Ausgangslage

Der Büroraum ist ein wichtiges Element für die Gesundheit der Mitarbeitenden am Arbeitsplatz, da sich viele Mitarbeitende einen Grossteil ihrer Arbeitszeit dort aufhalten. Es gibt zahlreiche Belege für die Wirkung von einzelnen Elementen des Büroraums auf die physische und psychische Gesundheit. In der betrieblichen Gesundheitsförderung hat der Büroraum jedoch bis anhin vor allem unter ergonomischen Aspekten Beachtung gefunden, Auswirkungen auf die psychische Gesundheit werden kaum betrachtet. Die Bedeutung des Change Management bei Implementierung organisationaler Gesundheitsinterventionen ist erkannt und auch in einigen Studien erforscht. In diesen Studien steht jedoch zumeist der Erfolg des Veränderungsprozesses im Fokus, die Auswirkung des Veränderungsprozesses selbst auf die psychische Gesundheit wurde in diesem Kontext nur wenig betrachtet. Auch bei der Veränderung von Büroraumkonzepten und damit verbundener Forschung findet das Change Management und dessen Wirkung auf die psychische Gesundheit der Betroffenen bisher noch kaum Beachtung.

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Ziel des Berichts

Das Ziel des vorliegenden Berichts besteht in der Identifikation von Wirkfaktoren in der Büroraumumgebung und im begleitenden Workplace-Change-Prozess zur Gesundheitserhaltung und -förderung. Entsprechend werden nicht nur potenziell gesundheitsgefährdende Faktoren untersucht, sondern auch Elemente der Arbeitsumgebung und des bürobezogenen Veränderungsprozesses, welche positive Wirkungen auf die Gesundheit der Betroffenen haben. Der Bericht gibt einen Überblick über bestehende Konzepte und Ergebnisse aus der Forschung und dient als Grundlage für die spätere empirische Forschung zur Analyse der relativen Bedeutung der Wirkfaktoren. Rahmenmodell und Methodik Dem Bericht liegt ein systemisches Grundverständnis des Büroraums zugrunde, nach welchem die Büroarbeitsumgebung in Wechselwirkung mit den darin arbeitenden Individuen, den Arbeitsprozessen, organisationalen Merkmalen (Führung, Strategie, Kultur), angebotenen Services und der verwendeten Technologie sowie mit dem Change-Management-Prozess steht. Auf Basis des arbeitspsychologischen Stressmodells und des «Job Demands-Resources»-Modells wird für den vorliegenden Bericht ein prozessuales Stressmodell entwickelt. Dieses dient als Grundlage für die Analyse der Wirkung von Aspekten der Arbeitsumgebung und des Workplace Change Management auf die Gesundheit. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf der psychischen Gesundheit. Für die Identifikation der Wirkfaktoren dient eine Literaturanalyse, die durch Ergebnisse der eigenen Forschung am IFM ergänzt wird. Zusätzlich wurden explorative Interviews mit Experten aus verschiedenen Disziplinen durchgeführt.

Erkenntnisse

Für den Büroraum wurden Wirkfaktoren in den vier Kategorien materielle Umgebung, Innenraumumge bung und sozial-räumliche Umgebung sowie im Workplace Management gefunden. In der materiellen Umgebung zeigten sich die räumliche Organisation, Bürogrösse, Funktionalität und Vielfalt von Räumen und Zonen sowie natürliche Elemente als relevant. Im Bereich der Innenraumumgebung wurden die Akustik, Luftqualität und Klima sowie Licht und Beleuchtung identifiziert. Die sozial-räumliche Umgebung beinhaltet die Wirkfaktoren Privacy, Crowding sowie Störungen, Ablenkungen und Unterbrechungen. Als wichtige Faktoren des Workplace Management wurden die Angemessenheit der Arbeitsumgebung in Bezug auf Arbeitsaufgaben und -prozesse, Organisationskultur sowie individuelle und gruppenbezogene Bedürfnisse, die symbolische Botschaft der Gestaltung und Bewirtschaftung sowie die Services identifiziert. Im Workplace Change Management wurden die Wirkfaktoren in die vier Kategorien Veränderungsprozess, Veränderungsinhalt, Kontext und individulle Merkmale unterteilt. Für den Veränderungsprozess erweisen sich die Wirkfaktoren Transparenz und Vorhersagbarkeit, Kontrolle und Beeinflussbarkeit, sowie Fairness und Gerechtigkeit als bedeutend für das Wohlbefinden der Betroffenen. Hinsichtlich des Veränderungsinhalts werden die persönliche Erfolgsbilanz, Sinn und Dringlichkeit, Zielklarheit und die Dimension der Veränderung als relevante Faktoren identifiziert. Hinsichtlich des Kontexts, also der Bedingungen im Unternehmen, in welchem die Arbeitsplatzveränderung stattfindet, gibt es zahlreiche Faktoren aus der Stressforschung, die für die Gesundheit der Mitarbeitenden relevant sind. In Bezug auf den Workplace-Change-Management-Prozess werden die Faktoren Vertrauen und soziale Unterstützung als bedeutend erachtet. Ähnlich verhält es sich mit den individuellen Merkmalen der von der Veränderung Betroffenen. Als wichtige individuelle Merkmale im Workplace Change Management erweisen sich die Einstellung zur Veränderung sowie das veränderungsbezogene Kohärenzgefühl.

Konklusion und Ausblick

Literaturanalyse, eigene Forschungen und die Experteninterviews bestätigen, dass der Büroraum und der veränderungsbegleitende Workplace- Change-Prozess eine Vielzahl von Wirkfaktoren umfassen, welche die Gesundheit der Mitarbeitenden beeinflussen. Sie beinhalten damit ein beachtliches, aber wenig genutztes Potenzial für das betriebliche Gesundheitsmanagement. Für die Anwendung in der Praxis müssen die hier vorgestellten Wirkfaktoren in einen Leitfaden übertragen werden, welcher konkrete Handlungsanweisungen und Empfehlungen für Unternehmen in der Schweiz hinsichtlich der Gestaltung ihrer Büroräume und der Konzeption der begleitenden Change-Prozesse gibt. Die identifizierten Wirkfaktoren müssen in einem weiteren Schritt operationalisiert und empirisch überprüft werden. Auf Basis der empirischen Ergebnisse können die dargestellten Wirkfaktoren anschliessend in Ressourcen sowie herausfordernde und behindernde Stressoren unterteilt werden. Ebenso sind die Effektgrössen der aufgeführten Wirkfaktoren in Studien zu überprüfen, um eine Aussage hinsichtlich ihrer Wichtigkeit zu ermöglichen und ihre Wirkungsweisen und gegenseitigen Abhängigkeiten besser zu verstehen.