Seit Mitte März sind in der Uhrenindustrie in der Schweiz mehrere hundert Stellen verloren gegangen. Ob es im gleichen Stil weitergeht, hängt vor allem von der weiteren Entwicklung der Corona-Krise ab.

«Es ist sehr schwierig vorherzusehen, ob es zu weiteren Kündigungen kommt oder nicht», sagt François Matile, Generalsekretär des Arbeitgeberverbandes der Schweizerischen Uhrenindustrie, im Gespräch mit der Nachrichtenagentur Keystone-SDA.

Die Situation präsentiere sich sehr uneinheitlich. Verschiedene Unternehmen, auch sehr kleine, hätten noch genügend Arbeit. Andere hingegen hätten «seit zwei Monaten keine einzige Uhr verkauft», sagte Matile.

Ob es zu einem weiteren Stellenabbau komme, hänge vor allem von der weltweiten Nachfrage ab, fügte er an. Denn in Zeiten der Ungewissheit werde der nicht lebensnotwendiger Gütern auf bessere Tage verschoben. "Einige Kunden verzichten daher möglicherweise auf den Kauf einer Uhr", betonte Matile.

Weltwirtschaft entscheidend

Daher sei für den weiteren Verlauf der Beschäftigung in der Uhrenindustrie entscheidend, wie rasch sich die Weltwirtschaft erhole. «Das schlimmste Szenario wäre eine Erholung in L-Form, bei welcher die Aktivitäten lange auf einem tiefen Niveau bleiben», erklärte Matile.

Schwierig sei die Situation für die Zulieferer, welche eine schlecht laufende Uhrenindustrie jeweils als Erste zu spüren bekämen. Insbesondere für Unternehmen, welche ausschliesslich für den Uhrenmarkt arbeiteten, wie etwa die Hersteller von Gehäusen, Zifferblättern oder Uhrzeigern.

Diejenigen Unternehmen, die bereits Leute entlassen hätten, hätten auch schon vor der Corona-Krise Probleme gehabt, fügte er an. Denn die Branche sei ja schon im Vorjahr von den Unruhen in Hongkong getroffen worden, dem wichtigsten Exportmarkt der hiesigen Uhrenindustrie.

Noch 30'000 Personen in Kurzarbeit

Während des «Lockdown» haben fast 400 der 550 Unternehmen aus der Uhrenbranche, die dem Tarifvertag angeschlossen sind, Kurzarbeit in Anspruch genommen. Insgesamt waren 40'000 Personen von der Massnahme betroffen.

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«Aktuell sind nach wie vor 30'000 Mitarbeitende in Kurzarbeit», erklärte Matile. Nicht alle steckten aber in der gleichen Situation. «Einige Unternehmen befinden sich in einem völligen Stillstand, andere nur in einem teilweisen», fügte er an. Der Schweizer Uhrensektor zählt insgesamt 59'000 Arbeitsplätze, von diesen fallen 51'000 unter das Tarifabkommen.

(awp/tdr)