Onlinehändler gehören zu den klaren Gewinnern der Pandemie – und Asos aus Grossbritannien wohl insbesonders. Denn jetzt leistet sich der Onlinehändler eine Einkaufstour im eigenen Land. Und übernimmt Topshop, einer der bekanntesten Modeketten in Grossbritannien, für 295 Millionen Pfund, was rund 362 Millionen Franken entspricht.

Dazu plant Asos, alle Läden von Topshop zu schliessen. Das sind rund 500 Shops in 58 Ländern. In der Schweiz hatte Topshop keine Filiale. 

Milliardär war grösster Teilhaber

Topshop ist ein Teil der Arcadia Group, die nun Insolvenz anmelden musste. Grösster Aktionär ist der britische Milliardär Philip Green. Mit der Übernahme macht sich Asos auch die Marken Topman, Miss Selfridge und HIIT zu eigen. Der Kauf findet vollständig in bar statt und beinhaltet rund 30 Millionen Pfund an Inventar. 

Damit setzte sich Asos im Bieterwettbewerb gegen die Konkurrenz von Authentic Brands Group, dem Eigentümer vom US-Luxuskaufhaus Barney's durch, sowie einem chinesischen Onlinehändler und dem Modeanbieter Next.

Topshop erwirtschaftete zusammen mit den anderen Brands 2019 einen Umsatz von rund 1 Milliarde Pfund.

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Läden fallen plötzlich weg

Asos und Topshop waren aufgrund der Zielgruppe seit Jahren Konkurrenten. Durch die Pandemie hat sich die Situation schlagartig verändert - Asos verzeichnete einen Zuwachs, während die Topshop-Läden wegen der Lockdowns geschlossen waren.

Der Flagship-Store von Topshop am Oxford Circus wurde in normalen Betriebszeiten von bis zu 30'000 Kunden pro Tag frequentiert. Nun wird Asos nach der Pandemie keine Konkurrenz mehr von Kunden, die sich in den Topshop-Filialen mit der neusten Kleidung eindecken, spüren, und kann das Angebot auf den Onlinekanal konzentrieren.

Die physischen Shops spielen keine Rolle mehr. Hunderte Filialen werden schliessen und damit aber auch Tausende von Mitarbeitern entlassen.

Traditionsmarken werden geschluckt

Asos will aber auch seinen Kundenstamm erweitern. Denn Topshop hatte vor allem in den USA und Europa einen starken Namen. 

Das Modelabel hatte aber in den vergangenen Jahren zu kämpfen, seit Grossaktionär Greens Einzelhandelsimperium nach dem Verkauf seines Kaufhauses BHS im Jahr 2015 ins Wanken geriet, und als die Pandemie-Schliessungen den Umsatz weiter einschränkten.

Grossbritanniens Online-Modehändler kaufen immer wieder Labels auf, welche seit Jahrzehnten die Einkaufszentren des Landes dominieren. Letzte Woche beschloss der Asos-Rivale Boohoo, die Marke Debenhams für 55 Millionen Pfund zu kaufen.

(tdr)

Mit Material von Bloomberg

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