Weisses Hemd, graubraune Hose, graubraunes Jackett – so gekleidet sass Daniel Vasella letzte Woche auf einem graubraunen Sofa und gab dem «Sonntagsblick» ein exklusives Interview. Kurz davor hatte er seinen Rücktritt als Verwaltungsratspräsident von Novartis bekannt gegeben. Er sprach über die Vergangenheit, über die Zukunft und über Geld. Unerwähnt blieb seine private Stiftung, die er in früheren Mediengesprächen so gerne erwähnt hatte.

«Kinder in Not» taufte Vasella die Förderstiftung, als er sie Ende Juli 2001 ins Leben rief. Im Stiftungsrat sitzen von jeher er selber, seine Frau Anne-Laurence sowie die Tochter Emilia. Laut Statuten ist Vasella aber der Alleinherrscher. Er hat das alleinige Recht, Stiftungsräte zu ernennen und abzuberufen. Zu Beginn wurde die Stiftung mit 450000 Franken ausgestattet. Inzwischen ist das Vermögen aber weiter angewachsen – dank Vasellas Arbeitgeber, dem Pharmakonzern Novartis.

Am 24. Februar 2003 gründete auch Novartis eine Fördereinrichtung. Der Pharmakonzern nannte sie «Stiftung für notleidende Kinder» und alimentierte sie zu Beginn mit einem Kapital von einer Million Franken. Der Zweck der Unternehmensstiftung war praktisch identisch mit jenem von Vasellas privater Einrichtung.

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Im Vordergrund beider stehen «Beiträge für genügend Ernährung, medizinische Grundversorgung, gute Grundausbildung». Als Stiftungsräte setzte der Konzern einen eigenen Kadermann ein sowie Vasella und dessen Studienfreund Jacques Seydoux, Präsident des Schweizerischen Gynäkologenverbandes.

Herrscher zweier Stiftungen

Damit redete Vasella also bei zwei Stiftungen mit, deren Ziele praktisch deckungsgleich waren. Dass es sich bei der einen Stiftung von Beginn weg um eine Novartis-Körperschaft handelte, lässt sich den Gründungsakten und einem Zirkularbeschluss des Stiftungsrates entnehmen, der im Handelsregister abgelegt ist. Dennoch änderte die Novartis-Stiftung schon bald nach der Gründung ihren Namen von «Stiftung für notleidende Kinder» in Aldava – ein Akronym für die Eheleute Anne-Laurence und Daniel Vasella.

Mit neuem Namen finanzierte die Novartis-Stiftung ab 2004 ein Schul- und Gesundheitsprojekt in Mali. 2006 finanzierte Aldava im nordafrikanischen Land die Doktorarbeit eines Medizinstudenten an der Universität der Hauptstadt Bamako. Weitere Aktivitäten sind nicht bekannt. Weder Vasella noch Novartis wollten die Fragen der «Handelszeitung» zu Aldava beantworten.

Dabei wäre die Antwort auf eine davon besonders interessant. Nämlich jene, warum die damalige Novartis-Stiftung plötzlich von Vasellas privater Stiftung übernommen wurde. 2007 führten die Leitungsgremien beider Stiftungen Fusionsgespräche. Auf der einen Seite verhandelten Vasella, sein Studienfreund Seydoux und der Novartis-Kadermann. Auf der anderen handelten Vasella sowie seine Frau und seine Tochter.

Begründet wurden die Fusionsverhandlungen mit dem quasi identischen Zweck beider Stiftungen. Lege man sie zusammen, so befanden die Verantwort­lichen, könne man deren Ziele effizienter verfolgen. Schliesslich einigte man sich darauf, dass Vasellas Stiftung Kinder in Not die Novartis-Stiftung Aldava übernehmen werde.

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Millionentransfer kurz vor Schluss

Kurz vor Vollzug des Zusammenschlusses und der Übergabe der Stiftung an Vasella überwies der Pharmakonzern der eigenen Einrichtung noch 3 Millionen Franken. Das geht aus Akten aus dem Handelsregister hervor. Per 1. Januar 2008 folgte dann die Fusion der beiden Institutionen. Insgesamt erhielt Vasella von Novartis also rund 4,5 Millionen Franken zugunsten seiner privaten Stiftung.

Warum Vasella die Novartis-Stiftung übernahm und nicht Novartis die Vasella-Stiftung, ist bis heute nicht klar. Der ehemalige Novartis-Kadermann und frühere Stiftungsrat erinnert sich nicht an die Gründe. Novartis-Sprecher Satoshi Sugimoto sagt nur: «Es gibt keinen speziellen Grund. Es machte keinen Sinn, zwei getrennte Stiftungen zu haben, zumal der Stiftungszweck derselbe war.»

Laut eigenen Angaben gaben Vasella und seine Familie einen «zweistelligen Millionenbetrag» an wohltätige Institutionen weiter. Ob das Geld an die eigene Stiftung oder aber an fremde Organisationen ging, ist nicht bekannt. Klar ist hingegen, an wen die von Novartis mitfinanzierte Privatstiftung im Todesfall übergehen würde: An Vasellas Frau oder Kinder, sollte Vasella inzwischen nichts anderes bestimmt haben.

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Dazu passt, dass der Novartis-Lenker im «SonntagsBlick»-Interview sagte, er wolle nicht, dass seine Kinder bei null anfangen müssen. «Sie sollen etwas tun können, was sie gerne machen – und eine gewisse Sicherheit haben.»

 

Teilrücktritt: Vasella bleibt ein Global Player: In den USA weiterhin aktiv
Auch nach seinem Rücktritt als Verwaltungsratspräsident von Novartis wird Vasella ein globaler Akteur sein. Schon seit 2002 gehört er dem Aufsichtsgremium des Süssgetränkekonzerns von Pepsi an. Seit Juli 2012 ist er zudem Verwaltungsrat des Finanzkonzerns American Express. In der Schweiz ist Vasella seit zwölf Jahren Stiftungsrat der Stiftung für die päpstliche Schweizergarde. Den Sitz im Forum of Young Global Leaders gab er vor einem Jahr auf.