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Credit Suisse führt Negativzinsen ein

Credit Suisse: Grosskonzerne und Pensionskassen müssen zahlen.  Keystone

Die Schweizer Grossbank Credit Suisse verlangt als erstes Schweizer Geldhaus einen Strafzins von Grosskunden. Wegen der SNB-Politik melkt sie nun Konzerne und Pensionskassen.

Veröffentlicht am 18.01.2015

Die Credit Suisse bittet Grosskunden zur Kasse. Wenn Konzerne oder Pensionskassen bei ihr viel Geld anlegen, müssen sie bald dafür zahlen. Die Grossbank reicht damit die Negativzinsen weiter. Die Credit Suisse verweist darauf, dass die Schweizerische Nationalbank (SNB) im Dezember einen negativen Leitzins angekündigt hat, der nun per 22. Januar auf -0,75 Prozent erhöht wird.

«Aufgrund der derzeitigen Entwicklungen wird bei institutionellen Kunden und grossen Firmenkunden eine Guthabenkommission eingeführt», sagte CS-Sprecherin Daniela Häsler auf Anfrage. Sie bestätigte damit einen Bericht der «SonntagsZeitung».

Keine Negativzinsen für KMU und Sparer

Für kleine und mittlere Unternehmen (KMU) gelte die Regelung nicht. Auch plane die CS keine Einführung von Negativzinsen respektive Guthabenkommissionen auf Sparguthaben von Individualkunden. Hingegen kämen bei Guthaben von Finanzinstituten bereits seit längerem entsprechende Massnahmen zur Anwendung, sagte Häsler.

Zum Zeitpunkt der Einführung und der Höhe der Kommission für Grossfirmen und institutionelle Kunden äussert sich die CS nicht. Die Kunden würden individuell informiert. Bislang gehen Branchenexperten nicht davon aus, dass Banken die Negativzinsen auch an Kleinsparer weiter reichen. Allerdings zehren Kontogebühren und -spesen bereits erhebliche Anteile der tief gesunkenen Zinserträge auf.

Indirekte Belastung der Kleinsparer

Auch wenn der Strafzins für Kleinsparer vorerst ausbleibt – indirekt könnten die Massnahmen für grosse Bankguthaben auch die kleinen Konten belasten. «Hinter einem Investmentfonds, der für seine Einlagen Negativzinsen zahlen muss, stehen auch Gelder von Privatanlegern», heisst es vonseiten des deutschen Verbraucherschutzes.

Deutsche Institute waren die ersten, die den Negativzins an Grosskunden weiterreichten. Seit September verlangt die Europäische Zentralbank, ähnlich wie die SNB, einen Strafzins von 0,2 Prozent, wenn Banken bei der Notenbank über Nacht Geld anlegen.  Im November reagierte dann die Commerzbank – immerhin das zweitgrösste Geldhaus Deutschlands. Die Bank kündigte an, hohe Millionenbeträge auf den Konten von Grosskonzernen und Profi-Anlegern mit einem Strafzins zu belegen. Weitere Banken folgten.

Dass Kleinsparer vom Negativzins verschont bleiben werden, bezweifelt auch Stefan Winter, UBS-Manager und Vorsitzender des Verbandes der Auslandsbanken in Deutschland. «Auf Dauer kann man nicht ausschliessen, dass das beim Privatkunden ankommt.»

(sda/ise)

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