Der Swissair-Fall, in dem fünfeinhalb Jahre ermittelt wurde, hat die Zürcher Staatsanwaltschaft III aus dem Lot gebracht. Weil er höchste Priorität hatte, wurden ihm alle benötigten personellen Ressourcen zugeteilt. Als Folge haben nun andere Fälle Verspätung. Die Behörde verspricht Besserung und will die Untersuchungszeit auf maximal drei Jahre reduzieren. Zugleich wehrt sie sich gegen pauschale Kritik. Der Leitende Oberstaatsanwalt Andreas Brunner verweist auf jene Erfolge, über die kaum jemand sprechen würde. Jährlich kämen 10 bis 20 schwierige Fälle vor Gericht. Doch den stärksten Eindruck hinterlassen jene grossen Fälle, die nach mehrjähriger Ermittlungsdauer immer noch hängig sind:

Erb-Gruppe

Das Winterthurer Familienunternehmen bricht Ende 2003 wegen Fehlinvestitionen in Deutschland und missglückter Devisenspekulationen der Besitzer zusammen. Die Gläubiger der Schweizer Autoimporteurin haben offene Rechnungen über Milliarden. Die Staatsanwaltschaft eröffnet ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts auf Urkundenfälschung, Bilanzfälschung und Täuschungen bei der Vergabe von Krediten. Obwohl die Untersuchung bereits über drei Jahre dauert, dürfte sie laut Staatsanwaltschaft noch weit von einem Abschluss entfernt sein.

Bank Leumi le-Israel

Der Direktor soll in den achtziger Jahren 100 bis 200 Millionen Kundengelder veruntreut oder verspekuliert haben. Während der sechs Jahre dauernden Ermittlungen wechselt bei der Zürcher Staatsanwaltschaft mehrmals die Zuständigkeit. Erst Marc Jean-Richard erhebt Ende letzten Jahres Anklage gegen Ernst Imfeld. Diesem wird Veruntreuung, Betrug, ungetreue Geschäftsbesorgung, Urkundenfälschung und Gläubigerschädigung vorgeworfen. Neben Ernst klagt die Staatsanwaltschaft weitere sechs Personen an, die nichts mit der israelischen Bank zu tun haben.

Rentenanstalt / Swiss Life

Seit November 2002 ermittelt die Behörde gegen Verantwortliche der Swiss Life. Bei der Investmentgesellschaft Long Term Strategy (LTS) soll es sich um ein cleveres Bereicherungsvehikel für das Topmanagement der Swiss Life handeln. Obwohl der Untersuchungsgegenstand vermeintlich klar umrissen ist, können die Ermittler noch nicht abschätzen, wie lange ihre Ermittlungen dauern dürften. Der Leitende Staatsanwalt Christian Weber begründet dies damit, dass es sich für seine Leute gerade in diesem scheinbar einfachen Fall um eine hochkomplexe Materie handle.

Bank Vontobel

Rund um die Kapitalerhöhung der Private Equity Holding (PEH) sollen Vontobel-Spitzenleute im Frühling 2000 gegen das Strafrecht verstossen haben, vermutet der untersuchende Vizechef der Staatsanwaltschaft III, Andreas Ochsenbein. Trotz der langen Ermittlungsdauer gegen die Vontobel-Topshots Jörg Fischer, Hans-Peter Bachmann und weitere Beschuldigte ist für die Anklagebehörde bis jetzt kein Erfolg in Sicht. Im Gegenteil, ein mitangeklagter Vontobel-Händler wird vor Jahresfrist in zweiter Instanz freigesprochen.

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Swissfirst

Der Ex-CEO der Privatbank, Thomas Matter, und sein einstiger Weggefährte Rumen Hranov decken einander mit Strafanzeigen ein. Matter habe bei der Fusion mit der Bellevue-Gruppe, einer anderen Investmentbank, sein Insiderwissen mit PK-Managern geteilt. Diese hätten durch persönlich motivierte Transaktionen die Versicherten geschädigt. Der zuständige Staatsanwalt hat Hausdurchsuchungen und unzählige Einvernahmen durchgeführt. Gegen Matter, der seine Bank verloren hat, liegt trotzdem noch nichts vor.