Der juristische Streit um den abrupten Abschied des ehemaligen Fonds-Gurus Bill Gross bei der Allianz-Tochter Pimco gewinnt an Schärfe. Sein ehemaliger Arbeitgeber erklärte in einem am Montag (Ortszeit) veröffentlichten Schriftsatz, Pimco habe «gute Gründe» gehabt, sich 2014 von dem heute 71-Jährigen zu trennen. Firmen-Mitgründer Gross habe Kollegen beleidigt und den damaligen Vorstandschef von Pimco sabotiert, hiess es in dem Schreiben, das beim California Superior Court in Santa Ana eingereicht wurde. Pimco wies damit die Schadenersatzforderung von Gross zurück, der von dem Vermögensverwalter mehr als 200 Millionen Dollar fordert. Das Geld würde der Milliardär nach eigenen Angaben für wohltätige Zwecke spenden.

Gross hatte Pimco im September 2014 von einem Tag auf den anderen verlassen. Er hatte jahrelang den einst grössten Anleihefonds der Welt, Pimco Total Return, geführt. Investoren hatten dort aber massiv Geld abgezogen, nachdem er sich mehrfach mit US-Staatspapieren verspekuliert hatte. Gross sieht sich als Opfer einer Intrige von Pimco-Managern, die ihm seinen Anteil an den Bonus-Zahlungen geneidet hätten. Seither arbeitet er als Fondsmanager für den kleinen Vermögensverwalter Janus Capital.

Kündigung mit handgeschriebenem Zettel

Pimco präsentierte einen handgeschriebenen Zettel, den Gross auf seinem Schreibtisch hinterlassen habe, als er sein Büro mitten in der Nacht zum letzten Mal verliess. Darauf stand: «An: CEO, Pimco: Mit diesem Schreiben bestätige ich meinen Rücktritt zum 26. September, 6.29 Uhr. William H Gross.» Das Papier sei dort erst am Morgen gefunden worden, nachdem Janus Capital Gross schon als Neuzugang verkündet habe.

Pimco erklärte in dem Schriftsatz, allein Gross' «selbstzerstörerisches Verhalten» hätte schon eine Kündigung gerechtfertigt. Zudem habe er sein Versprechen gebrochen, sich an die Entscheidungen des Managements zu halten, und versucht, Kollegen zu sabotieren, die er für illoyal gehalten habe. Schon einen Tag vor seinem Abschied habe er zudem in einer Sitzung eingeräumt, dass er seinen Bonus verwirken würde, wenn er noch im September gehen würde.

Seine Anwältin Patricia Glaser wiederholte die Vorwürfe gegen das Unternehmen: Den Führungskräften sei es nur darum gegangen, einen grösseren Anteil vom Gewinn abzugreifen, der Gross nach seinem Vertrag zugestanden habe. Der Münchener Versicherer Allianz hatte Gross bei der Übernahme von Pimco einen festen Anteil vom Gewinn zugesichert.

(reuters/ccr)