Der schwache Euro und billiges Öl spielen den Autobauern in Europa in die Hände. Experten rechnen mit steigenden Verkäufen in Spanien, Italien oder auch Frankreich. Nur die Krise in Russland und der Ukraine trübt vor dem Genfer Autosalon die Stimmung.

Das billige Öl und der schwache Euro helfen den europäischen Autobauern, die im Zuge der Finanzkrise magere Jahre auf dem Heimatkontinent hinnehmen mussten. «Insgesamt stützen der billige Euro und die Null-Zins-Politik der EZB die Konjunktur in Westeuropa und den neuen EU-Ländern», sagt Automarkt-Experte Ferdinand Dudenhöffer vom Center Automotive Research (CAR) an der Universität Duisburg-Essen.

Europas Automarkt erholt sich

Ihm zufolge ist in West-Europa 2015 daher bei Personenwagen mit 12,57 MilliardenVerkäufen zu rechnen, was einem Plus von 3,7 Prozent gleichkäme. Auch das billige Öl dürfte den Autobauern demnach helfen. Wenn der Treibstoff günstig ist, ist es in der Regel leichter, die Fahrzeuge in den Markt zu bringen.

Unter den grossen europäischen Automärkten erwartet der Experte die grössten Zuwächse in Spanien mit mehr als elf Prozent, gefolgt von Italien (knapp neun Prozent) und Frankreich (mehr als fünf Prozent). Die Entwicklung in Spanien werde dabei aber auch von einer Abwrackprämie getrieben.

Den Krisenmodus verlassen

«Der europäische Automarkt hat nun die Talsohle hinter sich gelassen und verlässt langsam den Krisenmodus», sagt auch Autoexperte Peter Fuss vom Stuttgarter Beratungsunternehmen EY.

Bereits zum Jahresstart hatte der europäische Automarkt weiter zugelegt: Dank zweistelliger Zuwächse in Spanien und Italien kletterte der Absatz in der Europäischen Union im Januar um 6,7 Prozent auf knapp eine Million Fahrzeuge, wie der Branchenverband Acea mitteilte. In allen grösseren Märkten wurden mehr Autos verkauft.

Fachmann Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM) in Bergisch Gladbach hält weiteren Aufwind für wahrscheinlich, warnt aber zugleich vor Risiken. «Ich glaube schon, dass die vergleichsweise solide Erholung in Europa weitergeht.» Im Markt gebe es aber nach wie vor eine grosse Unsicherheit, wie sich die Lage im Osten der Ukraine entwickle.

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Russicher Markt schwach

«Für den russischen Markt sehe ich relativ schwarz. Da werden die Verkäufe im zweistellige Prozentbereich einbrechen», sagt Bratzel. «Die Frage ist, ob das ein bisschen überschwappt. Ich rechne im Moment nicht damit, aber man muss es stark beobachten.» Auch Dudenhöffer erwartet in Russland einen Einbruch der Autoverkäufe um fast 22 Prozent.

Er gibt aber Entwarnung: «Wer weltweit unterwegs ist, kann Russland ausbalancieren.» Der niedrige Eurokurs biete gute Exportchancen und damit höhere Gewinne. Unternehmen mit einem hohen Geschäftsanteil im Dollarraum können beispielsweise in Europa gebaute Produkte im Ausland günstiger anbieten - und sich so einen Wettbewerbsvorteil verschaffen.

China und USA wichtigste Wachstumsmärkte

Ohnehin bleiben die beiden grossen Märkte China und die USA auch künftig die Zugpferde der Hersteller. 2014 stieg der Personenwagen-Absatz allein in diesen beiden Märkten um insgesamt drei Millionen Autos, wie aus einer CAM-Studie hervorgeht. Demnach bestimmten diese beiden Regionen bald die Hälfte des globalen Absatzes.

Auf dem wichtigen Markt China erreichte PSA Peugeot Citroën demnach zuletzt das höchste Wachstum (+32 Prozent). Die Franzosen setzen damit jedes vierte weltweit verkaufte Auto in dem Riesenreich ab. Hohes Wachstum verbuchten aber auch Daimler, Jaguar-Landrover sowie Ford und BMW.

Mehr als 130 Welt- und Europapremieren

Auf dem 85. Autosalon in Genf, der vom 5. bis 15. März stattfindet, stellen Autobauer mehr als 130 Welt- und Europapremieren vor. Insgesamt präsentieren nach Angaben der Veranstalter 220 Aussteller rund 900 Fahrzeuge.

Knapp hundert davon entsprechen bereits den Abgasnormen, die die EU-Kommission für 2021 ausgegeben hat. Ähnlich wie im Vorjahr werden etwa 700'000 Besucher auf dem Messegelände erwartet. Ein Höhepunkt dürfte die Wiederauferstehung der Marke Borgward sein, zu der in Genf Details bekanntgegeben werden sollen.

Wichtige Themen der Messe dürften neue Technologien, autonomes Fahren und auch die Verbindung der IT-Branche mit der Autowelt sein. Eröffnet wird der Autosalon dieses Jahr von Bundesrätin Doris Leuthard.

(sda/ccr)