Ein chinesisches Gericht hat sechs ehemalige Nestlé-Mitarbeiter wegen Bestechung verurteilt. Die Betroffenen müssen ein Strafgeld bezahlen und eine Gefängnisstrafe absitzen. Das berichtet die Zeitung «South China Morning Post». Der Nahrungsmittelmulti bestätigt den Medienbericht.

Die Höhe der Geldbusse und Gefängnisstrafe ist nicht bekannt. «Nestlé als Unternehmen wurde für nicht haftbar gefunden», sagt Nestlé-Sprecher Michael Jennings. «Die Richtlinien und Verfahren, die wir in China haben wurden vom Gericht anerkannt und waren einer der Gründe, warum das Gericht festgestellt hat, dass Nestlé keine Schuld trug.»

Gesundheitsakteure verurteilt

Neben den einstigen Nestlé-Mitarbeitern wurden auch drei Mitarbeiter eines staatlichen Krankenhauses der Korruption schuldig befunden. Zuständig war ein Gericht in der nordchinesischen Millionenstadt Lanzhou.

Hintergrund ist ein Skandal um die illegale Weitergabe von persönlichen Informationen. Angestellte eines staatlichen Krankenhauses haben Patientendaten weitergegeben, welche Nestlé-Mitarbeiter dazu genutzt haben, um das hauseigene Milchpulver zu verkaufen.

Geldstrafe gegen Kartell

Es ist nicht das erste Mal, dass Nestlé wegen Missständen im chinesischen Babymilch-Geschäft in die Schlagzeilen gerät. Vor vier Jahren verhängte die chinesische Regierung Geldstrafen gegen ein Milchpulver-Kartell. Sechs Unternehmen wurden wegen unlauterer Verteuerung von Baby-Milch-Produkten gebüsst. Untern den Sündern waren der französische Gigant Danone und die zwei US-Firmen Abbott Laboratories sowie Mead Johnson.

Nestlé entkam dem Bussenregen. Der Nahrungsmittelmulti kooperierte mit den Behörden und senkte frühzeitig die Preise um bis zu 15 Prozent. Trotzdem litt der Ruf der Firma. Dabei haben die Westschweizer eine klare Nulltoleranzpolitik. «Die vollständige Einhaltung aller anwendbaren Gesetze und Vorschriften ist für Nestlé eine absolute Priorität. Wir erwarten auch, dass unsere Mitarbeiter das Gesetz in ihrer täglichen Arbeit strikt einhalten», sagt Sprecher Jennings.

Attraktiver Markt

Der chinesische Baby-Milch-Markt gehört zu den grössten der Welt zählt. Seit dem Melamin-Skandal 2008 sind die Produkte ausländischer Anbieter besonders beliebt. Seinerzeit starben sechs Säuglinge, weil eine chinesische Firma die Babymilch mit Melamin pantschte. Knapp 300'000 chinesische Kleinkinder erkrankten. Die Firma – seinerzeit Marktführer – ging konkurs.

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Monatelang wehrte sich Nestlé gegen Vorwürfe, seine Produkte seien in den Skandal involviert. Um die Gerüchte zu entkräften, schickte der seinerzeitige Chef Paul Bulcke über 50 Spezialisten nach China, um das chinesische Controlling-Team zu unterstützen.