Der Basler Agrochemie-Konzern Syngenta muss sich womöglich nach einem neuen Finanzchef umschauen. «Ich habe zugesagt, die Übergangszeit des neuen CEO zu begleiten, aber im Herbst werde ich meine Optionen prüfen», sagte John Ramsay zu «Bilanz» am Rande der ­Vorstellung der Quartalszahlen. Mit dem lauten Nachdenken über seine weitere Laufbahn ­reagiert der Schotte darauf, dass ihn der Verwaltungsrat in diesem Frühjahr nicht zum neuen Konzernchef ernannt hatte.

Seit 2008 im Amt

John Ramsay bekleidet seit 2008 den Posten des Finanzchefs und gilt als ein Ur­gestein von Syngenta. Denn der studierte Wirtschaftsprüfer ist schon seit der Gründung des Konzerns im Jahr 2000 in leitender Funktion dabei.

Im November vergangenen Jahres übernahm der 58-Jährige interimsweise auch den Posten des CEO, nachdem der damalige Konzernchef Mike Mack auf Druck von Aktionären zurückgetreten war. Mack hatte das Vertrauen der Investoren verspielt, unter anderem weil er nichts von einer Übernahme durch den US-Wettbewerber Monsanto wissen wollte.

Entscheid gegen Ramsay

Ramsay hatte sich zunächst Hoffnungen gemacht, dauerhaft den Chefposten behalten zu dürfen. Auch als im Frühjahr die Syngenta-Führung die geplante Übernahme durch ChemChina vorstellte, hielt Ramsay öffentlich an seinen Ambitionen fest.

Doch im Mai entschied sich der Verwaltungsrat von Syngenta für einen Neuanfang und berief zum 1. Juni den Ame­rikaner Erik Fyrwald an die Spitze des Agrochemie-Konzerns – einen Firmenfremden. Ramsay kehrte daraufhin in seine alte Funktion zurück.

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Hält sich Hintertür offen

Nun denkt er laut über einen Wechsel nach – hält sich dabei aber eine Hintertür offen: Die Prüfung der Optionen könne auch zum Ergebnis haben, dass er bei Syngenta bleibe, sagte er. Mit dem laufenden Übernahmeprozess hätten seine ­Reflexionen nichts zu tun.

Bis Ende des Jahres dürfte sich entscheiden, ob die US-Regierungsbehörde CFIUS den Kauf von Syngenta durch ChemChina genehmigt.

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