Das Projekt war ambitioniert: Für eine Pracht-Badelandschaft mit 53-Meter-Hotelturm suchten die Gemeinden des unteren Saalachtals in Österreich mit ihrer Projektgesellschaft Theba 60 Millionen Euro. Im Deutsch-Usbeken Artur Menaker-Ariev mit Wohnsitz im Kanton Sankt Gallen fanden sie den vermeintlichen Geldauftreiber. Sie überwiesen einem seiner Anwälte einen Vorschuss von 380'000 Euro. Bekommen haben sie dafür freilich nichts.

Menaker trat in Österreich als potenter Investor auf. Er anerbot Hilfe beim Thermenprojekt. Doch er ist in Salzburg wegen des Vorwurfs auf gewerbsmässig schweren Betrugs angeklagt. Und Recherchen zeigen, dass Menaker-Ariev auch in der Affäre um den «Chiemsee-Kessel» mitmischte.

Mal «Heiliger Gral», mal Keltenkunst

Der «Spiegel» sprach in der Affäre stets von «Hitlers Nachttopf». Im Jahr 2001 fand ein Taucher im bayerischen Chiemsee einen Goldkessel auf dem Seegrund. Bald darauf machten wilde Gerüchte die Runde, es handle sich möglicherweise um ein Geschenk für Adolf Hitler. Mal war es der Heilige Gral, dann wieder ein Sensationsfund aus der Keltenzeit.

2005 landete der Goldkessel für einige Hunderttausend Franken bei Marcel W. Der Schweizer Geschäftsmann von der Goldküste machte sich mit seiner Entourage daran, das Artefakt in Deutschland, Osteuropa und Asien bei reichen Klienten als hochlukratives Investment anzupreisen - Ws. Truppe sammelte Investorengelder ein, mit dem Versprechen, das Artefakt sei Hunderte von Millionen wert.

24 Millionen Franken Schaden

Es war immer unklar, aus welcher Zeit der Kessel wirklich stammt und wieviel Wert er wirklich hatte. 2006 hagelte es eine Klage misstrauischer Investoren. Der Fall nahm seinen Lauf und sorgte weltweit für Schlagzeilen. Der Schaden für die Übertölpelten belief sich auf 24 Millionen Franken.

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Geschäftsmann W. ist unterdessen rechtskräftig wegen Betrugs zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden. Der Fall beschäftigt aber noch immer die Gerichte - nun geht es noch um das Strafmass. Der Goldkessel wiederum wurde letztes Jahr vom Betreibungsamt Rapperswil-Jona für eine unbekannte Summe verkauft.

Betreibungen für 30 Millionen Franken

Im Umfeld von Marcel W. war auch Menaker-Ariev tätig. So amteten beide als Verwaltungsräte der Swiss Invest Group Holding. Die «Weltwoche» wusste zu berichten, dass W. versucht habe, den vermeintlichen Gral an Menaker-Ariev zu verkaufen, für 30 Millionen Euro. Doch der Haken sei dabei gewesen, dass M. «selber in das Goldkessel-Projekt involviert war - als Investorenfänger». Das Konkursamt habe den Verkauf an Menaker denn auch verhindert.

Heute schätzt die Finanzdatenfirma Teledata die Bonität von Menaker als «sehr tief» ein und listet gegen ihn laufende offene Betreibungen in der Höhe von 30 Millionen Franken auf. Menaker bestreitet im Gerichtsfall in Österreich jegliche Schuld, entzog sich aber dem Verfahren.

Für handelszeitung.ch war er nicht zu erreichen, sein Pflichtverteidiger in Salzburg wollte keinen Kontakt zu ihm herstellen lassen.