Um vier Milliarden Franken hat die Credit Suisse ihre Aktionäre heute an der ausserordentlichen Generalversammlung gebeten. Nur drei Wochen nach dem ordentlichen Zusammentreffen – nicht eben ein gutes Timing.

Eigentlich war den CS-Chefs ja schon im Herbst 2015 klar gewesen, dass die Bank deutlich mehr Kapital benötigt – doch dies klar zu sagen, getrauten sie sich irgendwie nicht. Vielmehr wurde der damals verkündete Teilbörsengang der Schweizer Einheit, der ursprünglich die vier Milliarden in die Kassen spülen sollte, als strategischer Wurf dargestellt, der einen Ruck durch die Bank bringen sollte.

Gleiches Geld, weniger Aktien

Nun, da das IPO nach der Kritik einzelner Grossaktionäre vom Tisch gewischt wurde, steht die eigentliche Geldbeschaffungsmassnahme im Vordergrund. Im Grunde richtig: ein IPO des Kerngeschäfts hielten Praktiker stets für eine Schnapsidee.

Das Vorhaben, mehr Kapital aufzubauen, hätte man gleich 2015 vollziehen können, wurden die Aktionäre im Rahmen der damaligen Strategieverkündung ja schon einmal um Milliarden gebeten. Weil der Kurs damals deutlich höher lag als heute, hätte man für das gleiche Geld deutlich weniger Aktien ausgeben müssen.

Doch Kleckern statt Klotzen lautet seit jeher das Motto. Und so lastet eine chronische Knappheit wie ein Fluch auf der Bank – schon seit Jahrzehnten.

Langes Suchen

Begonnen hat das Ganze 1977 mit dem Chiasso-Skandal, der ein Milliardenloch in die zuvor dicken Reservepolster riss. Seither versucht die CS mit allerlei Mätzchen, ihre Eigenmittelsituation zu verbessern. Etwa in den achtziger Jahren mit der Gründung der CS Holding, in welche die Industriebeteiligungen eingebracht wurden, mit dem Ziel, Eigenmittel zu sparen. Die Regulatoren verwehrten den Segen.

1996 versuchte die CS ihre Probleme durch eine Fusion mit der Bankgesellschaft zu lösen – Ziel waren deren fette Reserven. Doch die Bankgesellen rochen den Braten. 2012 wiederum wurde die CS von der Nationalbank zur Verstärkung der Kapitalpolster gedrängt. Zähneknirschend mussten sich die CS einmal mehr auf die Suche nach Kapital machen – und sammelten insgesamt 15 Milliarden sein, unter anderem bei den grossen Staatsfonds von Katar oder Norwegen

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Begrenzte Reichweite

Nun hat die Bank aber diese Grossaktionäre am Hals und muss sie mit grosszügigen Dividenden bei Laune halten. Dies führt dazu, das ein Teil des aufgenommen Geldes unten wieder raus fliesst: über eine Milliarde pro Jahr waren es zuletzt. Nach vier Jahren sind die heute aufgenommen Milliarden im Grunde also schon wieder weg. Gut möglich, dass der Fluch die Bank in Zukunft schon bald wieder einholen wird.

So kam es zum IPO-Rückzug bei der Credit Suisse: