Wetter, Währung, Wirtschaft – drei «W» gelten als wichtigste Herausforderungen für den Schweizer Tourismus. Philippe Frutiger, CEO der Giardino-Hotels, nennt ein viertes: Weissgeld. «Uns fehlen Gäste aus Europa, weil es in der Schweiz kein Schwarzgeld mehr gibt», erklärte er jüngst im Fachblatt «hotel-revue».

Was andere Hoteliers hinter vorgehaltener Hand sagen, bestätigt Frutiger im Gespräch mit der «Handelszeitung» klipp und klar: «Viele Gäste, etwa aus Deutschland oder Italien, kamen verlässlich und wetterunabhängig in die Schweiz, gingen ihren Bankgeschäften nach und stiegen dann in Luxus-Hotels ab. Solche Schwarzgeld-Gäste fehlen heute.»

«2015 ist ein Jahr mit doppelter Härte»

Frutiger will nicht in eine Bank-Debatte eingreifen, sondern die Realität schildern: «2015 ist ein Jahr mit doppelter Härte: Es ist das erste Jahr ohne Schwarzgeld. Dazu hat uns die Aufhebung der Euro-Untergrenze schwer getroffen.»

«Nachdem solche Schwarzgeld-Kunden von den Banken 30 bis 40 Jahre lang verwöhnt wurden, verjagte man sie plötzlich unsanft aus dem Paradies», sagt Frutiger. Die Art und Weise, mit der das geschah, sei eigentlich unentschuldbar.

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«Fatale» Aufhebung des Bankgeheimnisses

In ähnlicher Weise hatte sich Jan Brucker, Präsident von Swiss Deluxe Hotels und Generaldirektor des Widder Hotels in Zürich schon im März gegenüber bilanz.ch geäussert. «Die Bankenkrise und nun auch die Quasi-Auflösung des Schweizer Bankgeheimnisses waren für uns fatal», sagte Brucker damals.

Das Hotel mitten in der Zürcher Altstadt sei ein Treffpunkt für die Branche gewesen. Das habe sich nun aber geändert. «Bankkunden aus Deutschland, die wir drei- bis viermal im Jahr sicher hatten, die ihre Bankgeschäfte in Zürich oder in der Schweiz nachgingen, ihr Geld abholten und in der Bahnhofstrasse wieder ausgaben – die sind weniger geworden», so Brucker.

Brasilien und Asien springen in die Bresche

Neben Frutiger hat in der letzten Woche ein weiteres Schwergewicht der Branche die Folgen der Weissgeldstrategie für die Hotels bestätigt. Gegenüber «Le Temps» erklärte Andrea Kracht, Besitzer des Zürcher Traditionshotels Baur au Lac, die neue Herausforderung.

Seit dem Zweiten Weltkrieg hätten viele Gäste aus den USA und Deutschland wegen des Bankgeheimnisses zur Stammkundschaft gehört. Diese Zeiten seien nun vorbei. Die Kundschaft habe sich stark verändert, so Kracht. «Ersetzt wurden diese Leute durch Gäste aus Brasilien und aus Asien.»

Uhrenfirmen leiden unter Antikorruptionskampagne

Die Probleme der Hotels sind nicht der erste Fall, in dem die Durchsetzung von gesetzlichen Regelungen zu empfindlichen Verlusten für die Luxusindustrie führt. Die Schweizer Uhrenbranche leidet zum Beispiel stark unter der rigorosen Antikorruptionskampagne des chinesischen Präsidenten Xi Jinping.