Der Verband Angestellte Schweiz fordert Novartis auf, auf den angekündigten Stellenabbau in der Schweiz zu verzichten. Der Konzern füge damit der Schweizer Wirtschaft und sich selber grossen Schaden zu, hiess es in einer Stellungnahme vom Dienstag.

Man dürfe annehmen, dass sich Novartis als einer der grossen Branchenplayer seiner Verantwortung für den Standort Schweiz angesichts der Bedeutung der Pharmaindustrie bewusst sei. Vor dem Hintergrund eines weiteren erwarteten Wachstums für die Branche sei ein Stellenabbau «verantwortungslos».

Pochen auf gesellschaftliche Verantwortung

«Wir lassen uns von Novartis nicht den Industriestandort in Basel zerstören», wird Christof Burkard, Leiter Sozialpartnerschaft bei den Angestellten Schweiz zitiert. Man werde gemeinsam mit dem Novartis Angestelltenverband sowie der Arbeitnehmer-Vertretung «alles daran setzen, die Beschäftigung bei Novartis in der Schweiz zu halten und zu sichern».

Es werde zudem stark bezweifelt, dass die Massnahme die erhoffte Wirkung bei Novartis habe. Da viele Anleger gesellschaftliche Verantwortung von Unternehmen fordern, führe unethisches Verhalten längerfristig zu einem Wettbewerbsnachteil am Kapitalmarkt. Zudem garantiere die Verlagerung von Stellen nicht automatisch eine Verbesserung der Kostenbasis. Hinzu komme, dass die Mitarbeitenden demotiviert würden und der Konzern seine Reputation gefährde.

«Überrascht über das Ausmass»

Die baselstädtische Regierung ist «überrascht vom Ausmass des Stellenabbaus» bei Novartis, von dem sie «mit Bedauern und Enttäuschung» Kenntnis nehme. Die kantonalen Behörden würden «das Engagement» des Konzerns in Basel seit Jahren «begleiten und unterstützen».

Die Regierung habe Novartis' Engagement «immer als Bekenntnis zum Standort gewertet», teilte sie am Dienstag mit. Sie beobachte mit Sorge, dass dieser Abbau einem internationalen Trend entspreche, der zulasten der Beschäftigten an hiesigen Industriestandorten laufe. «Dies darf sich in Basel-Stadt nicht fortsetzen».

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Die baselstädtische Regierung begrüsst den geplanten Sozialplan mit Verweis auf die Verunsicherung der betroffenen Angestellten, die schnellstmöglich eine neue Perspektive bräuchten. Die Kantonsbehörden würden diesen «zur Seite stehen». In Basel stehen rund 700 Stellen auf der Streichliste.

Bedauern auch im Baselland

Auch die Baselbieter Regierung - das vom Abbau mit betroffene Industriegebiet Schweizerhalle liegt auf Boden von Muttenz BL und Pratteln BL - reagiert mit Bedauern auf die Abbau-Ankündigung, von der sie vorab Kenntnis erhalten habe. Sie begrüsse Sozialplan, Umschulungs- und Frühpensionierungsangebote und biete Betroffenen ebenfalls behördenseits Hilfe an.

(sda/mbü/tdr)