Die Busse war überraschend hoch. Bei klei­neren Verstössen gegen die Ad-hoc-Publizität ­erlässt die SIX einen Sanktionsbescheid mit einer Höchststrafe von 100 000 Franken. Nur bei gröberen Vergehen tagt die Sanktionskommission, und da beträgt die Maximalstrafe bei fahrlässigem Ver­gehen eine Million Franken.

Die Busse in Höhe von 750 000 Franken, welche die SIX dem Basler Chemiekonzern Clariant aufbrummte, ist also gröberes Geschütz – vor allem für Firmenlenker Hariolf Kottmann, der seit Juli Clariant im Doppelmandat führt.

Kottmann trägt die Verantwortung

Dass er allein die Verantwortung für das Vergehen trägt, bestreitet er nicht einmal. Kottmann hatte vier Tage vor der Verkündung der Fusion von Clariant mit der texanischen Huntsman im Mai 2017 in einer New Yorker Kanzlei, in der die Spezialisten die letzten Details besprachen, seine Kommunikationsleute angewiesen, die Berichterstattung in der Wirtschafts­sendung «Eco» zu organisieren.

Sein Team informierte daraufhin eine Journalistin, die Kottmann kannte. Er war sich durchaus der Ad-hoc-Problematik bewusst und liess die Journalistin eine Geheimhaltungserklärung unterschreiben. Doch nicht alle an der Produktion beteiligten Personen bekamen eine der­artige ­Erklärung vorgelegt.

In dem Beitrag war Kottmann zu sehen, wie er im Zürcher Hotel Widder mit der Huntsman-Seite den Deal besprach. Die Fusion wurde aber erst am nächsten Tag verkündet. Man könnte auch sagen: Es war der teuerste Wirtschaftsbeitrag, den die Schweiz je gesehen hat. Die Kosten will Kottmann nicht persönlich übernehmen – und die anderen elf Verwaltungsräte lassen ihn gewähren.

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