Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma greift beim Vermögensverwalter Julius Bär durch. Bei dieser hat die Aufsicht schwere Mängel in der Geldwäschereibekämpfung festgestellt. Bis diese behoben sind, verbietet die Finma der Bank komplexe Firmenakquisitionen durchzuführen.

Die Mängel wurden im Zeitraum von 2009 bis Anfang 2018 festgestellt. Damals war Boris Collardi noch CEO des Instituts. Dieser wollte auf Anfrage von AWP Finanznachrichten die Rüge der Finma nicht kommentieren. Collardi ist seit Mitte 2018 Teilhaber und Co-Leiter des Vermögensverwaltungsgeschäfts der Genfer Pictet-Gruppe.

Das Fehlverhalten der Bank stehe im Kontext der mutmasslichen Korruptionsfälle rund um den staatlichen venezolanischen Ölkonzern Petróleos de Venezuela S.A. PDVSA und den Fussballverband Fifa, wie die Finma am Donnerstag mitteilte.

Mangelhaftes Risikomanagement

Dabei deckten die Untersuchungen, die bereits 2017 eingeleitet wurden, systematische Mängel im Risikomanagement der Bank fest. Das Institut habe auf klare Hinweise auf Geldwäschereirisiken wiederholt nicht oder nicht entschieden genug reagiert, heisst es weiter.

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Die Bank habe zudem die Identität von Kunden sowie den Zweck und die Hintergründe ihrer Geschäftsbeziehungen ungenügend abgeklärt. So seien die Angaben in der sogenannten Know-Your-Customer-Dokumentation bei der überwiegenden Mehrzahl der geprüften Geschäftsbeziehungen unvollständig oder unklar gewesen. Transaktionen seien zu wenig konsequent überwacht und ungenügend hinterfragt worden, auch zu einem Zeitpunkt, als die Bank bereits klare Warnsignale betreffend Geldwäscherei haben musste, monierte die Finma weiter.

Vergütungsmodell bietet Fehlanreiz

Das Verfahren der Finma zeigt auch, dass auch Fehlanreize die Verletzungen der geldwäschereirechtlichen Pflichten begünstigten. So habe das Vergütungsmodell der Bank fast ausschliesslich auf monetäre Aspekte abgestützt, kritisiert die Aufsicht weiter. So erhielt beispielsweise ein für venezolanische Kunden zuständiger Kundenberater noch 2016 und 2017 Boni und Entschädigungen in Millionenhöhe, obwohl die Bank eine ganze Reihe seiner Kunden nach Ermittlungen oder Verdächtigungen im Kontext des PDVSA-Falles der Meldestelle für Geldwäscherei (MROS) gemeldet hatte.

Die festgestellten Verfehlungen hätten sich jedoch nicht auf einzelne Kundenberater beschränkt. Julius Bär habe insgesamt eine mangelhafte Compliance- und Risikokultur, in der den geldwäschereirechtlichen Pflichten nicht das erforderliche Gewicht beigemessen worden sei, kritisiert die Finma.

Bank muss Massnahmen umsetzen

Die Bank muss nun wirkungsvolle Massnahmen zur Durchsetzung der geldwäschereirechtlichen Pflichten ergreifen und bereits eingeleitete Massnahmen rasch umsetzen.

Zudem muss die Bank Prozesse bei der Rekrutierung und beim Management von Kundenberatern sowie in der Vergütungs- und Sanktionspolitik anpassen und im Verwaltungsrat den Fokus auf die Geldwäschereibekämpfung erhöhen.

Bis zur "Wiederherstellung des ordnungsgemässen Zustandes" ist es der Bank ausserdem untersagt, grosse und komplexe Firmenakquisitionen durchzuführen. Die Finma werde die Umsetzung der Massnahmen von einem unabhängigen Beauftragten überprüfen lassen.

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Die Finma anerkennt allerdings an, dass Julius Bär bereits vor und seit Beginn des Verfahrens operationelle, organisatorische und personelle Massnahmen zur Verbesserung des Geldwäschereidispositivs getroffen habe und dass die Massnahmen unter der heutigen Führung "entschieden vorwärts getrieben" würden.

Bär anerkennt die Finma-Schlussfolgerungen

Das wird auch von Julius Bär in einer Mitteilung unterstrichen. Zwar anerkennt die Bank grundsätzlich die Schlussfolgerungen im Zusammenhang mit Mängeln in der Geldwäschereibekämpfung im Lateinamerika-Geschäft. Man habe mit der Finma umfassend kooperiert und bereits im Verlauf der Untersuchung umfassende operationelle, organisatorische und personelle Massnahmen ergriffen und damit die Compliance- und Risikokultur innerhalb der Gruppe verstärkt, heisst es.

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Die Bank habe dabei unter einer neuen Führung die Strategie angepasst. Künftig werde der Fokus vom Neugeld-Wachstum auf nachhaltige Gewinnentwicklung verlagert.

Die Region Lateinamerika sei seit Dezember 2017 unter neuer Leitung, und sämtliche Schlüsselpositionen seien neu besetzt worden. Die Strategie der Region wurde von Grund auf neu ausgerichtet, so die Julius Bär. Das lokale Geschäft in Panama und Venezuela wurde gar ganz geschlossen.

Das globale Risikomanagement der Gruppe wurde ausserdem gemäss den Angaben im Rahmen eines umfassenden Programms über die letzten zwei Jahre gezielt verstärkt, und Schlüssel- und Führungspositionen wurden neu besetzt.

(awp/mlo)