Das Hauptproblem lautet auch zu Beginn des Jahres 2009: Die Banken rund um den Globus vertrauen sich nicht mehr. Sie horten ihr Geld, statt es auszuleihen, trocknen so die Realwirtschaft aus und ziehen die Börsen in den Keller. Doch warum ist das so?

«Es ist wie bei einem Haufen Verwundeter, die an ihren Verletzungen herumdoktern, und jeder fragt sich: Wer ist der Nächste?», sagt Niall Ferguson, Professor an der Harvard-Universität und der wohl führende Wirtschaftshistoriker weltweit (Seite 54). Dass die Verletzungen längst nicht geheilt sind und immer neue Verwundete hinzukommen, belegt er mit den Zahlen der englischen Notenbank: Sie schätzt die Verluste durch die Finanzkrise weltweit auf 2800 Milliarden Dollar, abgeschrieben wurden bisher aber erst 500 Milliarden. Natürlich sind auch diese Schätzungen, wie fast alle in diesen Tagen, sehr grob, andere gehen von mehr als 3000 Milliarden Abschreibungen aus. Fergusons Fazit ist jedoch unbestritten: «Da kommt noch einiges auf uns zu.»

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Als Retter bleibt nur der Staat, und die grosse Frage der nächsten Wochen wird sein, ob Häuser wie CS oder Deutsche Bank wirklich ohne seine Hilfe auskommen. Der Steuerzahler begleicht jetzt die Rechnung für die schon immer widersprüchliche Strategie der Banken. «Ihr Geld ist bei uns sicher» lautete die eine Botschaft. «Wir machen mehr aus Ihrem Geld» die andere. Der Renditedruck, den sich die Banken aus Konkurrenzdenken und Profitsucht auferlegten, führte zur Kreation von wahnwitzigen und volkswirtschaftlich unsinnigen Finanzprodukten, welche die globale Wirtschaft in die Rezession gerissen haben. Die Sicherheit, die der Staat im Namen der Kunden einforderte, blieb auf der Strecke.

Noch liegt die neue Finanzwelt im Nebel. Die wahrscheinlichste Variante: Die Grossbanken werden zu Infrastrukturanbietern, die den Zahlungsverkehr sichern, Kredite anbieten und Vermögen verwahren – sicher und beständig wie ein Stromkonzern. Wer Risiko sucht, geht zu Spezialanbietern, die unabhängig vom Staat agieren.

Dirk Schütz
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