Emmi trennt sich von einer italienischen Problemsparte: Der grösste Schweizer Milchverarbeiter verkauft den defizitären Jogurthersteller Trentinalatte an die deutsch-österreichische Industrieholding Livia.

Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart, wie Emmi am Montag mitteilte. Trentinalatte mit Sitz in Roverè della Luna hat den Luzernern den Halbjahresabschluss versauert: Belastet von Wertberichtigungen auf der norditalienischen Tochter von 38,5 Millionen Franken ist der Reingewinn um 76 Prozent auf 9,8 Millionen Franken gefallen.

Trentinalatte im Juli 2006 übernommen

Emmi hatte Trentinalatte im Juli 2006 übernommen, um im Jogurtgeschäft in Italien zu expandieren. Der Kaufpreis war damals nicht genannt, von Analysten aber auf rund 30 Millionen Franken geschätzt worden.

Trentinalatte leidet laut Emmi unter der angespannten wirtschaftlichen Lage in Italien. Die Firma mit ihren 130 Angestellten schreibt rote Zahlen. 2013 erzielte sie einen Umsatz von umgerechnet 43 Millionen Franken, wie Emmi-Sprecherin Sibylle Umiker auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte.

Mehrere Interessenten

Für die Tochtergesellschaft seien alle Optionen geprüft worden. Emmi habe sich unter einer Vielzahl von Interessenten für den Verkauf an Livia entschieden. Die Arbeitsverträge würden übernommen, sagte Umiker.

Die Industrieholding Livia mit Sitz in München und Wien verfüge über die notwendige Expertise, Trentinalatte in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Das Unternehmen des Financiers Peter Löw ist auf Beteiligungen an angeschlagenen Firmen spezialisiert und investiert auch in Immobilien, Kunst und in die Landwirtschaft.

Auch nach dem Verkauf von Trentinalatte bleibt Emmi in Italien aktiv. Neben den Exporten aus der Schweiz ins südliche Nachbarland gehören Emmi die beiden italienischen Desserthersteller A-27 und Rachelli. Diese beiden Töchter seien in einem spezialisierteren Geschäft tätig, verfügten über höhere Exportanteile und stünden nicht zur Disposition, hiess es.

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Wenig Überraschung auf Analystenseite

Analysten zeigen sich in ersten Kommentaren wenig überrascht. Auch wenn die Konditionen des Verkaufs nicht offen gelegt werden, dürfte dies für Emmi die attraktivere Lösung sein als die Schliessung der Fabrik, merkt die Zürcher Kantonalbank an. Bei der Bank Vontobel habe dies nur geringe Auswirkungen auf die Gewinnschätzungen. Das «Hold»-Rating und das Kursziel von 325 Franken wird bestätigt.

Das Mittelfristziel von Emmi, welches einen ausgeglichenen Mix aus Schweizer und internationalen Umsätzen vorsieht, werde davon kaum tangiert, heisst es bei Safra Sarasin, da das Umsatzgewicht von Trentinalatte auf Gruppenebene marginal gewesen sei. Der Verkauf mache jedoch deutlich, dass das Management den Fokus auf stärker auf eine bessere Auslastung und die Rendite auf das investierte Kapital lege. Die Kaufempfehlung wird bekräftigt.

(awp/sda/ccr)