Volkswagen-Patriarch Ferdinand Piech hat mit einem einzigen Satz seinen früheren Ziehsohn Martin Winterkorn als VW-Vorstandschef schwer angeschossen. Die grosse Frage: hat der 77-Jährige, der von 1993 bis 2002 selbst an der Spitze des Wolfsburger Konzerns stand, schon einen Nachfolger für Winterkorn ausgemacht?

Piech will die Nachfolgefrage erst 2017 kurz vor seinem eigenen Abgang von der Spitze des Aufsichtsrats von Europas grösstem Autobauer regeln. Doch viele Analysten gehen davon aus, dass Winterkorn unter derart heftigem Beschuss durch den obersten Kontrolleur seinen Vertrag nicht bis Ende 2016 erfüllen wird. Winterkorn als Piechs Nachfolger an der Spitze des Aufsichtsrats gilt ohnehin als erledigt.

Piech gab im «Spiegel» Hinweise auf die ihm vorschwebenden Kandidaten für beide Spitzenposten: Sie arbeiteten bereits im Unternehmen, seien keine Mitglieder der Famlilie Piech-Porsche - mit 51 Prozent Hauptaktionär von VW - und müssten Techniker sein. Nachfolgend eine Liste möglicher Kandidaten:

Matthias Müller, Porsche-Chef

Der 61-jährige Vorstandschef der Sportwagen-Tochter von VW ist seit bald vier Jahrzehnten im Konzern. Er lernte bei Audi in Ingolstadt Werkzeugmacher und kehrte nach dem Informatikstudium dorthin zurück. Als Produktmanager brachte er dort den heutigen Verkaufsschlager Audi A3 auf den Markt.

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Als Winterkorn 2007 als Chef von Audi an die VW-Spitze wechselte, ging Müller mit nach Wolfsburg, wo er die Produktstrategie des Konzerns bestimmte. Nach der gescheiterten Übernahme von Volkswagen durch Porsche, die schliesslich mit der Unterordnung Porsche als zwölfte Marke des Konzerns endete, übernahm er 2010 die Porsche-Führung.

Nach Audi ist die Sportwagenschmiede der zweitgrösste Gewinnbringer des Konzerns - im ersten Quartal lieferte Porsche erstmals mehr als 50'000 Fahrzeuge aus. Müller gehört seit Februar auch dem VW-Vorstand an.

Ulrich Hackenberg, Chefentwickler Audi und VW-Konzern

Der Maschinenbau-Professor hat als Techniker in der Autobranche einen Ruf wie Donnerhall. Er kam 2007 zusammen mit Winterkorn von Audi zu VW. In einer Doppelfunktion soll Hackenberg seit 2013 neben der Leitung der Entwicklung im Konzern die Premiumtochter wieder zum Innovationsmotor machen. Experten sehen in dieser Rolle derzeit eher BMW.

Der oft kurz nur Hacki genannte Manager hat die Baukastentechnik entwickelt, mit der über einheitliche Fahrzeugteile die Produktionskosten gesenkt werden sollen. Hackenberg wird im Mai 65 Jahre alt. Das mag aus Sicht des 77-jährigen Piech kein Rentenalter sein, doch käme er deshalb aber vielleicht nur als Übergangschef in Frage.

Winfried Vahland, Skoda-Chef

Der öffentlich kaum bekannte Westfale hat die tschechische Tochter zu einer Erfolgsstory im Konzern gemacht. Die Marke mit dem Flügel-Pfeil im Logo macht dank aufpoliertem Design bei günstigen Preisen der Kernmarke VW Konkurrenz.

Meriten hat sich Vahland auch vor zehn Jahren in China verdient, wo er frühzeitig im Autoboom die Basis für einen Erfolg von Volkswagen auf seinem wichtigsten Markt legte. Der 58-jährige Maschinenbauer und Betriebswirt ist in der Wolfsburger Zentrale gut vernetzt und hoch angesehen.

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Bald in Wolfsburg: Herbert Diess, VW-Markenchef

Der 56 Jahre alte Münchner kommt am 1. Juli von BMW zu Volkswagen und soll dort von Winterkorn die Führung der schwächelnden Hauptmarke VW übernehmen. Diess gilt als knallharter Kostendrücker, der Sparprogramme kompromisslos gegen Kritik der Belegschaft durchdrückt.

Bei BMW rückte der promovierte Maschinenbau-Ingenieur nach rund zehn Jahren 2007 in den Vorstand als Einkaufschef auf, um mit Milliardeneinsparungen die Rendite hochzutreiben. Unter Zulieferern war Diess als harter Verhandler gefürchtet. Zeitweise galt er als möglicher Nachfolger von Konzernchef Norbert Reithofer, doch dazu wurde dann Produktionschef Harald Krüger bestimmt.

Schon angekommen: Andreas Renschler, LKW-Chef

Als der langjährige Daimler -Manager in Stuttgart 2014 das Handtuch warf, nannte er die fehlende Perspektive auf den Chefsessel als einen Grund. Bei Volkswagen arbeitet er seit Februar als Nutzfahrzeug-Vorstand an einer Allianz der beiden Lkw-Töchter MAN und Scania.

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Dem 57-jährigen Wirtschaftsingenieur fehlt allerdings so wie Diess noch der Stallgeruch, und er hat zudem bei den Nutzfahrzeugen eine grosse Baustelle zu beackern, sodass er womöglich erst nach einer Übergangszeit als oberster Lenker des Volkswagen-Imperiums in Frage käme.

(reuters/ccr)