Für den Handel mit CDs, DVDs und Büchern sieht die Zukunft düster aus. Wurden im Jahr 2000 schweizweit 20 Millionen Tonträger verkauft, waren es 2014 noch 3,7 Millionen. Die Zahl der Buchhandlungen hat sich seit 2007 auf 300 halbiert. Und der Umsatz mit DVDs und Blu-ray-Discs schmilzt jährlich zweistellig. Streaming und E-Books verdrängen die physischen Datenträger. Doch damit verdiente Ex Libris jahrzehntelang Geld.

Ans Aufgeben will CEO Daniel Röthlin nicht denken. Er hält an einem breiten Filialnetz fest. Zwar sank die Zahl der Läden seit 2008 von 119 auf 72, doch die verbliebenen will Röthlin wieder profitabel machen. Bildschirme kombinieren das Erlebnis von Online- und stationärem Kauf. Sie zeigen, was Online-Kunden gerade kaufen, und verweisen auf Artikel, die nach Hause geliefert werden, wenn sie nicht an Lager sind.

Nur sechs Filialen im neuen Look

Doch seit Röthlin Mitte 2014 ankündigte, sämtliche Läden umzubauen, hat sich wenig getan. Bislang konnte er erst sechs Geschäfte anpassen. Das Problem: «Nach dem Umbau ging der Umsatz in den neuen Läden zurück», so Röthlin. Der Rückgang soll bis zu 20 Prozent betragen, eine Zahl, die der Ex-Libris-Chef nicht bestätigen mag. Man habe die Reaktion der Kunden aber unterschätzt: «Viele hatten den Eindruck, bei Ex Libris gebe es nichts mehr zu kaufen.» Man war gezwungen, das Tempo des Umbaus zu drosseln und das Sortiment anzupassen: «Die Bereiche Film und Musik haben wir nun nicht so stark gekürzt wie geplant.»

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Immerhin stieg letztes Jahr die Anzahl der Online-Bestellungen von Produkten, die dann in den Filialen abgeholt wurden, um sagenhafte 22 Prozent. Kein anderer Händler setzt dieses Modell erfolgreicher um als Ex Libris. Ohne starkes Mutterhaus und die Unterstützung von Migros-Handelschef Dieter Berninghaus wäre das Wachstum aber kaum zu haben. So versprach Ex Libris im September und Oktober jedem Kunden dreifache Cumulus-Punkte, wenn er die online bestellte Ware in der Filiale abholt.

Amazon Konkurrenz machen

Dass Röthlin am Ende reüssiert, glaubt Patrick Kessler, Geschäftsführer des Versandhandelsverbands (VSV): «Er hat als Einziger in der Schweiz den Preiskampf mit Amazon aufgenommen. Immer wieder schafft er es auch, billiger zu sein.» Derweil sinkt der Ex-Libris-Umsatz weiter – letztes Jahr um 5,4 Prozent.

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