Kaum ein an der hiesigen Börse kotiertes Unternehmen ist stärker von der globalen Corona-Pandemie betroffen als der Reisedetailhändler Dufry. So brachen im Monat April durch die Lahmlegung des internationalen Reiseverkehrs 94 Prozent der Umsätze weg, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte.

Der Einbruch hatte sich im ersten Quartal bereits abgezeichnet. Waren in den ersten Monaten des Jahres noch vor allem die Geschäfte in Asien beeinträchtigt, wurden im Laufe des Monat März sämtliche Regionen von der Krise erfasst.

Nun sieht sich Dufry mit einem noch nie dagewesenen Einbruch im globalen Fluggeschäft konfrontiert. In den vergangenen Jahren war das Unternehmen dank verschiedenen Zukäufen zum Weltmarkführer im Reisedetailhandel und Duty-Free-Geschäft aufgestiegen und ist mittlerweile in 63 Ländern präsent.

Die Absicht hinter der Expansionsstrategie war unter anderem eine möglichst breite geographische Aufstellung, dank der lokale Krisen besser absorbiert werden können.

Hoher Schuldenberg

In der aktuellen Situation ist diese starke Präsenz rund um den Globus allerdings kein Vorteil. Vielmehr hatte das Unternehmen durch die verschiedenen Übernahmen einen hohen Schuldenberg angehäuft, und die Entwicklung der Verschuldungsquote war von Analysten bereits vor der Krise jeweils kritisch beobachtet worden.

Ende April sah sich das Unternehmen dann gezwungen, zu drastischen Massnahmen zu greifen. So wurde die ursprünglich in Aussicht gestellte Dividende gestrichen, eine Kapitalerhöhung durchgeführt und eine Wandelanleihe ausgegeben. Zudem wurden Investitionen eingefroren und die laufenden Kosten auf ein Minimum runtergefahren.

Minus von 40 bis 70 Prozent

Mit dem umfassenden Massnahmepaket sieht sich das Unternehmen nun gut gerüstet, um die Krise zu meistern. Je nach Szenario rechnet Dufry mit einem Umsatzrückgang zwischen 40 und 70 Prozent in den kommenden Monaten.

Zur Überbrückung bis zu einer Normalisierung des Reiseverkehrs steht aktuell Liquidität von 1,6 Milliarden Franken zur Verfügung, womit gemäss Einschätzung der Analysten die Finanzierung bis ins Jahr 2021 hinein gesichert sein dürfte.

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Bei den Anlegern ist aber dennoch eine grosse Nervosität zu beobachten. Obwohl die wichtigsten Eckwerte für das erste Quartal bereits bekannt und der der Neuigkeitsgehalt beim heutigen Trading-Update eher gering war, brechen die Dufry-Aktien am Dienstag abermals um mehr als 5 Prozent ein. Seit Anfang Jahr haben die Titel damit fast drei Viertel ihres Wertes verloren.

(awp/tdr)