper im Kampf gegen Viren in Zellen von Säugetieren vermehrt werden, was den Prozess verlängert.

(reuters/gku/rap)

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