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Die durchzogene Bilanz von Migros-Präsident Andrea Broggini

Andrea Broggini, Praesident des Migros-Genossenschaftsbundes, aufgenommen am 14. November 2012 in Zuerich. (KEYSTONE/Gaetan Bally)
Andrea Broggini: Der Präsident der Migros hat nicht allzu viele Stricke zerrissen.Quelle: © KEYSTONE / GAETAN BALLY

Der nächstes Jahr abtretende Migros-Präsident Andrea Broggini hat einiges richtig gemacht. Insgesamt aber hat er die Migros kaum voran gebracht

Von Stefan Barmettler
am 05.10.2018

Der Tessiner Andrea Broggini wurde 2012 eher überraschend zum Präsidenten der Migros gewählt. Sein Trumpf war seine Herkunft aus dem Tessin. Mit ihm war die lateinische Schweiz wieder prominent vertreten. In seiner Zeit als Präsident, die er nun bereits 2019 vorzeitig beendet, blieb er intern wie extern weitgehend unbekannt – und unfassbar.

Was hat er gut gemacht? Was schlecht? Und welche Spuren hinterlässt der Hintergrund-Arbeiter überhaupt? Hier eine erste Bilanz seiner  Präsidentenschaft im Migros-Konzern:

Was Broggini gut gemacht hat...

Broggini hat letztes Jahr die Kür des neuen Migros-Konzernchef optimal vorbereitet. Am Schluss standen sich Direktionsmitglied Fabrice Zumbrunnen und Migros-Zürich Chef Jörg Blunschi gegenüber. In der Schlussrunde machte der jüngere Zumbrunnen das Rennen. Er scheint eine gute Wahl, hat mit Dynamik das Projekt Fast Forward (Reorganisation der Migros-Zentrale) und das Projekt Puma (Synchronisierung von Migros-Zentrale, Industrie, Genossenschaften) zügig an die Hand genommen. Der unterlegene Blunschi blieb der Migros erhalten.  

Zudem hat Broggini die angejahrten Statuten und Reglemente des Migros-Genossenschaftsbundes wieder auf Vordermann gebracht. Als Jurist war er prädestiniert für diese undankbare Kleinarbeit. 

Ein wichtiger Schritt gelang Broggini schliesslich mit einer Ernennung für den Migros-Verwaltungsrat: die Nomination von Roelof Joosten, der seit ein paar Monaten im Gremium sitzt. Er war Chef des Milchkonzerns Friesland Campina und bringt den dringend nötigen Aussenblick.

...und was schlecht

Erstens ist Broggini nie zu einem sichtbaren Präsidenten der Migros geworden. Seine Interviews sind rar, am meisten hat er zur Öffentlichkeit via die Migros-Presse gesprochen. Sein Bonmot: «Wer mich kennen muss, kennt mich.» Vorgänger Claude Hauser, ein Romand, der von 2000 bis 2011 amtierte, war ungleich stärker präsent. Zudem kannte der ehemalige Migros-Stagiaire aus Genf den komplexen Detailhandelsriesen – im Gegensatz zu Broggini – aus dem Effeff.

Corporate Governance war – und ist – für den Juristen Broggini immer ein wichtiges Thema. Also wollte er auch die Migros-Strukturen optimieren – und zum Beispiel eine Gewaltentrennung in 23-köpfigen Verwaltungsrat einführen. Im obersten Strategiegremium der Migros sitzen zahlreiche Leute aus der operativen Führung und aus den Genossenschaften, eigentlich ein No-go. Doch Broggini biss intern mit seinem Vorhaben auf Granit.

Nie angefasst hat Broggini überdies die längst fällige Struktur-Diskussion im schwerfälligen Gebilde Migros. So hat der orange Riese noch immer zehn Beriebszentralen. Und besonders bei den kleinen Migros-Genossenschaften besteht grosser Restrukturierungsbedarf. Auch die Zahl der Mitglieder im Verwaltungsrat ist viel zu gross.

Schliesslich hat Broggini sein erklärtes Ziel, den Anteil der Frauen im Konzern zu steigern, nicht erreicht. Sein Erfolg ist überschaubar: Im Verwaltungsrat beträgt der Frauenanteil magere 17 Prozent.

Und wer folgt auf Broggini?

Der Nachfolger oder die Nachfolgerin von Broggini wird im Frühling 2019 an der Delegiertenversammlung gewählt. Mögliche Kandidaten sind Ursula Nold, Präsidentin der Delegiertenversammlung, und Doris Aebi, Vizepräsidentin der Migros und Unternehmerin, sowie Beat Zahnd, Leiter Handel im Migros-Konzern.

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